Eine Frau steht im Eingangsbereich eines Bordells.  Foto: dpa/Andreas Arnold

Nach der Dürre kam die vermeintlich schillernde Welle des Sexgewerbes: Nach der Wende veränderte sich der Markt der ehemaligen DDR. Sexshops, Pornostars und Tabledance-Bars haben sich schnell in den Kreisen der Bevölkerung eingefunden. Dies zeigt der zweite Teil der Dokumentation „Sexshop DDR – Wildwest nach der Wende“ des WDR, über den das Nachrichtenportal Tag24 berichtete.

Die Leipzigerin Heidi Wittwer, heute Fotografin, war bei den Anfängen der Stripclubs im Osten dabei. Die damals 30-Jährige war mit ihrer Solo-Stripshow so erfolgreich, dass sie kurz darauf ihre eigene Agentur gründete. So vermittelte sie sowohl weibliche als auch männliche Stripper für Geburtstage und sogar Firmenfeiern. Die Nachfrage war hoch, allerdings funktionierte das Geschäft nur unter einer Prämisse: Anfassen verboten. So konnten ihre Stripper ausschließlich für tänzerische Darbietungen gebucht werden. Sexuelle Dienstleistungen waren hierbei ausgeschlossen. 

Nach weiterem Erfolg Wittwers Geschäftsmodells folgte 1992 die Expansion in die Ausbildungsbranche. So gründete die Stripperin die erste Striptease-Schule Deutschlands. Das Geschäft boomte. Für 39 D-Mark pro Stunde konnten die Schüler sich dort die Grundlagen des Striptease beibringen lassen. Egal ob Profi oder nur für den häuslichen Gebrauch, die Unternehmerin erinnert sich: „Jeder wollte strippen lernen!“

Wolfgang „Wolle“ Förster: Betreiber der Tabledance-Bar Klax in Dresden

Auch in anderen ostdeutschen Städten wandelte sich der Markt. In Dresden konnte der Wirt Wolfgang „Wolle“ Förster mit seiner Tabledance-Bar Klax große Erfolge verzeichnen. Damals war das Lokal des früheren Rotlichtkönigs Sachsens der Zeit perfekt angepasst. Entwicklungshelfer strömten aus dem Westen in die Städte Ostdeutschlands und bescherten Förster den nötigen Umsatz. 

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Die Welle der Hochkonjunktur konnte sich allerdings nicht lange halten. Zahlreiche Betriebe mussten schließen und während ein Teil der Bevölkerung noch als Nachtschwärmer galt, fürchteten andere bereits um ihre Existenz. Tänzerinnen sahen sich angesichts der herannahenden Krise gezwungen,  sich ihr Geld durch Prostitution zu verdienen. Für viele Frauen war dies der einzige Weg, ihren Kindern etwas zu bieten.  

Die Wohnwagen des „horizontalen Gewerbes “ reihten sich auf der Leipziger Roscherstraße dicht an dicht. Die schnelle Nummer kostete dort rund 100 D-Mark. Auch Frauen aus dem Westen kamen nach Leipzig, um die Marktlücke auszunutzen und so ihr Geld zu verdienen. 

Überforderung der Polizei: Rivalität zwischen Zuhältern 

Die wachsende Markt sorgte für steigende Konkurrenz. Somit wuchs auch die Rivalität der ost- und westdeutschen Zuhälter immer weiter. Machtkämpfe endeten nicht selten in brutalen Attacken. Zu Anfang zeichnete sich eine Überforderung seitens der Polizei mit den neuen Gegebenheiten ab. Erst mit der Zeit arbeiteten die Behörden an Sondereinsatzkommandos, die sich mit den Machenschaften des Rotlichtmilieus befassten. 1993 wurde der Straßenstrich in der Roscherstraße in Leipzig endgültig geräumt. 

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Auf die Auflösung des Straßenstrichs folgten zahlreiche Prozesse, in denen sich Zuhälter vor Gericht wegen mehrfachen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und schwerer Körperverletzung verantworten mussten. Auch Wolle Förster hatte unter den Machtkämpfen der Zuhälterbosse zu leiden. „Es gab Zeiten, in denen die die Dresdner Szene übernehmen wollten“, erinnert er sich.

Weg aus der Kriminalität 

Im Jahre 1994 eröffnete das erste Eros-Center in Leipzig. Nachdem der Straßenstrich seitens der Behörden unterbunden wurde, wollte die Stadt so die unkontrollierte Prostitution in den Griff kriegen. 

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Hier konnten sich Sexarbeiterinnen für 200 D-Mark am Tag einmieten, um dort das Geschäft fortzuführen, dem sie zuvor noch auf den Straßen Leipzigs nachgingen. Allerdings wurde in den familiären Wohnungsbordellen neben Reinigungskräften auch Sicherheitspersonal gestellt, welches die Arbeit der Betroffenen um einiges sicherer machte. Sex gegen Geld wurde somit zu einem erfolgreichen Geschäftsmodel des ostdeutschen Marktes.