Wo ist die Ansteckungsgefahr am größten?  Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Die wohl wichtigste Frage zur Eindämmung der Pandemie ist zurzeit die nach den Hotspots der Ansteckungen mit Sars-CoV-2. Trotz aller Bemühungen der Gesundheitsämter, die Ansteckungswege nachzuvollziehen, tappen Experten in dieser Hinsicht weitgehend im Dunkeln. Zumindest wenn es um statistisch belegbare Daten zum Anteil bestimmter Situationen am Infektionsgeschehen geht, ist vieles unklar.

Wie dem Situationsbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 27. Oktober zu entnehmen ist, lässt sich zurzeit nur ein Viertel der insgesamt gemeldeten Covid-19-Fälle einem sogenannten Ausbruchsgeschehen zuordnen. Bei allen übrigen Fällen ist nicht sicher, wo die Infektion erfolgt ist.

Von den Fällen, bei denen man weiß, wo sie ihren Ursprung haben, kann man jedoch einiges ableiten. Während zu Beginn der Pandemie größere Ausbrüche dem Umfeld von Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern und Flüchtlingsheimen zugeordnet werden konnten, ist die Lage heute viel diffuser.

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Seit Mitte August zeichnet sich ein Trend recht deutlich ab: Unter den erkannten Fällen dominieren Ansteckungen in privaten Haushalten. Das RKI berichtet in dieser Hinsicht von zahlreichen Häufungen in Zusammenhang mit privaten Feiern im Familien- und Freundeskreis. Seit dem Sommer gibt es auch vermehrt Ausbrüche am Arbeitsplatz und bei Freizeitaktivitäten. Dadurch hat sich das Virus nun so stark verteilt, dass auch Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser wieder vermehrt betroffen sind.

Das RKI betont jedoch: „Insgesamt sind die Angaben zum Infektionsumfeld von Ausbrüchen mit Zurückhaltung zu interpretieren.“ Die Zuordnung sei nicht immer eindeutig. Bei einigen Ausbrüchen spielten auch mehrere Situationen eine Rolle, und es lasse sich nicht immer abgrenzen, wo genau die Übertragung stattgefunden hat.

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Daher bleibt nur, das grundsätzliche Wissen über das Virus zu nutzen, um die weitere Ausbreitung  einzudämmen. Klar ist: Sars-CoV-2 wird von Mensch zu Mensch übertragen – durch Tröpfchen und vermutlich auch durch virushaltige Aerosole. Weil sich die Ansteckungsgefahr erhöht, je näher man einem infektiösen Menschen kommt, sollte Abstand gehalten werden, am besten 1,5 Meter. Wenn das nicht möglich ist, bieten Masken einen erheblichen Schutz, wenn alle die Maske vorschriftsmäßig tragen. In den Wintermonaten ist zusätzlich zu beachten, dass sich bei längerem Aufenthalt in kleinen Räumen die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 Meter erhöhen kann. Deshalb ist regelmäßiges Lüften so wichtig.

Wie hoch ist das Corona-Infektionsrisiko am Arbeitsplatz?

Das kommt ganz auf die Räumlichkeiten an – etwa, ob es sich um ein Großraumbüro handelt, ob es viel Kundenkontakt gibt oder ob die Kollegen unter sich bleiben. In einer Studie hat das RKI aufgeschlüsselt, wo sich Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Ausgewertet wurden 55.141 von 202.225 übermittelten Fällen (Datenstand bis Mitte Juli). Mehr Fälle konnten keinem bestimmten Ausbruchsort zugeordnet werden.

Der Arbeitsplatz ist einer der möglichen Orte, aber bei weitem nicht der Risikoreichste. Dort wurden laut der RKI-Erhebung 412 Ausbrüche und 5824 Fälle registriert. „Die Ausbrüche im Umfeld des Arbeitsplatzes waren häufig mit erschwerten Arbeitsbedingungen verbunden“, heißt es im RKI-Bulletin.

Wie hoch ist das Corona-Infektionsrisiko in Schulen und Kitas?

Auch aus einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland unter allen Kultusministerien der Bundesländer geht hervor, dass es nur relativ wenige Corona-Infektionen an Schulen gegeben hat. 98 Prozent aller Schüler konnten am Präsenzunterricht bis zu den Herbstferien teilnehmen. Auch unter den Lehrkräften sei das Infektionsgeschehen überschaubar gewesen. So waren in Berlin 0,14 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer von einer Corona-Infektion betroffen.

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Ähnliche Ergebnisse zeigen sich in Kindergärten. Welche Rolle die Kindertagesbetreuung bei der Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus spielt, erforschen seit Juni das Deutsche Jugendinstitut und das RKI im Rahmen der Corona-KiTa-Studie. An der Erhebung können Kitas aus allen Bundesländern teilnehmen, Stand September sind es etwa 11.000. Einige Ergebnisse des aktuellen Monatsberichtes zusammengefasst: Im Zeitraum vom 10. August bis 11. Oktober waren nur etwa zehn Prozent der beteiligten Kitas von Verdachts- oder Infektionsfällen betroffen, meist waren Erwachsene erkrankt. Kinder im Alter von null bis fünf Jahren waren kaum infiziert. Aktuell betreffen etwa drei Prozent der Covid-19-Fälle in Deutschland diese Altersgruppe. Bis Ende August wurden von den Gesundheitsämtern 56 Covid-19-Ausbrüche gemeldet, bei denen als Infektionsumfeld Kita oder Hort angegeben wurden. Insgesamt wurden im selben Zeitraum 289 Fälle diesen Bereichen zugeordnet.

Wie hoch ist das Corona-Infektionsrisiko in Bus und Bahn?

Das RKI verzeichnet in einer Erhebung nur 13 Ausbrüche und 66 Fälle im öffentlichen Nahverkehr. Das liegt daran, dass Infektionen in Bussen und Bahnen nur schwer nachvollziehbar sind.

Offenbar ist der Forschungsbedarf zu diesem Thema besonders groß. Ein kleines Experiment eines Forscherteams der Charité mit Kohlendioxidsensoren zeigte zum Beispiel, dass offene Fenster eine einfache und effektive Maßnahme sein könnten, um die Luft sicherer zu machen. In der kalten Jahreszeit wird das Fahren mit geöffneten Fenstern aber bei vielen nicht auf Begeisterung stoßen.

Wie hoch ist das Corona-Infektionsrisiko bei religiösen Veranstaltungen?

Die Nachricht ging im Mai bundesweit durch die Medien: Nach einem Gottesdienst in einer Baptistengemeinde in Frankfurt war es zu einer massenhaften Verbreitung des Coronavirus gekommen. Mehr als 200 Gläubige aus sieben Landkreisen hatten sich infiziert – wohl weil sie keinen Mund-Nasen-Schutz getragen und während der Feier gesungen hatten.

Oder die muslimische Trauerfeier in Schwäbisch Gmünd, wo sich Mitte Juli rund 100 Menschen in einer Moschee ansteckten: Religiöse Veranstaltungen in Kirchen, Moscheen, Synagogen, können dazu führen, dass die Infektionszahlen steigen. Das Hauptproblem stellt – wie in den meisten Bereichen des alltäglichen Lebens - die Masse der Menschen dar. Man steht oder sitzt lange beieinander, die wenigsten Gotteshäuser haben eine Klimaanlage oder Fenster, die einfach zu öffnen sind. Dadurch fehlt der immens wichtige Luftaustausch.

Das gemeinsame Singen oder Beten kann zudem die Virusausscheidung und damit auch die Virusaufnahme verstärken. Eine Studie, die in "Nature" veröffentlich wurde, belegt, dass je lauter ein Mensch singt oder spricht, desto mehr mikroskopische Tröpfchen schleudert oder pustet er mit der Atemluft heraus. Es gibt sogar ganz bestimmte Vokale, bei denen besonders viele Aerosole entstehen. So ist das „I“ offenbar gefährlicher als das „A“. Das zumindest legt eine Studie nahe, die Anfang des Jahres in „Plos One“ veröffentlicht wurde.

So kann es dazu kommen, dass sich religiöse Veranstaltungen zu sogenannten Superspreading-Events entwickeln, bei denen ein Infizierter bei einem Ereignis viele Menschen ansteckt, teils ohne selbst Symptome zu haben. Ohne Schutzmaßnahmen sind derartige Veranstaltung also eher gefährliche Orte für die Virusverbreitung, wie gut entsprechende Konzepte greifen, lässt sich bislang nicht beziffern.

Wie hoch ist das Corona-Infektionsrisiko in Diskos, Clubs, Bars und Restaurants? 

Viele Menschen in einem geschlossenen Raum, es wird getanzt, geschwitzt, laut geplaudert und Alkohol getrunken: Clubs und Diskotheken bieten im Normalbetrieb ideale Bedingungen, damit sich das Coronavirus schnell verbreiten kann. Wie es auch in Südkorea der Fall war, als ein infizierter junger Mann in einer Nacht fünf Clubs besuchte und Dutzende Partygänger ansteckte. Oder Hunderte von Touristen, die sich beim gemeinsamen Feiern auf Après-Ski-Partys im österreichischen Skiort Ischgl infizierten und anschließend in ihre Heimatländer zurückreisten.

In Deutschland gehörten Diskos und Clubs deshalb zu den ersten Betrieben, die schließen mussten. Entsprechend dünn ist das Wissen über etwaige Ansteckung trotz Schutzkonzept. Aus den Antworten der Gesundheitsverwaltung vom 14. Oktober auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen geht hervor, dass in den Berliner Clubs seit den Lockerungen der Corona-Kontaktbeschränkungen im Juli ein Ausbruch mit acht Fällen innerhalb eines Clubs bekannt geworden ist. Zudem gab es demnach vier Ausbrüche in Bars mit insgesamt 62 Fällen. Die Grünen sehen die Clubs vor diesem Hintergrund zu Unrecht als Verantwortliche für die steigenden Corona-Infektionszahlen abgestempelt.

Tatsächlich gibt es keine belastbaren Daten, ob Clubs, Diskos und Bars zu den Haupttreibern der Pandemie zählen. In einer Analyse des Robert-Koch-Instituts zu möglichen Ansteckungsorten, werden diese Bereiche nicht explizit aufgeführt. Für steigende Fallzahlen in diesen Betrieben gibt es also wissenschaftlich keine Beweise – allerdings haben illegale Partys, teils organisiert von den Betreibern selbst, in der Vergangenheit für Aufsehen gesorgt.

Auch in Restaurants kommt es immer wieder zu kleineren und größeren Infektionsclustern. Wie in Ostfriesland: Dort hatten sich bei einer Feier mehr als 30 von 50 Gästen infiziert, zwei der Infizierten starben später. Bislang hat das RKI Speisestätten allerdings nicht als treibenden Faktor der steigenden Infektionszahlen identifiziert. Im Epidemiologischen Bulletin von Mitte September schreiben die RKI-Forscher, dass von insgesamt 202.225 übermittelten Fällen lediglich 293 dem Infektionsumfeld „Speisestätten“ zugeordnet werden kann.

Wie hoch ist das Corona-Infektionsrisiko bei Konzerten, in Theater, Oper und Kino?

Zu Beginn der Pandemie zeigte sich, dass Veranstaltungen, in denen es keinerlei Schutzmaßnahmen gibt, besonders gefährlich für die Ausbreitung von Covid-19 sein könnten: Es kommt eine große Anzahl von Menschen zusammen, meist auch aus unterschiedlichen Kreisen und Regionen.

Die Veranstaltungen – ob Film, Konzert, Theater- oder Opernaufführungen in geschlossenen Räumen - dauern in der Regel lange. Die Infektionsgefahr steigt gewissermaßen von Minute zu Minute, weil mögliche infektiöse Aerosole lange in der Luft bleiben und Viren von übertragen werden können. Noch dazu ist es in der Regel schwierig, Kontaktpersonen zurückzuverfolgen.

Studien identifizierten auch Bewegungsströme und Gedränge, das oft schwer zu steuern ist, als weitere Risikofaktoren. Schon bei normalen Luftbewegungen könnten virushaltige Aerosole Distanzen von mehr als zehn Metern zurücklegen, wie eine Studie zeigte, die im Juli im Fachblatt „Clinical Infectious Diseases“ veröffentlicht wurde.

Eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Konzentration der für die Übertragung von Coronaviren infrage kommenden Aerosole in bestimmten Kinosälen meist niedriger ist als in einem zum Vergleich herangezogenen Büroraum. So liegt im Kino die Konzentration der Aerosole im Saal selbst bei einem Film mit Überlänge noch deutlich unter der in dem Büro, in dem gesprochen wird. Die Konzentration steigt jedoch, wenn im Kino gesprochen wird und wenn sich mehrere Infizierte unter den Besuchern befinden, ermittelten Forscher des Hermann-Rietschel-Instituts der Technischen Universität Berlin für den Hauptverband Deutscher Filmtheater HDF Kino.

Aufgrund der Hygiene- und Schutzkonzepte sehen Experten Kulturveranstaltungen und Restaurantbesuche nicht als treibenden Faktor der steigenden Infektionszahlen. Genaue Daten dazu fehlen jedoch.

Wie hoch ist das Corona-Infektionsrisiko in Fitnessstudios?

In Berlin war der Betrieb von Fitnessstudios bis zum Beschluss der neuen Maßnahmen für November noch mit Einschränkungen erlaubt. So musste das Training kontaktlos erfolgen, der Mindestabstand zwischen den Trainierenden eingehalten werden, und es war ein Schutz- und Hygienekonzept erforderlich. Außerdem war vorgesehen, dass die Besucher einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie sich nicht sportlich betätigen. Diese Vorschriften senken die Ansteckungsgefahr.

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Aber es kommt zusätzlich auf das Zusammenspiel von Räumlichkeit, Aktivitäten und Disziplin der Personen an, um die Lage konkret zu bewerten. Grundsätzlich sind Fitnessstudios wohl als eher kritisches Umfeld zu betrachten – vor allem, weil bei körperlicher Aktivität intensiver ein- und ausgeatmet wird. Auf diese Weise steigt das Risiko, womöglich infektiöse Partikel einzuatmen.

Der Sportbiologe Professor Henning Wackerhage von der Technischen Universität München rät zum Beispiel, starke sportliche Anstrengungen lieber nach draußen zu verlegen. Denn während man in Ruhe rund 5 bis 10 Liter Luft pro Minute ein- und ausatme, könne der Wert bei maximaler Belastung auf bis zu über 100 Liter pro Minute und bei Leistungssportlern auf bis zu 200 Litern pro Minute ansteigen, sagte der Experte der Apotheken-Umschau. Sollten Viren in der Luft sein, nähme man also zwangsläufig mehr davon auf. Wackerhage: „Falls man selbst infiziert ist, gibt man mehr Virus ab, wird sozusagen zur Virenschleuder.“ Vereinssport in Turnhallen habe im Vergleich zu Fitnessstudios den Vorteil, dass die Räume sehr hoch seien und man ein recht großes Luftvolumen habe.

Bei steigenden Infektionszahlen ist man allerdings gut beraten, sportliche Aktivitäten generell nach draußen zu verlagern – auch wenn man sich in der kalten Jahreszeit dazu stärker überwinden muss. Die verschärften Schutzmaßnahmen machen in der nächsten Zeit ohnehin nichts anderes möglich.

Wie hoch ist das Corona-Infektionsrisiko im Freien und beim Einkaufen?

Aufenthalte und Treffen im Freien sind immer die bessere Wahl im Vergleich zu Indoor-Events. Das liegt vor allem daran, dass sich potenziell infektiöse Partikel nicht in der Luft anreichern, sondern stark verdünnen und verwehen. Situationen im Freien gelten daher nach wie vor als unkritisch. So sind zum Beispiel auch keinerlei Corona-Ausbrüche bekannt, die von Tierparks und Zoos ausgehen. Und äußerst wenige Fälle hierzulande legten die Ansteckung bei einem Picknick nahe.

Erkenntnisse aus anderen Ländern bestätigen den Vorteil des Draußenseins. So hat eine chinesische Studie ergeben, dass von 318 zurückverfolgten Ausbruchsgeschehen nur eines im Freien stattfand. Dabei handelte es sich um eine jungen Mann, der sich im Freien mit jemandem unterhalten hatte, der kurz zuvor in Wuhan gewesen war.

Auszuschließen sind Übertragungen im Freien also nicht. Das zeigen zudem die auffällig vielen Corona-Fälle, die nach einer Veranstaltung im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington auftraten. Bei diesem Event hatte kaum einer der Teilnehmer Masken getragen. Da das Risiko steigt, je dichter gedrängt sich die Menschen im Freien aufhalten, je lauter gesprochen und gesungen wird – sind die derzeitigen Absagen von Weihnachtsmärkten und Karnevalsveranstaltungen durchaus nachvollziehbar.

Wie hoch ist das Corona-Infektionsrisiko bei privaten Feiern und in Hotels?

Nach Einschätzung des Robert-Koch-Institut steckt sich ein Großteil der Menschen im privaten Umfeld, etwa bei Treffen mit Familien und Freunden, mit dem Coronavirus an. Insgesamt 3901 Ausbrüche wurden nach Daten des Epidemiologischen Bulletins dort registriert.

Grund für das erhöhte Infektionsrisiko ist laut RKI-Chef Lothar Wieler, dass bei Unterhaltungen in geschlossenen Räumen sich auch die Zahl der virushaltigen Aerosole erhöhe. „Dort, wo Menschen gerne zusammenkommen und sich auch kennenlernen wollen, ist die Interaktion auch viel größer“, so Wieler. Die Einhaltung der AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen) bei privaten Treffen könne entsprechende Risiken reduzieren.

Diese Einschätzung stimmt auch mit den Erkenntnissen einer Studie von Elizabeth Lee von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health überein. Das US-Forscherteam schreibt im Fachblatt „Science“, dass ein Großteil der Sars-CoV-2-Infektionen vermutlich auf Haushalte entfällt.

Coronavirus-Übertragungen in Hotels kamen laut dem Epidemiologischen Bulletin des RKI - auch bedingt durch die massiven Gegenmaßnahmen - selten vor. So durften Reisende vielerorts ohnehin nur einchecken, wenn sie einen negativen Corona-Test vorlegen konnten. Von den insgesamt 202.225 übermittelten Fällen werden im Bulletin 652 dem Infektionsumfeld „Übernachtung“ zugerechnet. Detaillierte Erkenntnisse zur Infektionsgefahr in Hotels fehlen jedoch.

Fazit: Ansteckungen hängen von unterschiedlicher Faktoren ab

Ansteckungen hängen von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren ab. Immer da, wo Menschen zusammenkommen, steigt die Gefahr, sich und andere anzustecken.

Die Wissenschaftler lernen jeden Tag dazu: zu den Übertragungswegen und Behandlungsmöglichkeiten, zu den Haupttreibern der Pandemie und zu möglichen Covid-19-Spätfolgen. Die gute Nachricht: Sie wissen mehr als zu Beginn der Pandemie, als das Virus uns zum Lockdown zwang. Die universelle Regel bleibt so oder so: AHA-L-A

-         Abstand von mindestens 1,5 Metern halten – das ist etwa die Länge eines Einkaufswagens – zu anderen Personen im öffentlichen Raum. Beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park. Menschenmassen unbedingt vermeiden. Bleiben Sie, so oft es geht, zu Hause. Beschränken Sie insbesondere die persönlichen Begegnungen mit älteren oder chronisch kranken Menschen zu deren Schutz. Treffen Sie Freunde und Familie möglichst draußen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, arbeiten Sie von zu Hause aus. Und wenn nicht, versuchen Sie mit dem Fahrrad oder Auto zur Arbeit zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden.

-         Hygieneregeln beachten: Husten und niesen Sie in ein Taschentuch oder in die Armbeuge, damit werden die Tröpfchen eingefangen. Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich 20 bis 30 Sekunden die Hände mit Seife, das ist so lange wie zwei Mal „Happy Birthday“ singen. Vermeiden Sie es, sich ins eigene Gesicht zu fassen.

-         Immer da, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen nicht sicher eingehalten werden kann, sollte eine Alltagsmaske (Mund-Nasen-Schutz) getragen werden – draußen sowieso drinnen. Diese kann das Risiko, sich anzustecken, deutlich senken. Vergessen Sie nicht, die Stoffmaske regelmäßig bei 60 Grad zu waschen beziehungsweise sie auszuwechseln. Die Maske muss die Nase und den Mund komplett bedecken, eng anliegen und auch unters Kinn gezogen werden. Abgenommen werden soll sie an den Bändern.

-         In geschlossenen Innenräumen zusätzlich wichtig: Lüften Sie in regelmäßigen Abständen für einige Minuten. Das ist deshalb so wichtig, weil virushaltige Aerosole minutenlang in der Luft bleiben können. Je mehr Menschen sich in einem Raum befinden, desto öfter sollte gelüftet werden.

-         Nutzen Sie außerdem die Corona-Warn-App: Die App benachrichtigt Sie, wenn Sie Begegnungen mit Personen hatten, die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert waren. Damit sollen Infektionsketten schnell durchbrochen werden. Wer keine Möglichkeit hat, die App zu installieren, kann ein Kontakt-Tagebuch führen. Festzuhalten sind folgende Punkte: Datum, Kontaktperson, Uhrzeit und Dauer der Begegnung, der Ort, wo man sich getroffen hat (drinnen oder draußen?), und die Angabe, ob man einen Mundschutz getragen hat. Vorlagen gibt es im Internet.

-          Bleiben Sie unbedingt zu Hause, wenn Sie kränkeln, krank sind oder sich angeschlagen fühlen. Helfen Sie denen, die Hilfe benötigen. Versorgen Sie ältere, chronisch kranke Angehörige oder Nachbarn und alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Und sprechen Sie unbedingt mit anderen über Ihre Ängste und Sorgen. Versuchen Sie sich Zeit für sich zu nehmen und zu entspannen.