Morddrohungen gegen eine Ärztin, die sich für den Nutzen von Covid-Impfungen aussprach: Ein Security-Mann musste die Praxis bewachen.
Morddrohungen gegen eine Ärztin, die sich für den Nutzen von Covid-Impfungen aussprach: Ein Security-Mann musste die Praxis bewachen. dpa (Symbolbild)

Über Suizid berichtet der Berliner Kurier nur in begründeten Ausnahmefällen. Der Fall der österreichischen Allgemeinmedizinerin Lisa-Maria Kellermayr ist ein solcher. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte der österreichischen Zeitung Der Standard am Freitagnachmittag, dass sich die Medizinerin aus Seewalchen am Attersee zuvor das Leben genommen hatte.

Eine Fremdeinwirkung sei nicht festgestellt worden – dieser Hinweis war wohl deshalb nötig, weil Kellermayr und Mitarbeitende ihrer Praxis nach eigenen Angaben Morddrohungen aus der Covid-Maßnahmen- und Impfgegner-Szene ausgesetzt waren. Kellermayr entschloss sich schließlich Ende Juni, ihre „Ordination“, so nennen Österreicher eine Arztpraxis, zu schließen – zunächst vorübergehend, schließlich für immer.

Das Thema schlägt Wellen weit über Österreich hinaus: Der Hashtag #QuerdenkerSindTerroristen trendete seit Donnerstag massiv in den deutschsprachigen sozialen Medien. User erinnerten in diesem Zusammenhang unter anderem daran, dass einflussreiche Querdenker bereits 50.000 Euro „Kopfgeld“ auf Polizisten ausgesetzt hatten, die gegen Corona-Leugner vorgegangen waren.

Morddrohungen gegen Lisa-Maria Kellermayr: Ihre Arztpraxis bewachte ein Security-Mitarbeiter

Lisa-Maria Kellermayr war mehrfach öffentlich als Expertin aufgetreten, die auf den Nutzen von Covid-Impfungen verwies. Daraufhin wurde die angesehene Medizinerin massiv angefeindet, und zwar nicht nur von Internet-Trollen: Laut eigenen Angaben hatte sie bereits 100.000 Euro für Schutzmaßnahmen ausgegeben. Ein Security-Mitarbeiter musste die Mitarbeitenden der Arztpraxis beschützen!

Der Fall ist ein Politikum über die Grenzen Österreichs hinaus: So war Kellermayr zuletzt von einem Twitter-Nutzer aus Oberbayern bedroht worden, man werde die Ärztin vor ein „Volkstribunal“ zerren. Laut Der Standard soll eine Anzeige der Ärztin nicht weiterverfolgt worden sein: Die deutschen Behörden hätten entschieden, das sei von der Meinungsfreiheit gedeckt. Ein Pressesprecher der oberösterreichischen Polizei soll sie als Lügnerin und radikale Aktivistin dargestellt, Bedrohungen nicht ernst genommen haben. „Was mir passieren kann, das kann jedem Bürger passieren, der kein Promi ist oder über besondere Verbindungen verfügt“, wird die Medizinerin zitiert. Österreichs Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) stellte klar, die Morddrohungen gegen sie und ihre Mitarbeitenden seien „brutale Realität“ gewesen. „Dieser Hass muss endlich aufhören.“

HILFE BEI SUIZIDGEDANKEN

Ihre Gedanken hören nicht auf zu kreisen? Sie befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation und spielen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen? Wenn Sie sich nicht im Familien- oder Freundeskreis Hilfe suchen können oder möchten – hier finden Sie anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:
Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichen Sie rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen Sie Ihre Sorgen und Ängste teilen können. Auch ein Gespräch via Chat ist möglich. telefonseelsorge.de
Kinder- und Jugendtelefon: Das Angebot des Vereins Nummer gegen Kummer richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis sonnabends von 14 bis 20 Uhr unter 11 6 111 oder 0800 – 111 0 333. Am Sonnabend nehmen die jungen Berater des Teams Jugendliche beraten Jugendliche die Gespräche an. nummergegenkummer.de 
Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Ein Teil von ihnen spricht auch Türkisch. mutes.de
Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention: Eine Übersicht aller telefonischen, regionalen, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland gibt es unter suizidprophylaxe.de.