Ein ältere Frau im Rollstuhl sitzt in einem Pflegeheim an einem Tisch (Symbolfoto). Foto: Marcel Kusch/dpa

Der Pflegeschutzbund Biva hat vor den Folgen einer sozialen Isolation von Pflegeheim-Bewohnern während des Teil-Lockdowns im November gewarnt. Seine sozialen Kontakte zu minimieren, sei zwar das Gebot der Stunde, sagte Biva-Sprecher David Kröll der Deutschen Presse-Agentur. „Allerdings kommen wir Menschen nicht ohne Sozialkontakte aus.“

Kröll sprach von drastischen Folgen der Isolation und Einsamkeit, die der Pflegeschutzbund in den vergangenen Monaten der Corona-Pandemie vor Augen geführt bekommen habe. Als Beispiele nannte er den Verlust von Fähigkeiten bei den Betroffenen, aber auch Depressionen und Selbstmordgedanken. „Es muss unbedingt vermieden werden, dass dies in der Form noch einmal passiert“, sagte Kröll. Mit Hygiene- und Schutzmaßnahmen müssten jetzt sichere Besuche von Angehörigen, Therapeuten und Ärzten möglich gemacht werden.

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In einigen Fällen stelle der Pflegeschutzbund fest, dass Pflegeheime die Möglichkeiten für Besuche wieder einschränkten. „In manchen Fällen standen die Angehörigen ohne Vorwarnung vor verschlossenen Türen. Bei anderen waren Besuche zwar theoretisch möglich, kommen aber faktisch nicht zustande“», sagte Kröll. Dies sei etwa dann der Fall, wenn Besucher aus Risikogebieten kämen und die Einrichtung vor jedem Besuch ein aktuelles Testergebnis verlange, ohne dass dort Schnelltests angeboten würden.

Die Entscheidung für Verwandte und Freunde, ob sie ihre pflegebedürftigen Angehörigen besuchen sollten, hänge von mehreren Faktoren ab, so Kröll. „In jedem Fall sollte man auch bei leichten Erkältungssymptomen zu Hause bleiben.“ Zudem müssten Hygiene-, Schutz- und Verhaltensregeln beachtet und entsprechende Schutzkleidung vorhanden sein.

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Wichtig sei aber auch die Frage, wie der Pflegebedürftige selbst zu einem Besuch stehe. „Will er oder sie das Risiko in Kauf nehmen? Ist mein Angehöriger auf regelmäßige Hilfen durch Besucher angewiesen, etwa durch Anreichen von Getränken?“ Berücksichtigt werden müsse auch, wie gut der Pflegebedürftige mit sozialer Isolation umgehen könne, ob er oder sie schnell depressiv werde oder in der Lage sei, digital zu kommunizieren.

Außerdem rät Kröll dazu, eine Hauptkontaktperson zu benennen, die regelmäßig besuche und auch außerhalb der Einrichtung sehr vorsichtig agiere. „Es senkt das Risiko, wenn nicht die ganze Familie abwechselnd zu Besuch kommt.“