Christian Grommes deutet in einer gestellten Szene an, wie er mit dem „Weideschuss “ ein Tier direkt auf der Weide tötet. Foto: dpa/Harald Tittel

Bei Familie Grommes verbringen die Rinder ihr ganzes Leben auf der Weide. Sie werden dort geboren, und sie werden dort auch getötet. Christian Grommes ist einer der wenigen Landwirte in Deutschland, der seine Tiere direkt auf der Wiese schießt. „Damit wird dem Tier der ganze Stress vor dem Schlachten erspart“, sagt der 40-Jährige Rheinland-Pfälzer. Und meint damit: Kein vorheriges Einfangen, kein Verladen, keine lange Fahrt zum Schlachthof. „Für mich kommt nichts anderes in Frage als der Weideschuss. Es ist das Beste für das Tier.“

Wenn es wieder mal soweit ist, nimmt er sein Jagdgewehr und setzt sich auf den Hochsitz. Ehefrau Sarah Grommes lockt die Rinder zu einer Stelle, an der Futter liegt. Wenn die Tiere ruhig fressen und die Position des anvisierten Rindes stimmt, fällt der Schuss und trifft das Tier in den Kopf. „Das Tier sackt dann sofort zusammen“, sagt Grommes. Da ihr Mann einen Schalldämpfer nutzt, erschrecken sich die anderen Rinder nicht. Das tote Rind wird hofeigenen Schlachthaus verarbeitet. In ihrem Betrieb „Highland Cattle Hochwald“ haben die Grommes' 50 bis 60 Rinder verschiedener Rassen: Neben dem schottischen Hochlandrind auch Brahmousin und Aubrac.

Sarah Grommes steht mit einem Rinderschinken in ihrem kleinen Verkaufsraum.  Foto: dpa/Harald Tittel

Christian Grommes, der einen Jagdschein besitzt, schätzt, dass es bundesweit um die 100 Landwirte gibt, die ihre Tiere regelmäßig per Weideschuss töten. Eine Statistik dazu gibt es nicht. Agrarwissenschaftlerin Lea Trampenau, die Landwirte bundesweit zu der alternativen Schlachtungsmethode berät, hat auch keine Zahlen. Es sei mehr geworden, handele sich aber bezogen auf die gesamte Rinderhaltung nur „um einen verschwindend geringen Teil“.

Auch für sie gehört der Kugelschuss auf der Weide zur artgerechten Nutztierhaltung. „Die Tiere sterben dort, wo sie gelebt haben – in der Herde.“ Und auch für den Bauern bedeute die Methode weniger Stress, betont sie. „Kein Landwirt schläft in der Nacht vor dem Schlachten gut, wenn er weiß, dass er am nächsten Tag das Tier verladen und zum Schlachthof bringen muss.“ Allerdings sei es nach wie vor aufwendig, eine Genehmigung für den Weideschuss zu bekommen.

„Bei uns hat es vom ersten Antrag bis zum ersten Schuss fünf Jahre gedauert“, erzählt Sarah Grommes. Dabei ging es um Fragen, wo der Hochsitz hinkommt, welche Weiden Schießflächen sein sollen und um die Einhaltung von Hygienevorschriften. Sie haben dafür gekämpft: „Für uns ist das die Existenzgrundlage. Uns war klar: Wenn wir den Weideschuss nicht erlaubt bekommen, dann ist Schluss.“ Noch immer ist es schwierig, an die Lizenzen zu kommen. Immerhin: Der Bundesrat setzt sich dafür ein, die Hürden zu verkleinern.

Bei den Grommes verbringen die Rinder ihr ganzes Leben auf der Weide. Foto: dpa/Harald Tittel

Die Tiere irgendwo in ein Schlachthaus fahren zu müssen, gehe für sie gar nicht. „Wir bekommen ja was von dem Tier, und wir möchten ihm etwas zurückgeben“, sagt die 36-Jährige. Dazu gehörten eben drei schöne Jahre auf der Weide. Aus Wertschätzung für die Tiere verkauft sie ungern nur Filets und Steaks an ihre Kunden, lieber gemischte Pakete mit Braten und Kochfleisch. Die Nachfrage sei groß, ihre Kunden kämen auch von weiter her: aus Köln, Koblenz, Mainz oder der Pfalz.

Landwirt Grommes weiß aber auch, dass der Weideschuss nicht für jeden Betrieb in Frage kommt. „Das geht nur, wenn man wenige Tiere hat und ein eigenes oder mobiles Schlachthaus.“ Massentierhaltung und Großschlachthöfe, die in der Corona-Krise wieder in die Schlagzeilen geraten sind, werde es auch weiterhin geben: „So lange die Leute dafür Geld ausgeben, wird sich das nicht ändern.“