Tote Fische treiben an der Wasseroberfläche der Aisne Foto: Fédération de pêche des Ardennes

Wenn der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé es in die Nachrichten schafft, hat das oft nichts Gutes zu bedeuten. In der Vergangenheit ging es um illegale Preisabsprachen, Regenwaldzerstörung und das Abpumpen von Grundwasser für die Flaschenwasser-Produktion, diesmal um tonnenweise tote Fische.

„Innerhalb eines Bereichs, der sieben Kilometer lang und 30 Meter breit ist, ist alles tot“, berichtet Michel Adam, Präsident des Fischereiverbandes der Ardennen, gegenüber der BBC. Drei Tonnen tote Fische hätten er und seine Mitstreiter im Verlauf der vergangenen Woche bereits aus dem Fluss Aisne in Nordfrankreich geborgen. Doch es sollen noch weitere Kadaver darin liegen. „Es sind gut 14 Arten betroffen, darunter auch geschützte wie Aale und Neunaugen“, sagte er. Auf Facebook dokumentierte der Verband die Bergung der toten Fische. Die Bilder sind nicht leicht anzuschauen.

Der Facebook-Post des Fischereiverbandes der Ardennen.

Wie die örtliche Präfektur mitteilte, sei eine chemische Veränderung im Fluss, die zu einem Absinken des Sauerstoff-Levels geführt hatte, verantwortlich für das Sterben der Fische. „In 40 Jahren im Verband habe ich noch nie so eine Verschmutzung gesehen“, sagte Adam. Er und der Verband hätten einen Damm errichtet, um andere Fische davor zu bewahren, ebenfalls elendig zu ersticken.

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Verantwortlich für das Massensterben soll eine Fabrik des Lebensmittel-Riesen Nestlé sein, die unweit des Flusses in der Stadt Challerange Milchpulver produziert. „Wir haben eine Beschwerde gegen Nestlé Frankreich wegen der Verschmutzung eingereicht“, so Adam.

Die Nestlé-Fabrik bestätigte in einem Statement inzwischen, dass es am vergangenen Sonntag einen „zufälligen und unfreiwilligen Überfluss an biologischem Klärschlamm“ in seiner Wasseraufbereitungsanlage gegeben habe. Es seien dabei aber keine Chemikalien ausgetreten, heißt es weiter. Der Vorfall soll etwa drei Stunden gedauert haben, bis die Produktion angehalten worden sei.

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Umweltschützer und der Fischereiverband versuchen derweil, den Schaden zu minimieren und dem Wasser so viel Sauerstoff wie möglich zuzuführen. Doch bis der Schaden behoben ist, wird es dauern. Michel Adam rechnet mit drei bis fünf Jahren, bis die Fisch-Population wieder aufgebaut sein wird.