Henning Grentz sitzt vor seiner selbst gebauten Miet-Sauna im Schnee. Foto: dpa/Katie Voss/Henning Grentz

Schon als kleiner Junge ging Henning Grentz gerne zusammen mit seiner Mutter in die Sauna. „Wir haben auf dem Dorf gewohnt und eine Bekannte im Nachbardorf hatte eine kleine Sauna bei sich im Keller“, sagt der 46-Jährige aus Bargteheide in Schleswig-Holstein. Inzwischen hat Grentz sein halbes Leben in den USA verbracht und auch dort schon zahlreiche Saunen ausprobiert, aber viele haben ihn nicht überzeugt. „Oft war das nur so ein elektrischer Ofen, und der war nicht einmal heiß genug angestellt.“

Also baute sich Grentz, der das Schwitzen für seine Gesundheit, aber auch wegen der Geselligkeit beim gemeinsamen Saunieren mit Freunden mag, seine eigene Sauna. „Ungefähr 16 Monate lang habe ich daran gebaut und nicht an Materialien, Zeit oder Energie gespart. Ich habe da viel Herzblut reingesteckt, und es war eine wirklich schöne Zeit in meinem Leben.“

Lesen Sie auch: KURIER wagte den Selbstversuch im Weißen See: Extremsport Eisbaden: Berliner auf der Suche nach dem Kältekick >>

Eine selbst gebaute Sauna nach finnischer Art

Den Bauplan für das Holzhäuschen überlegt sich der handwerklich erfahrene und geschickte Grentz selbst. Was er nicht kann, bringt er sich mit Anleitungen aus dem Internet bei. Die kleine Sauna mit Umkleideraum, Radio und Holzofen nach finnischer Art soll für ihn selbst sein – aber von Anfang an hat Grentz auch die Idee, sie einmal zu vermieten, und baut sie deshalb direkt auf einem Anhänger.

2018 ist die Sauna fertig. Am liebsten fährt Grentz damit zu einem Freund und stellt sie im Winter neben einem kleinen See auf dessen Grundstück auf. Nach dem Schwitzen schlagen die beiden ein Loch ins Eis des Sees und springen hinein. Das Vermarkten geht Grentz dagegen eher langsam an, aber er erstellt eine Website und ein Instagram-Profil und immer wieder kommen Anfragen herein.

Dann bricht Anfang 2020 die Corona-Pandemie auch in den USA aus – und viele Saunen landesweit müssen schließen. Bis heute sind in einigen Teilen der USA die Saunen und Dampfbäder dicht. Manche Einrichtungen wie etwa das Bathhouse im New Yorker Stadtteil Brooklyn haben nur mit starken Kapazitätseinschränkungen und Masken- und Abstandsregeln geöffnet, aber viele Menschen schreckt die Angst vor einer möglichen Ansteckung trotzdem von einem Besuch ab. Gleichzeitig suchen in der Pandemie viele Menschen nach Möglichkeiten, ihr Immunsystem zu stärken und etwas für ihre Gesundheit zu tun. Andere vermissen ihr gewohntes Schwitzen. „Saunas sind angesagt“, schrieb die New York Times – und verwies auch auf die Miet-Sauna von Grentz.

Foto: dpa/Nils Schlebusch/Henning Grentz
Schwitzen für die Gesundheit: Zwei Frauen sitzen in der selbst gebauten Miet-Sauna von Henning Grentz. 

Mit Holz für mindestens 15 Stunden Brennzeit bringt der seine kleine Sauna auf dem Anhänger überall in einem Radius von rund zwei Stunden um seinen Wohnort nördlich der Millionenmetropole New York in den Shawangunk-Bergen vorbei.

Ein bis zwei Nächte kosten 650 Dollar (etwa 540 Euro), jede weitere Nacht 125 Dollar, bei längerfristiger Miete geht Grentz mit dem Preis runter. „Seit November ist die Sauna fast vollständig ausgebucht, ich komme selbst fast gar nicht mehr dazu, sie zu benutzen,“ sagt er. Die meisten Menschen buchten die Sauna gleich für mehrere Wochen, bis April ist sie auch schon fast durchgängig belegt.

Lesen Sie auch: Polizei schnappt Spanner: Frauen heimlich in Sauna gefilmt und Videos bei xhamster hochgeladen >>

Grentz ist einer der wenigen Sauna-Vermieter in den USA

Der Schleswig-Holsteiner ist nicht der einzige Sauna-Vermieter in den USA, unter anderem auf der Website „SaunaShare“ finden sich noch einige wenige andere Anbieter. Insgesamt sei die aus Finnland stammende Sauna-Kultur in den USA aber noch nicht so weit verbreitet wie beispielsweise in Deutschland, sagt Grentz. Als Mitglied der Nordamerikanischen Sauna-Gesellschaft will er das ändern.

Ein Hindernis dabei ist, dass viele Amerikaner öffentliche Nacktheit – insbesondere von Männern und Frauen gemeinsam – ablehnen und deswegen oft höchstens im Badeanzug in die Sauna gehen. „Schade“ sei das und nicht gut für die Holzbänke, wenn dort ständig nasse Badebekleidung draufkomme, sagt Grentz. Aber er passe sich an, wo es nötig sei.

Mit 23 Jahren kam er einst nach New York. Ursprünglich habe er nur ein Jahr im Ausland studieren wollen, aber dann sei er hängen geblieben. Mit verschiedenen Jobs schlug er sich durch und arbeitet heute freiberuflich als Industriekletterer, landesweit, aber vor allem in New York. So klettert er beispielsweise auf die Brücken der Millionenmetropole oder das American Museum of Natural History und hilft den Inspekteuren dabei, in der Höhe ihre Arbeit auszuführen. Einmal wurde er auch zu den Niagarafällen gerufen und sollte dabei helfen, die vom Wind verwehten Regenponchos der Touristen aus den Felswänden zu klauben. „Das macht mir wirklich Spaß. Ich hab auch keine Höhenangst, solange ich angeseilt bin.“

Die Berge, in denen Grentz klettert und als Tourenführer arbeitet, und die viele unbebaute Natur sind es auch, die ihn unter anderem in den USA halten. Mehr als zwei Jahre sei er jetzt schon nicht mehr in seiner deutschen Heimat gewesen, sagt Grentz. Was er an Deutschland vermisse? „Lakritz, so richtig salziges Lakritz mit ordentlich Ammonium.“ Seine Schwitz-Kultur hat er sich inzwischen ja vor die eigene Haustür gebaut, auch wenn die Miet-Sauna derzeit ständig ausgebucht ist. „Da muss ich wohl bald mal eine zweite Sauna bauen.“