Die „Querdenker“-Demo im November in Berlin war ein Superspreader-Event. Foto: Imago/Frederic Kern

Um die Corona-Pandemie einzudämmen, sind Massenveranstaltungen aktuell verboten. Wo viele Menschen aufeinandertreffen, soll Abstand gehalten und Maske getragen werden. Auf den „Querdenker“-Demos scheint das jedoch alles nicht zu gelten: Viele Menschen, kaum Abstand und das offensive Zurschaustellen von Maskenverweigerung. Wer das sah, befürchtete automatisch, dass diese Demos nicht nur ein Sammelbecken für Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker aller Art waren, sondern eben auch zu Superspreader-Events werden würden. Letzteres hat nun eine Studie belegt.

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„Das Virus nimmt durch die Demonstrationen Fahrt auf“, sagte Dr. Martin Lange vom Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW in Mannheim, der diese Frage zusammen mit Wissenschaftlern der Berliner Humboldt-Universität untersuchte. Im Zentrum ihrer Analyse standen die Demo am 7. November im Leipzig und der Aufzug am 18. November in Berlin. Die Forscher schauten sich an, woher die Teilnehmer angereist waren und wie sich das Infektionsgeschehen in den Heimat-Landkreisen der Demonstranten entwickelte.

Denn viele der Demonstranten kamen gar nicht unbedingt aus Berlin und Leipzig. Ein Netzwerk aus Busunternehmen kutschierte die Teilnehmer zum Demo-Ort. Hier setzten die Forscher an. Und das Ergebnis war recht eindeutig. In Landkreisen mit so einer Busverbindung stieg die Sieben-Tage-Inzidenz im November deutlich stärker an als in Landkreisen ohne Shuttlebus zur Demo. Dies hatte bis Weihnachten einen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz um 40 in den betroffenen Landkreisen zur Folge.

Die Wissenschaftler schätzen, dass bis Weihnachten zwischen 16.000 und 21.000 Covid-19-Infektionen hätten verhindert werden können, wenn diese beiden großen „Querdenker“-Demos nicht stattgefunden hätten. Weitere Großdemonstrationen sind hier noch gar nicht eingerechnet. 

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Die Wissenschaftler bezeichnen die Studie als erste, die zeigt, dass das individuelle Verhalten in Bezug auf Abstand oder Maske wie beispielsweise auf einer Corona-Leugner-Demo große Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben kann. „Eine mobile Minderheit, die sich nicht an geltende Hygieneregeln hält, kann so ein erhebliches Risiko für andere Personen darstellen“, resümiert Lange.