Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin. dpa/Kay Nietfeld

Es ist die Nachricht, die niemand hören möchte. Der Chefvirologe an der Berliner Charité, Christian Drosten, spricht sie aus: Corona wird unseren Alltag vom Herbst an erneut einschränken, und auch in den kommenden Jahren kommen wir um Corona-Maßnahmen nicht herum.

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Am 20. März sollte eigentlich Freedom Day gefeiert werden, doch das Fest zur Beendigung von Maskenpflicht, Abstand und Kontaktbeschränkungen fiel sang- und klanglos aus. Denn die Bundesländer haben die Maßnahmen bis in den April hinein verlängert. Grund waren die weiterhin exorbitanten Corona-Zahlen.

Am Mittwoch meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) eine astronomische Inzidenz von 1734,2 bundesweit bei 329 Corona-Toten, obwohl die Omikron-Variante doch eigentlich für überwiegend milde Verläufe sorgt. Doch weiterhin ist Corona potenziell tödlich vor allem für zwei Gruppen: Ungeimpfte und Ältere machen laut RKI-Wochenbericht zum Coronavirus die überwiegende Mehrzahl aller schweren Verläufe und Todesfälle aus.

Aus diesem Grund rechnet Virologe Drosten damit, dass wir die Corona-Maßnahmen auf absehbare Zeit nicht mehr losbekommen. Deutschland hat eine vergleichsweise alte Bevölkerung. Viele Ältere leiden an Vorerkrankungen, die die Immunabwehr gegen das Coronavirus schwächen. Das ist ein Nachteil gegenüber Ländern mit einer insgesamt jüngeren Bevölkerung, wo Corona-Erkrankungen die Gesundheitssysteme nicht so stark belasten wie in Deutschland. Eigentlich ist die hohe Lebenserwartung in Deutschland ein guter Befund, doch im Alter mehrt sich die Anfälligkeit für lebensbedrohliche Infekte.

Keine Herdenimmunität, weil viele weiterhin die Corona-Impfung ablehnen

Der zweite Punkt ist eine fehlende Herdenimmunität: Diese würde erreicht entweder dadurch, dass sich die bislang Ungeimpften umentscheiden, wie es beispielsweise Joshua Kimmich gerade getan hat: Der FC-Bayern-Spieler hat sich nun doch noch gegen Corona impfen lassen. Doch anders als der Fußball-Profi verharren die meisten Impfskeptiker bei ihrer Ablehnung.

Zuvor war Kimmich an Corona erkrankt – und das ist der zweite, harte Weg, wie eine Herdenimmunität entsteht: Durch eine massive Durchseuchung der Bevölkerung. Diese findet gerade offensichtlich auch statt: Die Omikron-Variante sorgt für viele mildere Corona-Verläufe, aber eben auch in geringerer Zahl schwere Verläufe und kaum weniger Todesfälle als andere Varianten. Doch auch da sieht Christian Drosten schwarz: „So viele Infektionen, wie man für eine Gemeinschaftsimmunität wie bei Influenza braucht, kann man in einem Sommer gar nicht haben”, sagte Drosten der ZEIT.

Die Corona-Maske bleibt im Herbst und Winter

Es werde noch Jahre dauern, bis man soweit sei. Deshalb müsse man „auch noch jahrelang mit relativ milden Maßnahmen im Herbst und Winter die Inzidenzen kontrollieren“. Was bedeutet das? Um die Maske werden wir auch zukünftig nicht herumkommen, wenn es um Treffen in geschlossenen Räumen geht. Nötig seien auch weitere Auffrischungsimpfungen für Risikogruppen.

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Der bevorstehende Sommer allerdings dürfte allerdings für die meisten unbeschwert werden: „Die jungen, dreifach Geimpften können sich aber wieder frei bewegen – sie bauen, wenn sie sich infizieren, Immunität auf, auch für die Gemeinschaft.” Das Angstthema Long Covid sieht Drosten nüchtern: Folgeschäden treten vor allem bei Ungeimpfen auf: Wer vollständig geimpft ist, braucht sich vor einer Infektion in aller Regel nicht zu fürchten.