Prof. Dr. Michael Succow bei der Verleihung des Deutschen Uweltpreis 2015  Foto: Imago Images

Wenn eine Person und ihr Lebenswerk eins geworden sind – wie lässt sich dieses Werk dann fortführen? Eine Möglichkeit lautet: von jemandem, die an diesem Werk mitgearbeitet hat. Kathrin Succow, 55 Jahre alt, erinnert sich an die Ausflüge ihrer Kindheit. Mit ihrem Vater Michael, der später Vize-Umweltminister der DDR werden sollte, reiste sie in die entlegensten Winkel des Landes. „Eigentlich waren das Exkursionen“, sagt sie. „Er betrieb die ganze Zeit Kartierungen, erfasste die Tier- und Pflanzenwelt.“

Die Familie half mit, und ohne es so richtig zu wissen, legten sie wichtige Grundlagen für eines der größten Naturschutzprojekte der deutschen Geschichte: das Nationalpark-Programm der DDR, in dessen Rahmen Succow und seine Mitstreiter im Wendejahr 7 Prozent der Landesfläche unter Schutz stellten.

Katrin Succow Foto: Privat

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Jetzt übernimmt Kathrin Succow das Erbe ihres Vaters kurz vor dessen 80. Geburtstag. Wie die Greifswalder Succow Stiftung in der vorigen Woche mitteilte, ist die 55-Jährige seit kurzem neue Vorsitzende des Stiftungsrats. Das Gremium bestimmt den Kurs der Organisation, die seit ihrer Gründung 1999 zu einer der wichtigsten Naturschutzorganisationen Ostdeutschlands geworden ist.

Moorschutz als Maßnahme gegen den Klimawandel

Es ist ein bewegter Nachwende-Lebenslauf, der Succow in diese Position geführt hat. Rechtzeitig zur Wiedervereinigung wurde sie fertig mit ihrem Studium – Gartenbau, auf Anraten ihres Vaters, weil eine naturwissenschaftliche Ausbildung auch bei einem Regimewechsel ihren Wert behält.

Einige Jahre lang arbeitete sie in den Umweltverwaltungen von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Dann hatte sie genug. „Ich erfuhr im öffentlichen Dienst ständig, was nicht sein kann und nicht sein darf.“ Mehr Freiheit erlebte sie beim Naturschutzbund, dessen Geschäfte sie führte. Nach mehreren Stationen, unter anderem bei einer Privatbank, berät sie heute Stiftungen und Vereine in Finanz- und Strategiefragen.

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Die eigene Stiftung, die Forschungsprojekte auf vier Kontinenten betreibt, Politik und Wirtschaft berät und auf eigenen Flächen in Nordostdeutschland modellhaft umweltverträgliche Landnutzung betreibt, sieht Succow mitten in einem Wandel. Sie will nach der Aufbauarbeit ihres Vaters die Strukturen weiter professionalisieren.

Das sei auch nötig. „Wir spüren ein verstärktes Interesse an unserer Arbeit der Öffentlichkeit und werden für die vor uns liegenden Herausforderungen professionell aufgestellt sein“, sagt Succow. Der Klimawandel steht inzwischen oben auf der politischen Agenda. Die Expertise der Succow Stiftung ist gerade beim Schutz von Mooren als wichtigen CO2-Speichern gefragt. Die Pionierarbeit hat sich gelohnt.