Adan Mendoza (l.), Sheriff von Santa Fe County, und die Bezirksstaatsanwältin von Santa Fe, Mary Carmack-Altwies, geben eine Pressekonferenz vor dem Büro des Sheriffs. Knapp eine Woche nach dem tödlichen Schuss am Filmset von US-Star Alec Baldwin haben die Behörden erste Ermittlungsergebnisse präsentiert.   AP/dpa/Andres Leighton

Nach dem Tod der Kamerafrau Halyna Hutchins bei einem Filmdreh mit Hollywood-Star Alec Baldwin sind nach wie vor viele Fragen offen. Nun hat die  zuständige Staatsanwältin nach dem tödlichen Schuss ein Strafverfahren gegen US-Schauspieler Alec Baldwin (63) nicht ausgeschlossen. „Alle Optionen liegen derzeit auf dem Tisch“, sagte Mary Carmack-Altwies am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Santa Fe im Bundesstaat New Mexico.

Eine Entscheidung über eine mögliche Anklageerhebung werde aber erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Dies betreffe nicht nur Baldwin: „Zum jetzigen Zeitpunkt schließen wir niemanden aus“, betonte die Staatsanwältin. Hollywoodstar Alec Baldwin (63) hatte vergangene Woche während der Dreharbeiten zu dem Western „Rust“ offenbar versehentlich die Kamerafrau Hutchins erschossen, als er bei einer Probe eine Requisitenwaffe abfeuerte.

Die 42-Jährige starb kurz nach dem Vorfall im Krankenhaus. Regisseur Joel Souza wurde an der Schulter getroffen und verletzt. Der zuständige Sheriff Adan Mendoza sagte, in dem Revolver vom Kaliber .45 habe sich offenbar eine echte Kugel befunden. Demnach wurde in Souzas Schulter ein Bleiprojektil gefunden – mutmaßlich das selbe Projektil, das Hutchins tötete. In dem Revolver wurden nach Angaben des Sheriffs auch weitere Kugeln gefunden. Dabei handelte es sich aber vermutlich nicht um echte Kugeln.

Wie kam die scharfe Munition in den Revolver, mit dem Baldwin schoss

Unklar ist, wie scharfe Munition in den Revolver gelangen konnte. Am Filmset hat die Polizei 500 Kugeln sichergestellt, eine „Mischung“ aus Platzpatronen, Patronenattrappen und vermutlich auch echten Kugeln, wie Sheriff Mendoza sagte. „Wir werden feststellen, wie sie (die echten Kugeln) dort hingekommen sind, warum sie da waren, denn sie hätten nicht dort sein sollen.“

Vermutungen über laxe Sicherheitsvorkehrungen wurden von einem Bericht der Nachrichtenseite The Wrap gestützt, wonach einige Crewmitglieder in ihrer Freizeit angeblich scharfe Munition benutzten, um auf Bierdosen zu schießen. Eine dieser Waffen sei später am Set an Baldwin weitergereicht worden. Filmwaffenexperte Wolf dazu: „Dann haben sie dieselben echten Waffen am Set als ihre Requisitenwaffen benutzt.“

Kritik wurde nach Medienberichten auch an der Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed (24) laut, die für die ordnungsgemäße Handhabung aller Waffen am Set zuständig war. „Rust“ war erst der zweite Film, an dem sie in dieser Funktion beteiligt war.

Vor dem Unfall war Baldwin mit dem Hinweis „cold gun“ (kalte Waffe) darüber informiert worden, dass sich in der Waffe keine scharfe Munition befindet. Im Fokus der Ermittlungen stehen die Waffenmeisterin des Films und der Regieassistent Dave Halls, der Baldwin die geladene Waffe gab. Zuletzt wurde bekannt, dass Halls wegen eines Schusswaffen-Unfalls bereits vor zwei Jahren bei einer anderen Produktion gefeuert worden war.

Regieassistent war in ähnlichen Fall verwickelt 

Halls sei 2019 bei den Dreharbeiten zu dem Film „Freedom's Path“ entlassen worden, „nachdem ein Crewmitglied eine leichte und vorübergehende Verletzung durch eine unerwartet losgegangene Schusswaffe erlitten hatte“, sagte ein Produzent des Streifens der Nachrichtenagentur AFP.

Abgesehen von strafrechtlichen Fragen ist nach Einschätzung von Experten jedoch davon auszugehen, dass die Familie der getöteten Kamerafrau Hutchins und der bei dem Vorfall verletzte Regisseur Souza Zivilklage auf Schadenersatz einreichen werden.