Die achtjährige Moe Myint May Thu bei der Arbeit in ihrer Küche. Foto: Privat/dpa

Erst Mitte Juli sollen in Myanmar die Schulen wieder öffnen - das ist viel Zeit, die man wohl kaum nur mit Homeschooling überbrücken kann. Die achtjährige Moe Myint May Thu aus der Millionenmetropole Rangun hat aus der Lockdown-Not eine Tugend gemacht: "Weil ich nicht nach draußen gehen konnte, begann ich Mama und Papa beim Kochen zu helfen, und ich liebe es."

Wie Moe Myint May Thu mit Kochuniform und Mütze traditionelle Gerichte kocht, kann man auf dem TikTok-Konto ihrer Mutter sehen. 90.000 Follower hat das Profil bereits, die Videos werden hunderttausendfach geklickt.

Für die Achtjährige sind die Stunden in der Küche auch Übung für später: Moe Myint May Thu möchte einmal Profiköchin werden. Ihr Lieblingsgericht: Mohinga, eine Nudelsuppe mit Fisch, Zitronengras und Chili, die in Myanmar ein Nationalgericht ist und gern schon zum Frühstück gegessen wird. Aber auch Welssuppe oder scharfe, frittierte Froschschenkel gehören zum Repertoire der Schülerin. Die meisten Gerichte könne sie inzwischen allein zubereiten, nur manchmal brauche sie noch Hilfe, zum Beispiel, „um schwere Dinge zu heben.“

Längst sind die Kochkünste der Tochter zum Geschäftsmodell der Familie geworden. Die Gerichte werden für 10.000 Kyat (etwas mehr als sechs Euro) auch außer Haus an Kunden verkauft. Moe Myint May Thu liefert sie persönlich aus. Bis zur geplanten Wiedereröffnung der Schulen wolle sie mit ihren Kochvideos weitermachen, sagt sie. Mit dem Geld, das sie verdient, will sie sich einen Welpen kaufen. Einen Zwergspitz hat sie bereits als Haustier.

In Myanmar wurden bislang 246 Corona-Infektionen und sechs Todesfälle bestätigt - im weltweiten Vergleich sind das sehr geringe Fallzahlen. Am 23. März wurden die ersten beiden Infektionsfälle im Land bekannt, seit dem 10. April gilt ein Lockdown mit starken Einschränkungen der Bewegungsfreiheit im ganzen Land.