Frisch ausgehobene Gräber auf dem Honingnestkrans-Friedhof am Rande Pretorias. Foto: Wikus de Wet

Bis Anfang Mai schien es, als würde das Coronavirus auf dem afrikanischen Kontinent vergleichsweise wenig um sich greifen. Doch dann stiegen die Zahlen vor allem in Ägypten und Südafrika an. Das Land am Kap der Guten Hoffnung vermeldete am Donnerstag bereits 225.000 Infizierte. Jeden Tag kommen ungefähr 9000 dazu. Angesichts dieser Zahlen bereitet Südafrikas Wirtschaftszentrum um Johannesburg Zehntausende Gräber vor.

Laut Bandile Masuku, dem Gesundheitsminister der Gauteng-Provinz, zu der neben Johannesburg auch die Hauptstadt Pretoria gehört, wolle man auf einen plötzlichen Bedarf reagieren können. Masuku hatte den neuen Honingnestkrans-Friedhof besucht und vor laufender Kamera auf die Frage nach der Zahl der künftigen Grabstätten dort erklärt: „Die Zahl liegt bei rund 24.000, mit einer möglichen Aufstockung auf 36.000.“ Es sei eine unangenehme Aufgabe. Auch in anderen Kommunen würden Plätze gesucht und Land angekauft. Bislang liegt die Zahl der Corona-Toten in Südafrika bei 3600. Doch niemand rechnet damit, dass es dabei bleibt. 

Lob für Südafrikas Vorbereitungen

Die panafrikanische Gesundheitsorganisation Africa CDC lobte die Vorbereitungen der Behörden in Südafrika. „Es ist immer gut, sich auf den Extremfall vorzubereiten und angemessene Maßnahmen zu ergreifen“, sagte der Chef der Organisation, John Nkengasong, am Donnerstag. Man ermutige alle Länder, vorauszudenken.

Das Wirtschaftszentrum rund um Johannesburg hat nun offiziell die Westkap-Provinz um Kapstadt als Schwerpunktregion mit den meisten Fällen abgelöst. Die Provinz Gauteng stellt nach den letzten verfügbaren Zahlen mit 75.015 Fällen ein Drittel aller landesweiten Fälle, die Westkap-Provinz folgt mit 73.292 Fällen.

Frische Gräber auch auf dem Westpark-Friedhof von Johannesburg. Foto: AP/Denis Farrell

Mit rund 225.000 Corona-Fällen wurden fast die Hälfte der 500.000 Neuinfektionen auf dem afrikanischen Kontinent in Südafrika registriert. Doch auch in anderen Ländern scheint das Wachstum außer Kontrolle zu geraten. In 22 Ländern auf dem Kontinent haben sich die Fälle im vergangenen Monat mehr als verdoppelt. „Die Pandemie gewinnt an Fahrt“, warnte Nkengasong.

Dass sich das Virus zunächst nicht auf dem afrikanischen Kontinent verbreitete, lag unter anderem an der schnellen Reaktion der Regierungen. Viele Länder verhängten schnell strenge Maßnahmen. Doch wegen der verheerenden wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns werden nun viele Regeln wieder gelockert. Das gibt dem Virus Raum.