Zebra Pumba rennt über eine Straße. Das Tier war mit einem Artgenossen, der bereits wieder eingefangen werden konnte, aus einem Zirkus in Tessin ausgebrochen. Später wurde das Zebra erschossen.  Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild

Innerhalb weniger Wochen hat die Berufsfeuerwehr im Oktober 2019 in Rostock sowohl ein aus einem Zirkus entlaufenes Zebra als auch einen ausgerissenen Wolfshund erschossen. Nach Berichten von Augenzeugen schaltete sich daraufhin die Berliner Tierschutzorganisation Erna-Graff Stiftung ein. Der Verdacht: hier wurde völlig unnötig von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. Jetzt hat die Stiftung Anzeige erstattet.

Die Erna-Graff-Stiftung hat nach den Vorfällen per Gerichtsbeschluss Akteneinsicht erwirkt und nun Anzeige gegen die Rostocker Feuerwehr eingereicht. Zumindest die Tötung des Wolfshundes mit dem Namen „Mr. Blue“ habe gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.

Hätte eine Betäubung nicht auch gereicht? 

Die Tierschützer zitieren auf ihrer Homepage aus dem Einsatzbericht der Polizei:

“Über den Notruf teilte die Hinweisgeberin mit, (…) ein wolfsähnliches Tier gesehen zu haben. Durch die eingesetzten Kräfte konnte das Tier im Bereich Kleiner Katthagen festgestellt werden. Aus Annäherung zeigte es keine hundetypische Reaktion und wich unter Knurren und Fletschen der Zähne zurück. Letztendlich flüchtete das Tier in die Wallanlagen und konnte im angrenzenden Klostergarten durch Schließen der dortigen Zugänge eingesperrt werden. Durch die alarmierte Tierrettung der Rostocker Feuerwehr wurde das Tier als junger Wolf identifiziert. In Absprache mit der Amtsveterinärin wurde der Wolf durch Kräfte der Tiernotrettung mit 3 Schüssen erlegt.”

Die Tierschützer fragen sich, warum das bereits eingesperrte Tier mit drei Schüssen getötet werden musste, eine Gefahr ging von dem Tier nicht aus. „Das Tier hätte anderweitig, zum Beispiel durch Betäubung, eingefangen werden müssen.”, sagt Eva Biré, Anwältin der Stiftung. Die Auffassung teile auch das Ministerium für Landwirtschaft und Naturschutz als oberste tierschutz- und jagdrechtliche Aufsichtsbehörde. Die Stadt verteidigte damals das Vorgehen der Feuerwehr als alternativlos, auch die bestürzte Halterin des Hundes zeigte sich in den lokalen Medien eher verständnisvoll. Die Anwesenden hätten zwar überreagiert, aber wohl geglaubt, sie hätten einen Wolf vor sich. Dabei war Mr. Blue in seinem Dorf wegen seines Aussehens und seines friedlichen Gemüts bekannt.

Tötung entlaufener Tiere nur bei Gefahr erlaubt 

Schon häufiger war es in der Hansestadt bei Tierrettungen zum Einsatz von Schusswaffen durch die Feierwehr gekommen. „Jahrelang ging das Brandschutz- und Rettungsamt fälschlicher Weise davon aus, zur Abwendung von Tiergefahren Schusswaffen nutzen zu dürfen. Dies gibt aber die geltende Rechtslage gerade nicht her“, schreiben die Berliner Tierschützer. Nur die Polizei darf in solchen Fällen Gebrauch von Schusswaffen machen. Die Tötung eines entlaufenen Tieres ist rechtlich nur dann möglich, wenn von dem Tier eine konkrete und gegenwärtige Gefahr ausgeht, die nicht anders abgewendet werden kann. Mittlerweile haben die Behörden der Feuerwehr alle Waffen und Betäubungsgeräte entzogen. Was zur Folge hat, dass die zur Tierrettung gerufenen Feuerwehrleute auch keine Betäubungsschüsse mehr durchführen können.

Zebra erschossen 

Bei dem entlaufenen Zebra ist die Lage etwas anders. Hier habe Gefahr durch das Tier bestanden, es hatte auf seiner Flucht bereits einen Auffahrunfall auf der A 20 verursacht. Deswegen gab es keine Anzeige durch die Tierschützer. Zweifel an der Verhältnismäßigkeit des Vorgehens bleiben: Das Zebra „Pumba“, das in der Nacht zum 4.10.2019 einem Zirkus entlaufen war, wurde nach mehrstündiger Verfolgung auf einem Feld erschossen. Nach Augenzeugenberichten war die Lage zum Zeitpunkt des Schusses völlig ruhig. Das Tier war weder aggressiv, noch musste besonders schnell gehandelt werden, um eine erneute Flucht des Tieres zu vermeiden.

Mecklenburg-Vorpommern, Thelkow: Ein ausgerissenes Zirkus-Zebra steht auf einem Acker, während ein Mann mit einem Betäubungsgewehr versucht sich dem Tier zu nähern. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild