In Rumänien werden aktuell viele Beschränkungen wieder aufgehoben. Wie hier in der Stadt Iasi ist der Mundschutz in öffentlichen Verkehrsmitteln aber noch Pflicht. Foto: Imago-Images/Iuliana Lutcanu

Unter den Menschen, die sich unter skandalösen Bedingungen in der Tönnies-Schlachtfabrik in Ostwestfalen angesteckt haben, sind auch viele Rumänen und Bulgaren. Armin Laschet, Ministerpräsident von NRW, schien diesen in einer ersten Stellungnahme vorzuwerfen, sie hätten das Coronavirus nach einem Heimaturlaub eingeschleppt. Doch dieser rassistische Vorwurf ließ sich durch nichts erhärten. Doch wie ist die Corona-Situation aktuell in den beiden Ländern? Ein Blick nach Osteuropa.

Die absoluten Zahlen sind deutlich niedriger als in Deutschland. Bis zum Dienstagabend verzeichnete Rumänien 24.500 Menschen, die sich seit dem Ausbruch mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hatten (1500 Tote), Bulgarien sogar nur knapp 4000 bei etwas mehr als 200 Todesopfern. Das liegt auch daran, dass in beiden Staaten relativ schnell, relativ strenge Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Doch die wurden bereits wieder gelockert - seither steigen die Zahlen wieder an. Beobachter befürchten, dass wenn die Zahlen stark ansteigen sollten, die Krankenhäuser überlastet werden könnten.

Bulgarien kehrt zu Mundschutz zurück

Um das zu vermeiden wurde in Bulgarien gerade erst die am 15. Juni abgeschaffte Maskenpflicht wieder eingeführt. Zuvor vermeldete das Land einen erneuten Anstieg der Infektionen. Am vergangen Donnerstag (18. Juni) wurden mit 132 neuen Fällen so viele Neuinfizierte gemeldet, wie nie zuvor in Bulgarien. Wie valide diese Zahlen sind, ist allerdings unklar. Schon zu Beginn der Krise wurden der Regierung vorgeworfen, durch vergleichsweise wenige Tests die Fallzahlen niedrig halten zu wollen.

In Rumänien gelten derweil die Abstands- und Maskenpflicht in geschlossenen und öffentlichen Räumen noch. Jedoch steht die rechtsliberale Minderheitsregierung von Ludovic Orban unter dem Druck einer starken Opposition, die diese Maßnahmen abschaffen möchte.

Nicht ohne Risiko bedenkt man, dass in Rumänien gerade einmal fünf Prozent des ohnehin nicht hohen Bruttoinlandsproduktes in das Gesundheitswesen gesteckt werden. EU-weit sind 10 Prozent der Durchschnitt. Und auch bei der Verfügbarkeit medizinischen Personals hält Rumänien in der EU den Negativrekord. Denn seit dem EU-Beitritt 2007 haben schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Ärzte Rumänien in Richtung reicherer Länder verlassen.