Eine Spritze wird mit dem Corona-Impfstoff von Biontech aufgezogen. Foto: Imago/Jochen Eckel

Es ist eine der noch unbeantworteten Fragen in Sachen Coronavirus. Sollen Menschen, die eine Infektion durchgemacht haben, überhaupt noch geimpft werden? Die Ständige Impfkommission in Deutschland hielt sich mit Ansagen in diese Richtung zunächst bedeckt, Ende Januar empfahl sie jedoch die Impfung auch für Genese, wenn denn sechs Monate zwischen Infektion und Impfung liegen würden. Eine Studie aus den USA mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna zeigt nun. Dass eine Impfung Geneserner sogar so effektiv ist, dass bei ihnen auch nur eine Spritze ausreichen würde, um einen ausreichenden Schutz zu bieten. 

Der österreichische Impfstoffforscher Florian Krammer hat mit einem Team von Wissenschaftlern der New Yorker Icahn School of Medicine die Immunantworten von 109 Personen untersucht. 68 von ihnen waren noch nicht mit Sars-CoV-2 infiziert, 41 hingegen schon. Alle Personen bekamen die Impfstoffe von Biontech oder Moderna verabreicht. Nach der ersten und zweiten Spritze wurden den Probanden regelmäßig Blutproben entnommen und auf Antikörper untersucht.

Genesene entwickelten schneller Corona-Antikörper

Das Ergebnis war eindeutig: Der Anteil von Antikörpern im Blut lag zu den jeweils gleichen Zeitpunkten bei den zuvor Infizierten zwischen 10- und 20-mal höher als bei den nicht infizierten Personen. Das Immunsystem springt laut der Studie also früher und stärker an. Sogar stärker, als es bei nicht zuvor infizierten nach der zweiten Spritze der Fall war.

Außerdem fiel auf, dass nach dem Erhalt der ersten Spritze die systemischen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Kälteschauer und Fieber bei den genesenen Probanden stärker ausfielen als bei denen, die zuvor nicht infiziert waren. Diese Nebenwirkungen fielen ungefähr so stark aus wie die der Vergleichsgruppe nach der zweiten Impfung.

Die Forscher um Krammer wollen weitere Studien machen, um herauszufinden, ob die frühen Unterschiede in den Immunantworten auch nach einem längeren Zeitraum noch erhalten bleiben.

Forscher raten bei Genesenen zu nur einer Impfung

Die Autoren der Studie, die noch nicht von unabhängigen Wissenschaftlern begutachtet wurde, empfehlen daher, dass eine Impfdosis bei Menschen, die bereits Corona hatten, als eine Art Auffrischung ausreichend sei. Dementsprechend sollten die bestehenden Impfempfehlungen angepasst werden, damit nicht nur Impfdosen gespart, sondern auch unnötige Schmerzen und Nebenwirkungen bei den Geimpften vermieden werden könnten.

Die Ständige Impfkommission in Deutschland macht in ihrer Impfempfehlung übrigens keine Aussage darüber, wie viele Impf-Dosen Genesene bekommen sollen. Da es im „Epidemiologischen Bulletin“ nicht explizit erwähnt ist, dürfte zunächst von zwei Dosen auszugehen sein. Sollte sich die Datenlage aber in die Richtung von Krammers Forschung erhärten, wären Änderungen sicher denkbar.