Der Gedenkraum am Heumarkt steht allen Menschen offen. Foto: Initiative 19. Februar

Vor drei Monaten erschütterte ein rassistischer Terroranschlag die Stadt Hanau. Der Rechtsextremist Tobias R. erschoss neun Menschen mit Migrationshintergrund. Der Schock schien in ganz Deutschland tief zu sitzen. Doch dann kam die Corona-Krise und verdrängte den Kampf gegen Rassismus.

In Hanau selbst blieben die Tat und die Opfer aber zumindest auf der zivilgesellschaftlichen Agenda. Das liegt vor allem an der „Initiative 19. Februar“, die sich auf die Fahne geschrieben hat, die Opfer nicht zu vergessen. Seit einigen Wochen betreibt sie einen Gedenk- und Begegnungsraum am Heumarkt. Dort, wo das Attentat begann.

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Wir wollten die Stadt nicht der Angst überlassen“, sagte Seda Ardal von der Initiative dem KURIER. Am 4. Mai wurde der über Spenden finanzierte Raum eröffnet. Seither wurde er gut angenommen. „Angehörige der Opfer kommen vorbei, lernen sich kennen, können sich austauschen. Aber auch andere Hanauer kommen und wollen wissen, was hier entsteht“, sagt die 30-Jährige.  

Der Gedenkraum soll das Stadtbild nachhaltig prägen

Direkt nach dem Terroranschlag habe es ein großes Misstrauen unter den Hanauern mit Rassismuserfahrungen gegeben, sagt Ardal. Viele seien in eine Schockstarre verfallen, weil Hanau nie ein „Nazi-Ort“ gewesen sei. Der Zusammenhalt bei Mahnwachen und nun im Begegnungsraum haben aber schnell wieder ein gewisses Gefühl von Sicherheit zurückkommen lassen. „Wir wollen das Stadtbild nachhaltig prägen“, sagt Ardal. Damit die Opfer nicht vergessen werden, und die Politik sich nachhaltig an die großen Versprechungen erinnert, die sie nach dem Anschlag gegeben hat.

Da der Gedenkraum am Hanauer Heumarkt spendenfinanziert ist, sucht die Initiative stets Unterstützer, die die Erinnerung an die Opfer auch weiter Lebendig zu halten.