Tobi Schlegl war Musiker und Moderator. Seine TV-Karriere ließ er für eine Ausbildung zum Rettungssanitäter ruhen, jetzt hilft er auf dem Mittelmeer. Foto: dpa/Georg Wendt

Mehr als 15 Jahre lang war Tobi Schlegl eine feste Größe im deutschen Fernsehen, ehe er sich im Jahr 2016 dazu entschloss, sich weitgehend von seiner Arbeit im Fernsehen zu verabschieden, um Notfallsanitäter zu werden. Er wolle etwas „gesellschaftlich Relevantes“ machen, sagte er damals. Nun wechselt er abermals den Job – gesellschaftlich relevant bleibt es aber. Tobi Schlegl rettet jetzt Menschen auf dem Mittelmeer.

Tobi Schlegl rettet mit der „Sea-Eye 4“ Geflüchtete auf dem Mittelmeer

In einem längeren Posting auf Instagram kündigte der 43-Jährige den neuen Lebensschritt an. „Ich bin dann mal weg“, schrieb er. „Tausche Rettungswagen gegen Schiff.“ Aktuell befinde er sich laut seinem Post im Hafen von Burriana im Osten Spaniens und schon bald wird er in See stechen. An Bord des Seenotrettungsschiffs „Sea-Eye 4“ wird der ehemalige TV-Moderator als Notfallsanitäter bei der Rettung Geflüchteter vor der Küste Libyens helfen. 

Es sei seine erste Mission an Bord der „Sea-Eye 4 “und er habe sie angetreten, weil es manchmal mehr als nur Worte brauche. „Es ist unerträglich, dass Menschen in Not im Mittelmeer ertrinken. Ich möchte ganz konkret helfen. Ich empfinde das als meine Pflicht“, schreibt Schlegl zu einem Foto, dass ihn mit Sea-Watch-Shirt an Bord eines Schiffes zeigt. Und er kündigt an: „An alle, die mich ab jetzt versuchen anzurufen oder sonst wie zu kontaktieren: Ich bin nicht erreichbar! Auf jeden Fall nicht die nächsten Wochen/Monate.“

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Vor seiner ersten Mission habe Schlegl zudem großen Respekt, wie er sagt – und er gehe sie mit gemischten Gefühlen an. Das ist bei allem, was von der Situation auf dem Mittelmeer bekannt ist, durchaus angebracht. Allein in diesem Jahr starben beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, bereits mindestens 599 Menschen. Zudem ist der Einsatz auch nicht ungefährlich. Immer wieder berichten Seenotretter, dass sie  von Mitgliedern der libyschen Küstenwache bedroht werden. Zudem können die Retter in den allermeisten Fällen nicht auf staatliche Unterstützung zählen. Immer wieder kommt es vor, dass Rettungsschiffe mit Geflüchteten an Bord nicht in Häfen einlaufen dürfen.

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Doch Schlegl scheint sich dieser Risiken bewusst und stellt klar: „Dennoch könnte die Motivation nicht höher sein. Und: Meine Crew ist die beste!“ Das ist schon mal eine gute Ausgangssituation.