Eine Schule hat mehrere Fenster geöffnet, um zu lüften. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Wenn die Politik auch im Coronawinter die Schulen auf Biegen und Brechen offen halten will, braucht es Lösungen, um Ansteckungen in Klassenräumen zu verhindern. Mobile Luftreiniger sehen Experten allerdings kritisch. Sie pochen auf sinnvollere und langfristigere Lösungen.

„Fest installierte Lüftungsanlagen sind auch nach der Corona-Pandemie noch von großem Nutzen“, sagte der Präsident des Umweltbundesamtes (Uba), Dirk Messner. Anders als viele mobile Luftreiniger verursachten sie häufig nur geringe Geräusche im Klassenzimmer und ließen nicht nur die Menge an Krankheitserregern in der Raumluft sinken, sondern auch die an Kohlendioxid und ausgedünsteten Schadstoffen. Bis dahin sei die effektivste Methode ganz simpel: regelmäßiges Lüften.

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Das hat nun auch eine Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen ergeben. Demnach ist das Stoßlüften in Schulen um ein Vielfaches wirksamer als der Einsatz von Luftfiltergeräten. Die Wissenschaftler hatten in einem nicht genutzten Klassenzimmer einer Wiesbadener Schule die Wirkung auf zuvor freigesetzte Aerosole ermittelt, die per Ventilator im Raum verteilt wurden. „Als wesentliches Resultat zeigte sich, dass die Stoßöffnung aller Fenster über drei Minuten bei Außentemperaturen von 7 bis 11 Grad Celsius die eingebrachte Konzentration an Aerosolen bis zu 99,8 Prozent senkte“, teilte die Hochschule mit. 

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Mit vier mobilen Luftfiltergeräten in dem Raum sei nach etwa 30 Minuten eine um 90 Prozent verringerte Konzentration gemessen worden. Die Wissenschaftler verweisen zudem auf den Lärm beim Betrieb der Geräte und die hohen Kosten bei der Anschaffung.

Die Kommission für Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt (Uba) mit 23 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte erst kürzlich wieder betont, dass mobile Luftreiniger kein Ersatz für ausreichendes Lüften seien. Sie seien nur dort eine sinnvolle Ergänzung, wo Fenster nicht ausreichend geöffnet werden könnten und auch keine einfachen Zu- und Abluftsysteme in Frage kämen.

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Etliche Hersteller preisen ihre Luftreiniger derzeit als ideale Lösung unter anderem für die rund 33.000 Schulen bundesweit an, in einigen Klassenzimmer sind solche Geräte bereits im Einsatz. Wenn für einen mobilen Luftreiniger angegeben werde, dass er 99,99 Prozent der Viren herausfiltere, sei dies in Bezug auf eine Virenlast im Raum nicht erreichbar, erklärte Messner. „In der Praxis können 80 bis 90 Prozent erreicht werden, wenn die Reinigung lange genug erfolgt und das Gerät im Raum richtig aufgestellt ist.“

Viele Menschen hofften in der Corona-Pandemie auf technische Lösungen, erklärte Messner. Luftreiniger könnten dazu verführen, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. „Und so übersimpel und steinzeitlich diese Lösung für manchen klingen mag: Lüften funktioniert nun mal am besten.“ Erreger verschwänden nach draußen, ebenso das für Müdigkeit und Konzentrationsschwäche sorgende Kohlendioxid, gesundheitsschädliche Stoffe, die aus Materialien im Klassenraum ausdünsten und auch Feuchte, die zu Schimmel führen könne.