Blick in die Gaskammer des Hochsicherheitsgefängnisses in Florence im US-Bundesstaat Arizona, die für Hinrichtungen benutzt wird. dpa

Immer mehr amerikanische Bundesstaaten setzten in den vergangenen Jahren die Todesstrafe aus oder schafften sie – wie zuletzt Virginia – ganz ab. Arizona dagegen will nach sieben Jahren Pause bei den Hinrichtungen richtig durchstarten und die alte Gaskammer wieder in Betrieb nehmen. Die Behörden haben laut Bericht des Guardians schon Vorräte an Zutaten für Blausäure angelegt. Das Giftgas ist unter einem anderen Namen bekannt: Zyklon B.

Mit Zyklon B hatten die Nazis Millionen Juden getötet

Zwischen 1942 und 1944 hatten die Nazis mit Zyklon B allein in Auschwitz über eine Millionen Juden getötet. Das Gift, das 1922 ursprünglich als Pestizid entwickelt wurde, gilt seither als Symbol für den Holocaust.

Doch bei Arizonas Justizministerium scheint die Vergangenheit des Giftgases keine moralischen Bedenken auszulösen. Laut Dokumenten gaben die Behörden in den von Republikanern regierten Staat 1530 Dollar für einen „festen Klotz Cyanwasserstoff“ (die chemische Bezeichnung von Zyklon B) aus.

Arizona hatte zuletzt im März 1999 die Gaskammer für Hinrichtungen benutzt. Bis zur Exekution des deutschen Bankräubers Walter LaGrand, dessen Bruder Karl-Heinz zehn Tage vor ihm exekutiert wurde. Die gebürtigen Augsburger, die keine amerikanische Staatsbürgerschaft besaßen, hatten eine Bank überfallen.

Qualvoller und langer Todeskampf

Weil Karl-Heinz dabei den Bankdirektor erstach, wurden beide Brüder zum Tode verurteilt. Während Karl-Heinz (35) durch die Giftspritze starb, dauerte der Todeskampf von Walter (37) qualvolle 18 Minuten. Ein Augenzeuge berichtete später: „Das Gas hatte ihn wie Nebel umringt und er hat immer wieder gehustet und nach Luft geröchelt.“

Worauf der Bundesstaat beschloss, nur noch Exekutionen per Giftspritze durchzuführen – bis auch diese Vollstreckungsmethode 2014 bei Joseph Wood daneben ging. Weil die Dosis nicht hoch genug war, dauerte es zwei Stunden, bis der Häftling qualvoll gestorben war.

Laut Bericht testeten die Behörden bereits mit „erstaunlich primitiven Methoden“, ob die 1949 gebaute Gaskammer in der Justizanstalt Florence nach 22 Jahren noch luftdicht ist: mit einer brennenden Kerze.

Zwei von insgesamt 115 Todeskandidaten wurden für die erste Exekutionsrunde bereits ausgewählt. Frank Atwood (65) sitzt seit 1984, Clarence Dixon (65) bereits seit 1978 wegen Mordes in der Todeszelle.