Großeinsatz für die Feuerwehr in Burgrain. dpa/Sven Hoppe

Dramatischer Großeinsatz für die Retter in Oberbayern.

Bei einem Zugunglück nördlich von Garmisch-Partenkirchen sind am Freitag mindestens vier Menschen ums Leben gekommen und viele weitere verletzt worden. Wie ein Sprecher der örtlichen Polizei bestätigte, gingen am Mittag erste Meldungen über das Unglück bei Burgrain auf der Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und München ein. Demnach stürzten mehrere Waggons auf die Seite. Über die genaue Ursache weiß man noch nichts.

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Ein Regionalzug sei entgleist, mehrere Waggons seien umgestürzt und zum Teil einen Hang heruntergerutscht, hieß es von den Behörden. Dabei seien mindestens vier Personen ums Leben gekommen, teilte die Polizei mit.

Waggons rutschten einen Hang hinunter. AFP/NETWORK PICTURES

60 Menschen verletzt, 15 davon schwer

Insgesamt müssten 60 Menschen mit Verletzungen behandelt werden, 15 davon seien schwer verletzt ins Krankenhaus gekommen, sagte ein Sprecher des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen. Die Polizei bestätigte das später. Auf Bildern bei Twitter war zuvor zu sehen, wie zahlreiche Verletzte behandelt, abtransportiert und zum Teil ins Krankenhaus gebracht wurden.

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Mindestens drei Menschen wurden bei dem Unglück getötet. AFP/NETWORK PICTURES
Der Zug ist komplett aus den Gleisen gesprungen. AFP/NETWORK PICTURES

Die betroffene Regionalbahnstrecke gilt als „Schülerzug“. Regionale Medien berichten, dass sich „zahlreiche Schülerinnen und Schüler in dem entgleisten Zug befinden“. Der Regionalzug sei gegen Mittag Richtung München unterwegs gewesen. Es sei wahrscheinlich, dass zum Ferienbeginn viele Kinder und Jugendliche in der Bahn saßen, bestätigte die Polizei.

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Fahrgäste durch die Fenster gerettet

Insgesamt drei Waggons seien bei dem Unfall umgekippt. „Die Menschen werden durch die Fenster gezogen“, sagte der Bundespolizei-Sprecher. Das Unglück ereignete sich gegen 12.15 Uhr im Ortsteil Burgrain in den Loisachauen. Unter den Verletzten seien „alle Altersgruppen“.

Feuerwehr, Notärzte und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort. „Es wurde Vollalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst“, sagte ein Sprecher der Leitstelle im Oberland. Nach Angaben eines Sprechers der ADAC-Luftrettung waren sechs Rettungshubschrauber im Einsatz, drei davon vom ADAC, drei weitere kamen aus Tirol (Österreich) zum Einsatz.

Verletzte werden abtransportiert. AFP/NETWORK PICTURES
Durch die Fenster wurden Menschen aus dem havarierten Zug befreit. AFP/NETWORK PICTURES

Auf Videos im Internet sind geschockte Fahrgäste neben dem havarierten Zug zu sehen.

Die Bahnstrecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Oberau ist wegen des Unfalls voll gesperrt. Die Deutsche Bahn plant nach eigenen Angaben einen Ersatzverkehr.

Bahn spricht Mitgefühl aus

Nach der Zugunfall-Tragödie hat die Deutsche Bahn den Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl ausgesprochen. Einsatzkräfte und Mitarbeiter der DB seien am Unfallort, teilte das Bundesunternehmen in Berlin mit. Über die Ursache des Unfalls am Freitagmittag könne noch keine Aussage getroffen werden.

Auf Luftbildern ist zu erkennen, dass der Zug mit Doppelstockwagen auf einer einspurigen langezogenen Kurve unterwegs war. Eine Weiche ist nicht zu sehen. Der Streckenabschnitt liegt erhöht auf einem Bahndamm, mehrere Waggons rutschten vom Damm in einen kleinen Bach. Die viel befahrene B2 führt genau vorbei.

„Zug ganz plötzlich umgekippt“

Ein amerikanischer Soldat war in einem der Autos auf der Straße neben der Bahnstrecke und erzählte seine Eindrücke dem „Garmisch-Partenkirchner Tagblatt“: „Es war schrecklich, einfach schrecklich“, sagte er. Wie aus dem Nichts sei „der Zug ganz plötzlich umgekippt“.

Zahlreiche Einsatz- und Rettungskräfte sind nach dem schweren Zugunglück im Einsatz. dpa/Garmisch-Partenkirchner Tagblatt/Josef Hornsteiner

Für die Region an der Grenze zu Österreich ist das Unglück kurz vor den Ferien auch verkehrstechnisch eine Katastrophe. Die Autobahn 95 wurde rund 20 Kilometer vor Garmisch gesperrt. Die nahe der Bahnlinien verlaufenden Bundesstraßen 2 und 23 ebenfalls.

„Wir können den Verkehr im Moment nicht in Richtung Garmisch-Partenkirchen laufen lassen, weil die Rettungskräfte auf der Straße sind“, sagte ein Polizeisprecher. Wegen des Beginns der Pfingstferien in Bayern sei auf der Route mit langen Staus zu rechnen.

Wissing, Faeser und Söder äußern sich bestürzt

Bundesverkehrsminister Volker Wissing hat sich bestürzt über das Zugunglück in Oberbayern geäußert. „Die Bilder, die uns in diesen Stunden aus Garmisch-Partenkirchen erreichen, sind dramatisch“, sagte der FDP-Politiker am Freitag in Berlin. „Aktuell lässt sich das gesamte Ausmaß der Katastrophe nur erahnen. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen und Verletzten. Wir stehen im engen Austausch mit der Bahn und unterstützen, wo wir können. Unsere Experten sind bereits vor Ort, um gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden die Unfallursache zu untersuchen.“

Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) wolle angesichts des schrecklichen Zugunglücks die Anteilnahme der Bundesregierung ausdrücken, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich via Twitter erschüttert und tief betroffen: „Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer und wünschen allen Verletzten rasche Genesung“, schrieb der CSU-Chef. Gerade die Schüler hätten sich auf die Pfingstferien gefreut. „Großen Respekt und Dank allen Rettungskräften für die schnelle Hilfe“, betonte Söder.