Warum musste Ayleen (14) sterben?
Warum musste Ayleen (14) sterben? Polizei

Im Falle der getöteten Ayleen (14) verdichten sich Vermutungen, eine falsche Einschätzung von Behörden könnte dazu geführt haben, dass ein als gefährlicher Sexualstraftäter eingestufter Mann aus einem Überwachungsprogramm genommen wurde.

Der mutmaßliche Täter im Fall einer getöteten Schülerin aus Südbaden war als rückfallgefährdeter Sexualstraftäter bekannt und stand bis Anfang des Jahres unter sogenannter Führungsaufsicht. Diese wurde aber zu Jahresbeginn gerichtlich beendet, teilte ein Sprecher des Hessischen Landeskriminalamts (LKA) am Mittwoch auf Anfrage mit. Damit sei der 29-Jährige auch aus dem Programm ZÜRS ausgestuft worden – statt sein Tun weiter zu überwachen, entzog sich der Mann also mit behördlicher Billigung der Aufsicht.

Dabei sollte die 2008 einberufene „Zentralstelle zur Überwachung Rückfallgefährdeter Sexualstraftäter“ (ZÜRS) genau das Gegenteil bewirken. Die Einrichtung dieser Stelle basiert auf einer gemeinsamen Vereinbarung zwischen dem Justiz-, Sozial- und Innenministerium. Ziel der Konzeption ist es, die Bevölkerung vor bereits verurteilten, rückfallgefährdeten Sexualstraftätern zu schützen, wenn diese aus der Haft oder dem Maßregelvollzug entlassen werden.

Überwachungsstelle sollte gewährleisten, dass entlassene Sexualstraftäter kein Risiko darstellen

Neben behördenübergreifenden Kontrollen sollen auch Beobachtungen gewährleisten, dass entlassene Sexualstraftäter kein Risiko darstellen. Voraussetzung ist eine richterliche Auferlegung einer sogenannten Führungsaufsicht. Zur Zahl der Sexualstraftäter im Programm ZÜRS und einer Rückfallquote wurden keine Angaben gemacht.

Der 29-Jährige war nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft als Jugendlicher für zehn Jahre wegen eines versuchten Sexualdelikts in ein psychiatrisches Krankenhaus gekommen. Er kannte die am 21. Juli verschwundene Schülerin Ayleen den Ermittlungen zufolge aus wochenlangen Chats in sozialen Netzwerken und einem bekannten Online-Spiel. Ende vergangener Woche hatte die Polizei die Leiche von Ayleen in einem See in Hessen entdeckt, die Wohnung des Mannes durchsucht und ihn kurz darauf festgenommen.