Explosion im Chemiepark von Leverkusen dpa/Oliver Berg

Meterhoch türmte sich die Rauchsäule über dem Leverkusener Chempark auf und stand mit ihrer bedrohlich schwarzen Färbung für ein großes Unglück, dass mindestes ein Todesopfer forderte und eine ganze Region in Schrecken versetzte. Am Dienstagmorgen ist es in einem Tanklager im Entsorgungszentrum des Chemparks zu einer Explosion gekommen. Das bestätigte die Betreiberfirma Currenta.

Die Behörden in Leverkusen sprachen am Dienstagmittag zunächst von vier Schwerverletzten und zwölf Verletzten, die in einem Krankenhaus behandelt wurden. Später wurde mitgeteilt, dass die Zahl der Verletzen auf 31 gestiegen sei. Fünf von ihnen werden laut Kölner Polizei intensivmedizinisch versorgt. Am frühen Nachmittag wurde zunächst ein Mitarbeiter des Tanklagers tot geborgen, dann am Abend die nächste traurige Nachricht: bei den Rettungsarbeiten war ein zweites Todesopfer gefunden worden. Mehrere Menschen wurden am frühen Dienstagabend noch vermisst.

Schon von weitem ist die dunkle Rauchwolke über dem Chemiepark von Leverkusen zu sehen. AFP/Roberto Pfiel

Nach Angaben der Werksleitung hatte sich die Detonation am Dienstagmorgen gegen 10 Uhr aus noch ungeklärter Ursache im Tanklager der Sondermüllverbrennungsanlage des Chemieparks ereignet. Drei Tanks mit organischen Lösungsmitteln gerieten in Brand. Helfer der Werks- und Stadtfeuerwehr brauchten mehrere Stunden, um das Feuer zu löschen. Zuvor mussten die Rettungskräfte warten, bis eine Stromleitung vom Netz genommen war. Am frühen Nachmittag konnte die Feuerwehr dann vermelden, dass die Flammen gelöscht seien.

Zweiter Tank drohte zu explodieren

Beim Brand im Chempark bestand nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) bei einem weiterem Tank Explosionsgefahr. Der Tank habe 100.000 Liter hochentzündliche, giftige Abfallstoffe enthalten, sagte Reul am Dienstag. Die Feuerwehr habe die Gefahr aber bannen können. Nach Reuls Angaben waren allein 300 Feuerwehrleute im Einsatz

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnete das Ereignis in dem Chemiepark in die Warnstufe „Extreme Gefahr“ ein. Das Unternehmen Currenta berichtete, Einsatzkräfte der Werksfeuerwehr und Luftmesswagen seien im Einsatz. Dennoch wurden die Bürger aufgerufen Wohnungen und Häuser vorsichtshalber nicht zu verlassen sowie das betroffene Gebiet zu meiden.

Zudem wurden mehrere Spielplätze in der Gegend vorsichtshalber abgesperrt. Sogar im rund 60 Kilometer entfernten Dortmund wurde nach dem Feuer im Chemiepark vor Geruchsbelästigung gewarnt Ob die Rauchwolke und daraus herabfallende Niederschläge giftige Stoffe enthielten, war zunächst unklar.

Polizei und Feuerwehr waren angesichts der dunklen Rauchwolke im Großeinsatz. dpa

Die Stadt Leverkusen meldete allerdings zunächst, dass die Messwerte alle im „grünen Bereich“ seien. Als Vorsichtsmaßnahme riet die Stadt aber, Nahrungsmittel im Garten abzuwaschen. Für den Fall, dass sich Rückstände und Ruß-Niederschlag auf den Grundstücken und Straßen finden, wurde eine Telefon-Hotline eingerichtet. Zudem wurden während der Löscharbeiten zeitweise mehrere Autobahnen gesperrt.

Die schwere Detonation hatte die von der Chemieindustrie geprägte Stadt erschüttert. Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD) sprach vor Journalisten von einer „immensen Explosion“. Das Unglück sei „ein tragischer Tag“ für seine Stadt, die Gedanken seien bei der Familie des Toten und den Verletzten. Die Suchmaßnahmen nach den vier Vermissten laufen nach Angaben der Behörden weiter auf Hochtouren.

Der Chempark ist nach eigenen Angaben einer der größten Chemieparks Europas. An den drei Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen sind über 70 Firmen angesiedelt.