Arbeit auf der Intensivstation. Experten gehen nicht davon aus,  dass Betten und  Beatmungsmaschinen in Deutschland ausreichen werden. dpa/Alessandro Crinari

Berlin - Die Erfahrungen aus Italien und Spanien zeigen es: Das Coronavirus kann Gesundheitssysteme zum erodieren bringen. Ärzte und Pfleger sind überarbeitet, es gibt trotz aller Bemühungen nicht genug Intensivbetten und Beatmungsmaschinen. Dieses Szenario könnte auch uns drohen, wenn die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus nicht schnell genug greifen. Deutsche Ärzte stellen sich bereits darauf ein, Entscheidungen über Leben und Tod treffen zu müssen. Sieben medizinische Fachgesellschaften haben nun einen Katalog mit Handlungsempfehlungen beschlossen.

In dem Papier, aus dem die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zitiert, warnen die Mediziner, das es wahrscheinlich sei, dass „auch in Deutschland in kurzer Zeit und trotz bereits erfolgter Kapazitätserhöhungen nicht mehr ausreichend intensivmedizinische Ressourcen für alle Patienten zur Verfügung stehen, die ihrer bedürfen“. Dadurch entstünden „Konflikte bei Entscheidungen über intensivmedizinische Behandlungen“. Dabei solle die neue Handreichung Orientierung bieten.

Corona-Krise: Ärzte müssen Auswahl treffen

Eine Intensivtherapie sei dann nicht indiziert, wenn der Sterbeprozess unaufhaltsam begonnen habe, wenn die Therapie aussichtlos sei, weil keine Besserung oder Stabilisierung zu erwarten sei, oder wenn das Überleben nur bei dauerhaftem Aufenthalt auf der Intensivstation gesichert werden könne, schreiben die Fachgesellschaften. Unmissverständlich heißt es: „Wenn nicht mehr alle kritisch erkrankten Patienten auf die Intensivstation aufgenommen werden können, muss analog der Triage in der Katastrophenmedizin über die Verteilung der begrenzt verfügbaren Ressourcen entschieden werden.“

Das bedeutet, im Ernstfall würden nur die Patienten behandelt, die eine höhere Überlebenschance haben. Eine Auswahl nur aufgrund des Alters oder sozialer Kriterien sei aber nicht zulässig, heißt es in dem Papier. Dass es zu einer Auswahl kommen müsse, sei aber unstrittig. Es sei „unausweichlich“, eine Auswahl zu treffen, welche Patienten akut- oder intensivmedizinisch behandelt werden „und welche nicht (oder nicht mehr)“.  

Bosch entwickelt Corona-Schnelltest

Doch es gibt auch gute Nachrichten aus der Wissenschaft: Der Technikkonzern Bosch hat einen Schnelltest entwickelt, der in nur zweieinhalb Stunden anzeigt, ob ein Patient mit Sars-CoV-2 infiziert ist. Bislang hat so ein Test minstestens 24 Stunden gedauert. Ab April soll er erhältlich sein – und zur Eindämmung der Pandemie beitragen.