Sieben Enigma-Chiffriermaschine wurden zufällig in der Schlei und in der Ostsee geborgenen. Jetzt werden sie restauriert. dpa

Sie war die Geheimniswahrerin der Wehrmacht. Mit der Enigma verschlüsselten die Deutschen ihre Nachrichten.

Ende 2020: Durch Zufall entdeckten Taucher, die eigentlich auf der Suche nach Geisternetzen waren, in der Geltinger Bucht eine Enigma im Ostseewasser. Kurz darauf, im Januar 2021, wollten Taucher einen Propeller aus der Schlei bergen – und finden erneut mehrere Chiffriermaschinen. Insgesamt sind es sieben Enigmen.

Aber wo kommen die Enigmen her? Wo wurden sie eingesetzt?

„Bei mir tauchen bei der Arbeit an den Maschinen immer wieder neue Fragezeichen im Kopf auf“, sagte die archäologische Restauratorin Corinna Mayer (42). Sie arbeitet in der Archäologischen Zentralwerkstatt auf Schloss Gottorf in Schleswig an den Funden. Nach über sieben Jahrzehnten sind sie in einem Sie sind desolatem Zustand. Nur zwei der sieben Maschinen sind komplett, die anderen zerstört.

Metallrestauratorin Corinna Mayer zeigt eine Enigma-Chiffriermaschine, die in der Restaurationswerkstatt in Schloss Gottorf in einem Wasserbad lagert. dpa

Wo kommen die Enigmen aus der Ostsee her?

Die Frage lautet jetzt: Wie gelangte die auf U-Booten eigesetzte Enigma M4 in den Hafen von Kappeln? Fest stehe, dass dort gegen Kriegsende viele Schiffe gelegen hätten.

Im Zweiten Weltkrieg diente die Enigma mit ihren 26 Buchstaben-Tasten der Verschlüsselung des Nachrichtenverkehrs. Die Enigma (griechisches Wort für Rätsel) war hochkomplex und konnte lange nicht dechiffriert werden.

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Forschungstaucher mit der Enigma-Chiffriermaschine, die in der Ostsee in einem Fischernetz hing. submaris/Christian Howe

Marinehistoriker Jann M. Witt vom Deutschen Marinebund ist sich sicher: die in der Geltinger Bucht gefundene Enigma stammt von einem U-Boot: „Im Zusammenhang mit dem sogenannten Regenbogen-Befehl haben Marineoffiziere gegen Ende des Krieges dort 50 U-Boote selbst versenkt.“ Dabei sei die Kommunikationstechnik ebenfalls auf dem Meeresgrund gelandet. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stammt diese Enigma von einem dieser Boote.“ Um welches U-Boot es sich dabei gehandelt hat, ist aber unbekannt. Aber wie kommen die anderen Enigmen in den Hafen von Kappeln?

Die Enigma wurde entschlüsselt, ohne dass die Deutschen es merkten

„Die Entschlüsselung der Enigma hatte massiven Einfluss auf den U-Boot-Krieg im Atlantik“, sagte Witt. Die Kriegsmarine habe zu sehr auf die Sicherheit der Technik vertraut. „Dabei gab es bereits während des Krieges Hinweise, dass der Schlüssel geknackt war. Das wurde jedoch komplett ignoriert.“ Dadurch konnten die Alliierten verschlüsselte Funk-Codes an deutsche Boote unbemerkt mitlesen.

Bisher ist nicht bekannt, auf welchen Schiffen die Geräte zum Einsatz kamen. Nur bei einer Enigma ließ sich die Seriennummer bisher identifizieren. Die Maschinen sollen nun geröngt und mit Hilfe eines sehr genauen Computertomographen untersucht werden, um weitere Seriennummern zu erkennen. Vielleicht kann so ihr letztes Rätsel, das ihrer Herkunft, gelöst werden.