Das Forschungsschiff „Polarstern“ liegt im Juni 2017 bei einer seiner Expeditionen im arktischen Meereis.
Das Forschungsschiff „Polarstern“ liegt im Juni 2017 bei einer seiner Expeditionen im arktischen Meereis. Stephan Schoen/Alfred-Wegener-Institut / dpa

Polarstern - allein schon der Name macht Lust auf Abenteuer. Und von diesen hat das berühmteste Forschungsschiff des Landes schon einige erlebt. Dellen und Beulen hat sie, die alte Lady. Aber noch immer ist die Polarstern in den kalten Meeren an den Enden der Welt unterwegs. Eine internationale Crew und spektakuläre Aufträge, wie die Überwinterung im Eis der Arktis machen das Schiff und seine Besatzungen schon jetzt zur Legende. 

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An die erste Expedition des deutschen Forschungsschiffes „Polarstern“ kann sich Gotthilf Hempel noch gut erinnern. Am 27. Dezember 1982 legte das Schiff ab Richtung Antarktis, Hempel war Expeditionsleiter. Nach Wochen im Packeis wurde an einem Tafeleisberg ein Stopp eingelegt, das Team an Bord stieg über: Die Gelegenheit wurde genutzt, um eine Eisbergparty zu feiern. „Wir haben zugesehen, dass wir neben unserer wissenschaftlichen Arbeit auch unseren Spaß hatten“, sagt der heute 93-Jährige. „Das Gesellige durfte nicht fehlen.“ Gotthilf Hempel war Gründungsdirektor des Alfred Wegner Instituts für Polarforschung und einer der ersten Expeditionsleiter auf der Polarstern. 

Gotthilf Hempel steht vor einem Bücherregal in seinem Haus in Molfsee im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Der Wissenschaftler war Mitbegründer des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts und häufig Expeditionsleiter auf der «Polarstern». 
Gotthilf Hempel steht vor einem Bücherregal in seinem Haus in Molfsee im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Der Wissenschaftler war Mitbegründer des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts und häufig Expeditionsleiter auf der «Polarstern».  Frank Molter/dpa

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Eingefroren im Nordpolarmeer 

Das in Kiel gebaute und in Bremerhaven beheimatete Spezialschiff wurde am 9. Dezember 1982 offiziell in den Dienst gestellt. Die „Polarstern“ ist trotz ihres hohen Alters nach Angaben des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) immer noch eines der leistungsfähigsten Polarforschungsschiffe weltweit. Bis zu 1,5 Meter dickes Eis kann es brechen. „Es ist hervorragend gebaut und sehr robust“, sagt Hempel. Aufsehen erregte die „Polarstern“ während ihrer einjährigen Mosaic-Expedition 2019 bis 2020, als sie eingefroren durch das Nordpolarmeer driftete, angedockt an einer riesigen Eisscholle.

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Polarstern: Weltweit eines der besten Polarschiffe 

Ein solches Mammut-Projekt war noch nicht abzusehen, als der Bundestag 1979 umgerechnet rund 56 Millionen Euro für den Bau des Schiffes bewilligte. Deutschland sollte in der polaren Meeresforschung international eine größere Rolle spielen. „Bis dahin waren die Meere in den Polarregionen stark vernachlässigt worden“, sagt Gotthilf Hempel, der 1980 das Bremerhavener AWI mitgründete und bis 1992 dessen Direktor war. Auch den Bau der „Polarstern“ initiierte er maßgeblich mit, rund ein dutzend Mal war er selbst damit in der Arktis und Antarktis unterwegs. Insgesamt war die „Polarstern“ bisher bei mehr als 130 Expeditionen im Einsatz, wie eine AWI-Sprecherin sagt.

Das deutsche Forschungsschiff Polarstern liegt im Frühjahr 2020 während der einjährigen Mosaic-Expedition im Eis der Zentralarktis. 
Das deutsche Forschungsschiff Polarstern liegt im Frühjahr 2020 während der einjährigen Mosaic-Expedition im Eis der Zentralarktis.  Alfred-Wegener-Institut

Nicht erst bei der Mosaic-Expedition war ein internationales Team an Bord. Von Anfang an sei ein Drittel der Plätze für Forschende aus aller Welt vorgesehen gewesen, sagt Hempel: „Wir haben Maßstäbe gesetzt für die internationale Zusammenarbeit.“ Auch zwischenmenschlich habe es gepasst: „Die Holländer waren hervorragend im Musik machen, bei den Italienern kriegte man immer einen Espresso gereicht, wenn man an deren Labor vorbeiging.“

Helmut Schmidt war nur Beifahrer

Aber nicht nur Wissenschaftler gingen an Bord, auch Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt und seine Frau Loki waren 1989 für zehn Tage bei einer Fahrt im arktischen Ozean dabei. „Loki Schmidt war ja Biologin, die sich engagiert für den Naturschutz einsetzte. Ich hatte davon erfahren, dass sie gerne mal in die Arktis wollte“, sagt Hempel. Von ihrer Mitfahrt erhoffte er, dass die Region eine stärkere Aufmerksamkeit bekam. Hauptperson sei Loki - nicht Helmut Schmidt - gewesen. „Er war ihr Beifahrer“, so Hempel.

Das deutsche Forschungsschiff «Polarstern» fährt durch die Antarktis, im Vordergrund stehen zwei Pinguine.
Das deutsche Forschungsschiff «Polarstern» fährt durch die Antarktis, im Vordergrund stehen zwei Pinguine. dpa / Alfred-Wegener-Institut

Aufmerksamkeit benötigen die Polarmeere heute noch: „Wir können nicht auf die Polarforschung verzichten, wenn wir uns ein klares Bild über die Klimaentwicklung machen wollen“, betont Hempel. Damit die Forschung in den entlegenen Gebieten auch noch in den nächsten Jahrzehnte möglich ist, soll die „Polarstern“ 2027 eine moderne und noch leistungsstärkere Nachfolgerin bekommen. Die Ausschreibung läuft, in einem mehrstufigen Verfahren können sich Werften bewerben. Mitte 2023 soll entschieden werden, wer die „Polarstern II“ bauen darf.

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Polarstern soll Nachfolgerin bekommen 

Noch aber ist die alte „Polarstern“ unterwegs, zurzeit im Südatlantik, rund um das Inselgebiet Südgeorgien. Die Forschenden nahmen zuletzt Wasser- und Sedimentproben, um den Einfluss des Gletschereintrags und der Vegetation auf das marine Ökosystem zu untersuchen. Im April 2023 wird das Schiff wieder in Bremerhaven erwartet.

Auf der Seite des AWI können Interessierte die Reisen der Polarstern verfolgen.