Soldaten vom Gebirgsjägerbataillon 23 laufen bei einer Übung mit einem Muli über den Übungsplatz. Foto: dpa

Sie werden bestens umsorgt: Um 36 Maultiere und 18 Haflinger in Bad Reichenhall kümmern sich 142 menschliche Betreuer; zwei Tierärzte sorgen für ihre Gesundheit. Das dortige Einsatz- und Ausbildungszentrum ist deutschlandweit die einzige pferdehaltende Dienststelle der Bundeswehr.

Die Trag- und Reittiere sollen eingesetzt werden, „wo Menschen und Maschinen an ihre Grenzen stoßen“, heißt es bei der zuständigen Gebirgsjägerbrigade 23. Bei militärischen Einsätzen kam das selten vor. Ein einziges Mal waren die Tiere außerhalb einer Truppenübung unterwegs – im Jahr 2002, im Kosovo, wie Brigadekommandeur Oberst Maik Keller sagt. Seit 1973 ist die selbstständige Kompanie direkt der Gebirgsjägerbrigade 23 unterstellt.

Das Areal, auf dem Maultiere und Haflinger an der Hochstaufen-Kaserne untergebracht sind, umfasst mehrere Hektar. Auslaufbereiche, genannt Paddocks, finden sich hier, eine große Reithalle, Ställe, eine eigene Schmiede und ein medizinisches Labor. Zwei Bundeswehr-Veterinärinnen kümmern sich um das Wohl der Tiere. Das steht im Mittelpunkt: Umgerechnet kommen drei Mitarbeiter auf ein Tier.

Maultiere, die eine Kreuzung aus Pferdestute und Eselhengst sind, gelten als besonders widerstandsfähig, trittsicher und genügsam. Oberst Maik Keller, der Brigadekommandeur, verdeutlicht anhand einer Schautafel den möglichen Einsatzbereich der Tiere, die im Extremfall bis zu 120 Kilogramm Lasten tragen können.

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In Tallagen kommen gepanzerte Transport-Kraftfahrzeuge zum Einsatz – die Tiere in Höhenlagen samt unwegsamem Gelände, das für Soldaten beschwerlich wäre. Beladene Maultiere schaffen bis zu 500 Höhenmeter pro Stunde, Soldaten nur 300. Im Kosovo wurde mit den Maultieren einst ein Dorf mit Material und Verpflegung versorgt. Die Trag- und Reittiere sind auch an groß angelegten Übungen im In- und Ausland wie „Berglöwe“ oder „Capricorn“ beteiligt.

Mit einer Lafette, dem Untergestell eines Geschützes, wird das Beladen von Maultieren gezeigt. Fünf Männer und Frauen arbeiten daran, die Lafette auf dem Rücken der kräftigen Gundi zu befestigen.

Maultiere werden für die Bundeswehr ab dem vierten Lebensjahr interessant. Bis dahin befinden sie sich im Wachstum. Trainiert wird bis zum 20. Lebensjahr. Danach geht es in den tierischen Ruhestand. Maultiere werden rund 40 Jahre alt.

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Besonders widerstandsfähig, trittsicher und genügsam: Die Maultiere der Hochstaufen-Kaserne sind jederzeit einsatzbereit. 

Neben den beiden Tragtierzügen bilden die 18 Haflinger einen eigenen Reitzug. „In schwierigem Gelände ist man schneller unterwegs als zu Fuß“, sagt Oberfeldwebel Sabrina Esterer, Reitausbilderin des Reitzugs. Beim Striegeln und Bürsten werden die Muskeln massiert und somit gelockert. Soldaten und Soldatinnen auf Pferden sind ein seltener Anblick bei der Bundeswehr – zumal die Befähigung zum Reiter die Ausbildung zum Tragtierführer und zum Gebirgsjäger voraussetzt.

Stabsfeldwebel Matthias Havel ist Führer der Ausbildungsgruppe. Er leitet das Training in der Reithalle. In der Reithalle sind enge, begrenzte Gassen nachgebildet, durch die das Tier geführt wird. An einer Stelle in der Halle hängt rot-weißes Absperrband, es simuliert Dickicht und herabhängende Äste. „Die Mulis müssen mitdenken, sich schließlich trauen – und mit anderen Geräuschen konfrontiert werden können“, sagt Havel. Die Tragtierführer geben dabei Sicherheit für die Herdentiere: „Wenn wir ruhig bleiben, bleiben sie es auch.“

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Für die Tiergesundheit ist Stabsveterinärin Katharina Habeck zuständig. „Die Tiere haben es hier superschön“, sagt die Tierärztin. Nur nachts sind sie im Stall. Den Rest der Zeit haben sie Auslauf, werden gepflegt oder sind beim Training. Die Mulis tragen dabei rote Bänder an den Beinen. Eine Futtermaschine scannt die Bänder, erkennt, wie viel Mineralfutter das Tier bekommen hat.

Habeck leitet unter anderem die hauseigene Großtierpraxis und das angeschlossene Labor, in dem die Blutproben ausgewertet werden. Regelmäßige Impfungen müssen verabreicht, Wurmkuren gegeben werden. Ist ein Pferd erkrankt, geht es schon mal zum Röntgen. In einer eigenen Narkosebox werden die Tiere für Operationen vorbereitet.

In der Truppenschmiede werden Hufeisen selbst geschmiedet. Alle sechs bis acht Wochen werden die Tiere neu beschlagen. Bei Fußproblemen gibt es schon mal einen orthopädischen Beschlag mit Extrapolsterung, verschrieben von Stabsveterinärin Katharina Habeck. Jedem Tier verpasst Hufbeschlagsschmied und Stabsunteroffizier Sebastian Hallweger eine Hufbrandnummer, die mit glühendem Eisen unter Bildung einer Rauchwolke gebrannt wird – die „ID fürs Pferd“, wie er sagt.

Ob und wann die Mulis wieder in einen Einsatz geschickt werden, ist offen. Staffelführer Hauptmann Maximilian Höfler sagt: „Wir sind allzeit einsatzbereit. Man muss uns nur rufen.“