Foto: imago images/Christian Ohde Mehr als die Hälfte der französischen Bürger lehnt die Corona-Impfung ab (Symbolbild). Foto: imago images/Christian Ohde

Studien zufolge gibt es in Frankreich weltweit die meisten Corona-Impfgegner. Nach jüngsten Umfragen wollen sich bis zu 59 Prozent der Bürger nicht impfen lassen, wenn demnächst ein Mittel zur Verfügung steht.

Bereits Mitte 2019 ergab eine Studie, dass einer von drei Franzosen Impfstoffe für „nicht sicher“ hält. Bei Gesundheitsexperten sorgt dies nicht nur wegen der Corona-Pandemie für Unruhe. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge gehört Frankreich wie Deutschland zu rund einem Dutzend europäischen Staaten, wo die Masern endemisch sind. Das heißt, sie treten dort wieder gehäuft auf.

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Während in Deutschland deshalb seit März eine Masern-Impfpflicht gilt, hat Frankreich darauf bisher verzichtet. Das gleiche Prinzip soll in der Corona-Pandemie gelten: „Ich werde die Impfung nicht verpflichtend machen“, versicherte Präsident Emmanuel Macron am Dienstag erneut. „Aber wir wollen die größtmögliche Zahl impfen lassen“, betonte er. Zwischen April und Juni plant die Regierung nach seinen Worten eine landesweite Kampagne, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sollen bereits ab Januar drankommen. Dafür muss die Regierung einige Überzeugungsarbeit leisten. Rund 60 Prozent der Franzosen werfen Macron und seiner Regierung angesichts von fast 53.000 Todesfällen ein schlechtes Corona-Krisenmanagement vor.

Auch Impfbefürworter sind in sozialen Medien aktiv

Für den Sozialpsychologen Jocelyn Raude gibt es aber noch andere Gründe für die weit verbreitete Impfskepsis in Frankreich. Er führt das „Fiasko“ bei den Impfungen gegen die sogenannte Schweinegrippe ab 2009 an. Damals wurden Millionen Franzosen kostspielig gegen das Influenza-A-Virus H1N1 geimpft, die Warnungen der WHO vor einer Pandemie wurden aber später als übertrieben kritisiert. Die Debatte um die Schweinegrippe rief in Frankreich prominente Impfgegner auf den Plan. Dazu gehört der Krebsspezialist Henri Joyeux, der vor einer „Impfdiktatur“ warnte und Anti-Impf-Petitionen einbrachte.

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In französischsprachigen Onlinenetzwerken sind aber auch krudere Impfgegner wie Thierry Casasnovas zugange. Der Rohkostesser und Fasten-Anhänger behauptet in seinen Videos, dass die Lungenkrankheit Covid-19 „nicht existiert“ und sich Krebs mit Früchten und Obst heilen lasse. Deshalb ermittelt die Justiz gegen ihn.

Aber auch Impfbefürworter sind inzwischen in Onlinenetzwerken aktiv. „Die Impfgegner sind uns aber noch ein paar Längen voraus“, räumt die Gruppe „Les Vaxxeuses“ ein, die Impfungen „den größten medizinischen Fortschritt“ nennt. Die Facebook-Gruppe hat bisher 15.000 Abonnenten, dem Impfgegner Casasnovas folgen auf YouTube 500.000 Menschen.