Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin imago

Es ist noch schlimmer, als Virologen befürchtet hatten: Omikron entkommt der Immunantwort auch bei Geimpften und Genesenen, so das Ergebnis von Labor-Untersuchungen der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek.

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In seinem Podcast „Coronavirus-Update“, den Christian Drosten abwechselnd mit Sandra Ciesek zusammen mit NDR-Journalistinnen führt, hatte der Berliner Virologe am Dienstag bereits auf die Gefahren für Ungeimpfte hingewiesen, die von Omikron ausgehen. Nun sieht es so aus, dass selbst doppelt Geimpfte keinen ausreichenden Immunschutz gegen Omikron aufweisen. Auf Englisch twittert Drosten, es sehe „nicht gut aus für doppelt Geimpfte“.

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Dritte Impfdosis notwendig im Kampf gegen die vierte Welle

Doch Drosten hält die Impfung ganz und gar nicht für überflüssig, er ergänzt: „Eine dritte Dosis (ist) notwendig. “ Christian Drosten plädiert also für die Booster-Impfung, die sich derzeit Millionen von bereits geimpften Deutschen verabreichen lassen.

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Drosten führt es nicht aus, aber wissenschaftlicher Konsens ist, dass der Booster die Immunantwort als Ganzes stärkt, auch gegenüber Varianten des Coronavirus. Außerdem geht die derzeitige vierte Welle ganz überwiegend auf die Delta-Variante zurück, gegen die die Impfung schützt. Eine stärkere Verbreitung der Omikron-Variante in Deutschland erwartet Drosten ab Januar.

Drosten: Omikron wird ab Januar zum Problem in Deutschland

„Ich denke, ab Januar werden wir mit Omikron in Deutschland ein Problem haben“, sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. Er mahnte erneut das Schließen der Impflücken in der Bevölkerung an, es müsse jetzt voll um den Schutz des Einzelnen gehen. Omikron werde wahrscheinlich die Anpassung der vorhandenen Impfstoffe nötig machen.

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Die zuerst im südlichen Afrika nachgewiesene Variante B.1.1.529 ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „besorgniserregend“ eingestuft worden. Die EU-Gesundheitsbehörde (ECDC) spricht von ernsthaften Sorgen, dass die Variante die Wirksamkeit der Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von erneuten Infektionen erhöhen könnte. Welche genauen Auswirkungen die Variante hat, steht noch nicht fest.

Wenn Omikron übernimmt, wird die Pandemie bis zum Sommer andauern

Das Omikron-Problem könne bis in den Sommer andauern, warnte Drosten. In Südafrika seien die Zuwachsraten trotz des dort einsetzenden Sommers hoch. „Und darum würde ich im Moment auch nicht sagen, bis Ostern ist in Deutschland die Pandemie vorbei, wenn Omikron übernimmt.“ Bisher seien ihm hierzulande aus dem Austausch mit Kollegen ungefähr 25 bis 30 Omikron-Fälle bekannt. Die Zahl sei nicht vollständig und werde rasch zunehmen. Das Virus scheine „extrem verbreitungsfähig“ zu sein. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte vergangenen Donnerstag von vier bisher bestätigten Fällen gesprochen.

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Der Virologe betonte, dass es rund um die Variante noch viele offene Fragen gebe und mehr Daten abgewartet werden müssten. Mehrfach sprach Drosten von einer „Ratestunde“. Die Ausgangslagen in Südafrika und England, wo Omikron sich in besorgniserregender Geschwindigkeit ausbreite, seien zudem anders als in Deutschland. Das betreffe unter anderem die Anteile von Geimpften und Genesenen, aber auch die Maßnahmen, die aktuell in Kraft seien. Deutschland fahre derzeit mit „angezogener Handbremse“, deshalb könne es sein, dass die Ausbreitung nicht ganz so schnell erfolgen werde. Auch könnten Daten aus manchen Ländern wegen gezielter, sehr genauer Nachverfolgung bei Reiserückkehrern und deren Umfeld verzerrt sein.

Omikron mit „blödester Kombination“ an Eigenschaften: Immunflucht und Fitnessgewinn

Er wolle nicht den Teufel an die Wand malen, halte aber Vorsicht angesichts der Veränderungen des Virus für geboten, sagte der Charité-Forscher. Bei Omikron sei die „blödeste Kombination“ an Eigenschaften zu befürchten: Immunflucht und Fitnessgewinn – also eine Variante, die den Antikörpern von Geimpften und Genesenen besser entkommt und zudem ansteckender ist. Nach Einschätzung des Corona-Experten könnte ab dem zweiten Quartal 2022 womöglich eine neue Generation angepasster Impfstoffe verwendet werden. Hersteller hatten Arbeiten zur Anpassung an Omikron angekündigt. Die Variante weist zahlreiche Mutationen an kritischen Stellen auf.

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Aktuell sei es sicher noch „gut“, die vorhandenen Impfstoffe einzusetzen und auch die Booster-Impfung „unbedingt voranzutreiben“, sagte Drosten. Geimpfte müssten kein völliges Verschwinden ihres Immunschutzes fürchten, aber eine Verringerung sei absehbar.

Er glaube nicht, dass Menschen, die bereits eine Auffrischungsimpfung hatten, wieder so dastünden wie am Anfang der Pandemie. Ein Boostern der Bevölkerung zum Winter hin in den nächsten Jahren schloss Drosten nicht aus. Er widersprach aber deutlich Darstellungen, wonach die Menschen ein „lebenslanges Impf-Abo“ vor sich haben könnten.

Auch angesichts schwerer Verläufe, die nun bei Kindern in Südafrika beobachtet würden, sei zu befürchten, dass Omikron für Ungeimpfte „nicht harmlos“ sei, sagte Drosten. Man dürfe wegen Berichten über milde Verläufe in Südafrika nicht in Euphorie verfallen: Dort seien die meisten Menschen schon mit dem Sars-2-Coronavirus infiziert gewesen. Deutschland sei mit der Immunität in der Bevölkerung noch nicht so weit.

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Der US-Immunologe Anthony Fauci wies am Dienstag auf die Möglichkeit milderer Verläufe hin, mahnte jedoch, dass es zu früh sei für eine abschließende Bewertung. Die beobachteten verhältnismäßig milden Verläufe könnten auch mit den vor allem betroffenen jüngeren Leuten zu tun haben.