Eine Gucci-Filiale in der italienischen Hauptstadt Rom. Foto: Imago Images

Am Rodeo Drive in Bevely Hills ist Gucci die schillerndste Boutique. Jetzt taucht der Name im zehn Kilometer entfernten Gerichtshof von Los Angeles auf – in einem der schwärzesten Prozesse von Kindesmissbrauch. Alexandra Zarini, die Ur-Enkelin von Guccio Gucci, dem Gründer des Mode-Imperiums, klagt ihren Stiefvater an, sie jahrelang als sexuelles Spielzeug benutzt zu haben. Und die Familie habe den Skandal geheim gehalten.

Alexandras Mutter Patricia Gucci hatte 2016 in ihren Memoiren „Im Namen von Gucci“ über die Familien-Hintergründe ausgepackt. Ihr Vater Aldo, der den Firmennamen zu Weltruhm brachte, war verheiratet und hatte eine 30 Jahre lange Affäre mit Patricias Mutter. Damals war Ehebruch in Italien illegal. Aldo erkannte allerdings seine Tochter an und gab ihr im Alter von 19 Jahren einen Sitz im Firmenvorstand.

Patricia heiratete und hatte zwei Töchter, ehe diese Ehe geschieden wurde. Sie lernte den Hollywood-Produzenten und Musik-Manager Joseph Ruffalo (zu dessen Klienten Prince und Earth, Wind & Fire gehörten) kennen und zog mit ihren Kindern zu ihm nach Los Angeles. Das Paar heiratete und bekam ein Kind. Laut Alexandra Zarinis hatte da der Missbrauch schon begonnen. In der Klage beschreibt die 35-Jährige, dass sie als kleines Mädchen Albträume hatte und nachts zu ihrer Mutter in deren Ehebett kletterte. Ruffalo habe daneben nackt geschlafen und sie sei aufgewacht und habe ihre Hand auf dem Penis des Stiefvaters gespürt.

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Das war der Anfang des Martyriums. Laut Gerichtsakten schlug ihre Mutter Alexandra und versuchte, sie zu erdrosseln. Der Stiefvater habe sie dann „gerettet“ und seine Beschützer-Rolle ausgenutzt, um sie „in intimer Weise anzufassen“. Bis zu ihrem 22. Lebensjahr, so beschreibt es die Klage, stieg Ruffalo zur Stieftochter ins Bett, berührte sie an Brüsten und Genitalien, rieb seinen Penis an ihrem Körper.

Als sie 16 war, habe ihre Großmutter Bruna Palombo sie gefragt, ob sie von Ruffalo missbraucht werde. Als sie das bestätigte, habe die Großmutter gesagt, „niemand etwas darüber zu sagen“. Später habe der Stiefvater sie dazu ermutigt, Drogen (Kokain und Methamphetamin) zu nehmen.

Nach einer Entziehungskur in der Sierra-Tucson-Klinik habe Alexandra ihre Mutter (sie erlaubte laut Klage ihrem Mann, Nacktvideos von der Stieftochter aufzunehmen) konfrontiert. Deren Reaktion: „Um jeden Preis einen Skandal zu vermeiden, der einen Schatten auf den Namen Gucci werfen und die Familie Millionen kosten könnte.“ Alexandra vermutet in einem Kommentar zur „New York Times“, dass ihre Mutter Geld in Ruffalos Management-Firma investiert hat.

Patricia Gucci in einer E-Mail an die „New York Times“: „Ich bedaure den Schmerz, den Joseph Ruffalo Alexandra zugefügt hat. Was er ihr angetan hat, ist unverzeihlich und ich war am Boden zerstört, als sie es vor mir in der Praxis unseres Arztes enthüllt hat. Ich habe unmittelbar darauf die Scheidung eingereicht.“

Ruffalo läßt über seinen Anwalt die Vorwürfe „kategorisch bestreiten“.