Susanne Panter ist Herkunftsberaterin und Menschenaufspürerin.  Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Für den Job von Susanne Panter gibt es wohl kein Studium, keine direkte Ausbildung und eigentlich nicht einmal eine richtige Bezeichnung. Die 52-Jährige aus dem hessischen Liederbach ist Menschenaufspürerin und Herkunftsberaterin. Vor 20 Jahren gründete sie den nach ihren Angaben ersten privaten Personensuchdienst Deutschlands. „Zu mir kommen zumeist ältere Leute, die schon länger ein Thema mit sich tragen.“

Da sind Adoptivkinder, die nach ihren leiblichen Eltern forschen, oder Menschen, die ihre Geschwister suchen. Neben Privatpersonen zählen auch Nachlassgerichte, Anwälte und Redaktionen von Fernsehsendungen zu Panters Kunden. Etwa 20 Prozent wollen alte Freunde oder ihre Jugendliebe finden. Es gab auch schon mal ein Paar, das sich durch Panter (wieder-)gefunden und später sogar geheiratet hat. Bei etwa 80 Prozent handelt es sich um familiäre Suchen.

Einer ihrer Klienten ist Hans Schön, ein Familienvater aus Bayern. Der 59-Jährige hatte keine einfache Kindheit. Sein Vater war ein amerikanischer GI, der in die Heimat zurückkehrte, noch bevor er wusste, dass seine Freundin – Schöns Mutter – schwanger ist. Seine Großmutter mütterlicherseits soll Briefe des Vaters aus den USA unterschlagen haben, das Paar verlor sich aus den Augen. Nach der Geburt wuchs der Junge in Pflegefamilien und Heimen auf. Die Mutter ging mit einem neuen Mann nach Amerika und gründete dort eine Familie. Als Erwachsener fand Hans Schön mithilfe der Vormundschaftsunterlagen zunächst seine Mutter in Pennsylvania.

Bei etwa 80 Prozent handelt es sich um familiäre Suchen. Foto: imago/Sven Simon

Bei der Suche nach seinem Vater, von dem er nur den Namen und ein falsches Alter hatte, kam er jedoch nicht weiter – und beauftragte Susanne Panter. Diese war erfolgreicher und machte eine Spur in Florida ausfindig. Mit einem Fernsehteam des SWR flogen die beiden in die USA und fanden nach einigen Umwegen tatsächlich den Vater, der inzwischen auch weitere Kinder hatte. „An einem Abend im Januar 2016 habe ich zum ersten Mal meinen Vater und eine meiner Halbschwestern gesehen. Das war überwältigend.“

Die meisten Suchen seien kein Spaziergang, erklärt Panter. „Viele meiner Klienten gehen einen Weg, der eine Zumutung ist. Seine Herkunft zu kennen, ist ja eigentlich etwas Selbstverständliches.“ Viele Klienten kann die Menschenaufspürerin aber auch aufgrund ihrer persönlichen Geschichte gut verstehen. Die gebürtige Hamburgerin hat ihren eigenen Vater selbst erst mit 18 Jahren richtig kennengelernt.

Wie genau geht sie bei ihrer Arbeit vor? Zunächst braucht Panter den Namen oder genaue Anhaltspunkte. Dann sucht sie in alten Adressbüchern, Archiven der Meldeämter oder Polizeiakten, befragt Standesbeamte, Nachbarn oder Bekannte und klickt sich durchs Internet. Bei vielen Behörden sei sie inzwischen bekannt und habe beste Kontakte, erklärt Panter. Auch im Ausland sei sie gut vernetzt. Im anglo-amerikanischen Raum etwa gebe es Post-Adoption-Services, die bei der Suche nach den leiblichen Eltern helfen. In den vergangenen zwanzig Jahren hat Panter mehr als 4100 Fälle bearbeitet.

Die Kosten für einen Auftrag setzen sich aus verschiedenen Modulen zusammen. Wer seine Mutter sucht und über gute Daten verfügt, muss um die 880 Euro zahlen. Wenn die Recherche ins Ausland geht, kann es bis zu 3000 Euro teuer werden. Generell sei es einfacher, Mütter statt Väter zu finden, da diese bei der Geburt besser dokumentiert würden.