Karl-Erivan Haub verschwand 2018 spurlos in den Alpen. imago

Es geht um ein Milliarden-Erbe und das mögliche Ende eines Familienstreits: Im Verfahren um die Todeserklärung des in den Schweizer Alpen verschollenen Chefs der Tengelmann-Handelsgruppe, Karl-Erivan Haub, läuft am Dienstag eine wichtige Frist ab. Wenn bis zum 22. Juni um Mitternacht keine Beschwerde gegen die Entscheidung des Amtsgericht Köln eingeht, wird der Milliardär rechtskräftig für tot erklärt.

Der Leichnam wurde nicht gefunden

Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, war am 7. April 2018 in Zermatt allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie geht davon aus, dass der damals 58-Jährige am Berg „Klein Matterhorn“ tödlich verunglückte. Aus dem Familienkreis war im Oktober vergangenen Jahres der Antrag gestellt worden, Karl-Erivan Haub für tot zu erklären.

Die Alpen im schweizerischen Wallis: Hier verschwand Karl-Erivan Haub am „Klein Matterhorn“. dpa/Deike Uhtenwoldt

Das Kölner Amtsgericht folgte dem Antrag im Mai. In den vergangenen Monaten hatte es aber  Medienberichte über Zweifel am Tod des erfahrenen Skiläufers gegeben, sein Leichnam ist nicht gefunden worden. Das Gericht hält die Zweifel aber nicht für belegbar. Solche Vermutungen fußten „auf Möglichkeiten, Vermutungen und nicht prüfbaren Unterlagen“, stellte das Gericht fest. Sie seien nicht ausreichend, „die ernstlichen Zweifel am Fortleben des Verschollenen zu beseitigen“.

Gegen diese Entscheidung ist eine Beschwerde möglich. Sie kann nach Angaben des Gerichts allerdings nur einlegen, wer an der Aufhebung der Todeserklärung oder an der Berichtigung des Zeitpunktes des Todes ein rechtliches Interesse hat.

Machtkampf in der Familie

In der Unternehmensgruppe Tengelmann hatte nach dem Verschwinden von Karl-Erivan Haub dessen jüngerer Bruder Christian die alleinige Geschäftsführung übernommen. Doch schwelte seitdem ein Familienstreit um die Neuverteilung der Macht in dem milliardenschweren Handelskonzern, zu dem unter anderem der Textil-Discounter Kik und die Baumarktkette Obi gehören.

Der Antrag auf Todeserklärung war von der Ehefrau des Verschwundenen, Katrin Haub, zunächst scharf kritisiert worden. Mit dem Antrag auf Todeserklärung stieg der Druck auf sie und ihre Kinder, die Anteile ihres Familienstamms zu verkaufen. Schließlich müssen sich die Kinder auf Erbschaftssteuerzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe einstellen. Anfang 2021 änderte sie überraschend ihre Meinung und schloss sich zusammen mit ihren Kindern dem Antrag an, der sie offiziell zur Witwe machen wird.

Bislang gehörte der Familienkonzern jeweils zu gut einem Drittel Karl-Erivan Haub und dem gegenwärtigen Chef Christian Haub. Die restlichen Anteile besitzt der dritte Bruder Georg Haub.

Im April erklärten sich die Erben von Karl-Erivan Haub schließlich bereit, ihre Anteile an der Tengelmann Warenhandels-KG an Christian Haub zu verkaufen, wie die Anwälte beider Seiten mitgeteilt hatten.