Harry und Meghan ganz privat?  
Harry und Meghan ganz privat?   Courtesy Of Prince Harry/Netflix/dpa -

Kaum eine Dokumentation wurde in der letzten Zeit mit so viel Spannung erwartet, mit so viel Brimbamborium im Vorfeld begleitet. Die Netflix-Serien um Meghan und Harry spaltet die Gemüter, die einen feiern das Paar für ihre Offenheit und den Mut, mit dem britischen Königshaus ins Gericht zu gehen. Die anderen werfen ihnen Nestbeschnutzung, Heuchelei und Effekthascherei in Kombination mit der Gier nach Publicity vor. Ab heute können sich Zuschauer selber ein Bild machen. 

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Eigentlich ist die Story bekannt: Der Prinz und seine große Liebe wollen den Zwängen des Königshauses entfliehen, brechen mit den Familienbanden und beginnen ein neues, freieres Leben am anderen Ende der Welt. Hier könnte die Story zu Ende sein, doch in Wirklichkeit beginnt sie gerade erst. Denn sich in Ruhe eigenen Aufgaben widmen, ist für  die Sussexes schwer vorstellbar. 

Auch fast drei Jahre nach Harrys und Meghans freiwilligem Rückzug aus der britischen Royal Family ist die Saga noch längst nicht bei ihrem letzten Kapitel angekommen. Das Drama um Könige, Brüderliebe und Frauen ist Stoff für den Streaming-Riesen Netflix geworden.

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Suchen die Öffentlichkeit und wollen, dass ihre Privatsphäre geschützt wird: Harry und Meghan im Gespräch mit US-Moderatorin Oprah Winfrey. 
Suchen die Öffentlichkeit und wollen, dass ihre Privatsphäre geschützt wird: Harry und Meghan im Gespräch mit US-Moderatorin Oprah Winfrey.  Joe Pugliese/Harpo Productions/PA Media/dpa

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In sechs Folgen (drei ab 8.12., die drei anderen ab 15.12.) wollen Harry und Meghan in der gleichnamigen Doku-Serie („Harry & Meghan“) erzählen, was sie zu ihrem Abgang bewogen hat und wie sie ihn selbst erlebt haben. „Wenn so viel auf dem Spiel steht, ist es nicht sinnvoller, unsere Geschichte von uns selbst zu hören?“, fragt Herzogin Meghan (41) in einem Trailer in die Kamera, während Prinz Harry (38) geheimnisvoll andeutet: „Niemand sieht, was hinter verschlossenen Türen passiert.“

Meghan und Harry: „Eine Eskalation des Zerwürfnisses“

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Paar in einem aufsehenerregenden Interview mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey scharf ausgeteilt und dem Palast Rassismus und mangelnde Unterstützung vorgeworfen. Die von Netflix bislang veröffentlichten Clips machen klar: Beides wird wieder zur Sprache kommen.

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Der Monarchie-Experte Craig Prescott von der walisischen Universität Bangor meint dazu im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: „Es ist schwierig, die bloße Existenz dieser Dokumentation als etwas Anderes als eine Eskalation des Zerwürfnisses zu betrachten.“

Vorwurf: Rassismus und emotionale Kälte in der Royal Family

Selbst wenn Anschuldigungen aus dem Oprah-Interview nur wiederholt oder weiter ausgeführt würden, bedeute dies, dass das Paar sie gut eineinhalb Jahre nach der Ausstrahlung aufrechterhalte und dem Palast vorwerfe, keine oder kaum Fortschritte gemacht zu haben, merkt Prescott an. Dass das Königshaus erst vor wenigen Tagen mit einem weiteren Rassismus-Skandal kämpfte, weil eine bisherige Hofdame unangemessene Kommentare machte, verschärft die Lage.

Harry und Meghan in einer Szene der Dokumentation «Harry & Meghan» 
Harry und Meghan in einer Szene der Dokumentation «Harry & Meghan»  Courtesy Of Prince Harry/Netflix/dpa

Wird der Palast auf die Netflix-Doku reagieren? 

Zur spannendsten Frage dürfte sich in diesen Tagen entwickeln, ob der Palast auf die Netflix-Doku reagieren wird. „Das ist die erste große Herausforderung für den König als Kopf der Institution“, sagte eine royale Insiderquelle der Zeitung „Telegraph“ mit Blick auf Harrys Vater Charles III. „Seine Reaktion wird viel darüber verraten, wie seine Regentschaft funktionieren wird. Wird er modern sein und antworten oder am Mantra „Nicht beschweren, nichts erklären“ festhalten?“ Auch auf Harry und Meghan und ihre künftige Beziehung zur Familie werde das Einfluss haben.

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„Harry, do you really hate your family so much?“

Der britische Boulevard, der von dem Paar ebenfalls erneut hart in die Mangel genommen wird, hat sein Urteil bereits gefällt. „Harry, hasst du deine Familie wirklich so sehr?“ (Original: „Harry, do you really hate your family so much?“), titelte der „Daily Express“ schon, nachdem der erste Trailer für die Doku erschienen war. Die einflussreichen Blätter „Daily Mail“ und „Sun“ werteten diesen gar als „Kriegserklärung“.

Die britischen Royals beim Gottesdienst in der Londoner Westminster Abbey. Nach dem Tod von Königin Elizabeth gilt es, das Königshaus neu aufzustellen. Fiese TV-Grätschen aus Amerika braucht King Charles da sicher nicht. 
Die britischen Royals beim Gottesdienst in der Londoner Westminster Abbey. Nach dem Tod von Königin Elizabeth gilt es, das Königshaus neu aufzustellen. Fiese TV-Grätschen aus Amerika braucht King Charles da sicher nicht.  Phil Harris/Daily Mirror/PA Wire/dpa

Noch vor wenigen Monaten - kurz nach dem Tod von Queen Elizabeth II. - zierte das Paar zusammen mit Harrys älterem Bruder Prinz William und dessen Frau Prinzessin Kate die Titel, wie sie sich zu viert in Windsor Blumen und Trauerbriefe anschauten. Kommentatoren werteten den gemeinsamen Auftritt als Zeichen vorsichtiger Annäherung. Doch damit ist nun vorerst Schluss.

Was wollen Harry und Meghan erreichen? 

Auch Experte Prescott rechnet damit, dass das mittlerweile in Kalifornien lebende Paar kein Blatt vor den Mund nehmen wird - und merkt kritisch an: „Die Frage, die noch nicht beantwortet wurde, ist: Was wollen sie damit erreichen?“

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Fürs Erste bleibt die Vermarktung ihres Schicksals ein gutes Geschäft: Mit Netflix und Spotify unterzeichneten Harry und Meghan Ende 2020 millionenschwere Verträge. Auf die Netflix-Produktion, deren erste Folgen am Donnerstagmorgen (9.01 Uhr MEZ) erscheinen, folgt schon im Januar Harrys Autobiografie. Der Titel „Reserve“ (Original: „Spare“) deutet die Stoßrichtung bereits an.

Die britische Fahne spiegelt sich im Fenster der Limousine, in der Meghan, Herzogin von Sussex, Westminster Abbey nach dem Staatsakt für Königin Elizabeth II. verlässt. Eine neue Doku soll das Königreich aufrütteln. 
Die britische Fahne spiegelt sich im Fenster der Limousine, in der Meghan, Herzogin von Sussex, Westminster Abbey nach dem Staatsakt für Königin Elizabeth II. verlässt. Eine neue Doku soll das Königreich aufrütteln.  Marko Djurica/Pool Reuters/AP/dpa