Kristen Stewart als Lady Diana im neuen Film „Spencer“. Pablo Larrain/Neon via AP

Eine dreiviertel Milliarde Menschen sahen Prinzessin Diana in ihrem Brautkleid, als sie 1981 Prinz Charles das Jawort gab. Im neuen Film „Spencer“ musste Hauptdarstellerin Kristen Stewart ein Replikat der Jawort-Robe tragen. Die Reaktion der 31-Jährigen war eine Gänsehaut. Aber nicht vor Rührung, weil sie sich der Königin der Herzen so nah fühlte: „Es hat sich total schaurig angefühlt.“

KURIER: Als die ersten Set-Fotos von Ihnen als Prinzessin Diana um die Welt gingen, hat das viele Kritiker verstummen lassen. Denn anfangs konnten sich nur wenige vorstellen, dass Sie die richtige Besetzung sind.

Kristen Stewart: Sie hätten mal meine Reaktion hören sollen, als mich der Regisseur Pablo Larraín angerufen und gefragt hat, ob ich Diana spielen könnte. Ich habe zu ihm in etwa „Ich glaube, du bist völlig fucking verrückt geworden“ gesagt (lacht).

Und dennoch haben Sie am Ende zugesagt!

Ja, weil das Drehbuch sehr gut war, ohne irgendwelche groben Falschheiten über Diana. Irgendwie haben so viele Menschen verschiedene Bilder von Diana im Kopf, die teilweise gar nicht zusammenpassen. Mir war es wichtig, dass man auf jeden Fall die bekannten Fakten richtig darstellt, auch wenn wir keine Biografie gedreht haben. Zum Beispiel hasste sie rauchen. Und da wollte ich nicht mit einer Zigarette auf dem Palastbalkon stehen. So was mein’ ich!

Kristen Stewart wurde mit der Vampir-Sage „Twilight“ weltberühmt. AP Photo/Chris Pizzello

Was macht diesen Diana-Film anders als die Vorgänger?

Dass es sich um nur drei Tage in ihrem Leben handelt. Genau die drei Tage, bevor sie sich entschlossen hat, die Royal Family zu verlassen. Es war sehr intensiv und auch total Fun – zumindest so habe ich die Situation für mich entschlüsselt.

Wie würden Sie Diana als Mensch beschreiben?

Sie hatte sehr wenig Kontrolle über ihr eigenes Leben. Alles war für sie immer an Bedingungen geknüpft, die sie ständig neu aushandeln musste. Und sie hat unglaubliche Höhen und Tiefen durchlebt. Ihr Leben war stets voller extremer Gegensätze.

Zum Beispiel?

Auf der einen Seite war sie die beliebteste Frau der Welt, aber auch gleichzeitig eine Frau, die die größte Ablehnung in ihrem Privatleben erfahren musste. Sie konnte ihre eigene Macht zwar spüren, aber nie wirklich für sich definieren und einsetzen. Und oft fühlte sie sich unsicher und klein, aber mit ihren Kindern war sie die selbstsicherste Mutter der Welt.

Und sie hat es geschafft, dass sich so viele Menschen mit ihr verbunden fühlten und ihr ihr Herz geschenkt haben.

Diese Eigenschaft war bei ihr angeboren. Es gibt halt einige Menschen, die sind mit einer unwiderruflichen, durchdringenden Energie gesegnet. Alle, die mit ihr in Berührung gekommen sind, haben sich durch ihr wunderschönes Licht gestärkt gefühlt. Was die Tatsache, dass sie sich selbst so einsam und isoliert gefühlt hat, noch tragischer und trauriger macht.

„Spencer“ ist ein Filmdrama von Pablo Larraín, das im September 2021 bei den Internationalen Festspielen von Venedig seine Premiere feierte. Pablo Larraín/Neon via AP

Sie war die berühmteste Frau der Welt, die es als Qual empfand, ständig im Rampenlicht zu stehen. Können Sie das aus persönlicher Sicht nachvollziehen?

Das kann ich grundsätzlich schon gut. Wobei ich nicht im Entferntesten eine solche Symbolfigur wie sie war, die erst ein ganzes Land und später die ganze Welt repräsentieren musste. Am ehesten kenne ich das Gefühl, sich machtlos zu fühlen, wenn man selbst keine Kontrolle über eine Situation hat.

Was für Situationen meinen Sie?

Wenn eine Story über dich herumgeht und du hast keine Chance, sie zu ändern. Man kann einfach nicht beeinflussen, was andere über einen denken. Ein falsches Wort, ein falscher Eindruck reicht und du bist abgestempelt. Ich kann mich an Millionen von Interviews erinnern, wo mir fünf Minuten nach dem Ende einfiel, was ich eigentlich hätte sagen sollen. Ich wäre so oft am liebsten zurückgerannt, um den Reporter zu bitten „Können wir das Interview noch einmal wiederholen?“ (lacht).

Was war das Härteste für Sie an der Rolle?

Dass der Regisseur ständig auf Nahaufnahmen gepocht hat. Ich hatte ständig eine Kamera mit Weitwinkel im Gesicht. Manchmal war es mir echt zu nah und ich habe mitten im Satz reflexartig die Hände hochgerissen und gesagt „Du wirst mir damit gleich ins Gesicht hauen, mach einen Schritt zurück!“ Ich weiß, es gibt Schauspieler, die können total ausblenden, dass sie vor der Kamera stehen. Ich gehöre nicht dazu!

Kristen Stewart musste für die Rolle der Diana den perfekten Hofknicks üben. Pablo Larraín/Neon via AP

Haben Sie die Hofetikette der Royals für Ihre Rolle studieren müssen?

Nein, dafür hatten wir Berater am Set, die sich mit den Königshausregeln genau auskannten. Es war schon schwer genug für mich, einen perfekten Knicks hinzubekommen.

Können Sie den noch?

Nee, den habe ich sofort wieder vergessen, als ich nach Ende des letzten Drehtags vom Set gegangen bin (lacht).

Gibt es etwas, was wir alle von Diana lernen können?

Dass man immer eine Wahl hat, selbst wenn es sich so anfühlt, als hätte man keine. Natürlich gibt es Menschen, die mit Gewalt schrecklich unterdrückt werden. Doch die meisten von uns wandeln nicht auf einem vorbestimmten Pfad und man kann selbst die Zügel in die Hand nehmen. So wie es Diana im Film macht. Natürlich kann das furchterregend sein und man braucht dafür schon echt Eier.