Katherine Johnson 1966 an ihrem Nasa-Arbeitsplatz. Foto: AFP

„Holt das Mädchen, um die Zahlen zu checken. Und wenn das Mädchen sagt, sie sind gut, bin ich bereit zu fliegen“, soll US-Astronaut John Glenn gesagt haben, bevor er im Februar 1962 als erster Amerikaner die Erde im Raumschiff umkreiste. Das Mädchen war Katherine Johnson. Sie war eine der Nasa-Mathematikerinnen, die Jahrzehnte später durch den Hollywood-Film „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ bekannt wurden. Jetzt ist Katherine Johnson im Alter von 101 Jahren gestorben.

Start der Apollo-11-Mission 1969. Auch hier war   Katherine Johnson mit ihren Berechnungen beteiligt. Foto: imago images/Mary Evans

„Computresses“, weibliche Computer, wurden die Frauen genannt, die damals für die Nasa die komplizierten Berechnungen von Flugbahnen und Treibstoffmengen anstellten und damit maßgeblich an den ehrgeizigen Plänen der Nasa zur Eroberung des Weltraums mitwirkten. Ihre Arbeit ermöglichte den Flug der Apollo-11-Mission, die mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Juli 1969 die ersten Menschen auf den Mond brachte. Leicht wurde es den Frauen bei der Nasa nicht gemacht. Doppelt schwer hatten es Frauen wie Katherine Johnson, die als Afroamerikanerin nicht nur gegen Geschlechter-Klischees sondern auch gegen die Rassentrennung kämpfen musste.

Katherine Johnson, eine „amerikanische Heldin“

Als „amerikanische Heldin“, würdigte nun die US-Raumfahrtbehörde Katherine Johnson, deren Pionier-Leistung niemals vergessen werde. Nasa-Chef Jim Bridenstine erklärte, „Meilensteine“ der US-Raumfahrt wären ohne Johnson nicht möglich gewesen. Sie habe den USA nicht nur geholfen, „die Grenzen des Weltraums zu erweitern“, sondern auch wesentlich dazu beigetragen, dass Frauen und Schwarzen heute mehr Türen offen stünden.

Präsident Obama verlieh 2015 Johnson die Freiheitsmedaille, höchste zivile Auszeichnung der USA. Foto: AP

Für Zahlen begeisterte sich die 1918 in West Virginia geborene Johnson bereits als Kind. „Ich habe die Stufen zur Straße gezählt, die Stufen zur Kirche hinauf, die Teller, die ich abwusch ... Alles, was man zählen konnte, habe ich gezählt“, erzählte sie. Als sie als Fünfjährige ihrem Bruder in die Schule folgte, stellten die Lehrer erstaunt fest, dass sie schon lesen konnte. Also durfte sich am Unterricht teilnehmen. Mit gerade mal 15 Jahren kam das hochbegabte Mädchen an die Uni, studierte Mathematik und wurde Lehrerin. 1953 ging sie zur Nasa, wo die dreifache Mutter trotz aller Widrigkeiten eine beeindruckende Karriere hinlegte. Als Frau, die die Männer zum Mond schickte, wird Katherine Johnson in Erinnerung bleiben.