Jerry Lewis kann sich zu den Vorwürfen nicht mehr äußern. Er starb 2017. imago images/Photo12

Schockierende Sex-Vorwürfe gegen eine Hollywood-Legende. Gleich mehrere ehemalige Kolleginnen werfen Jerry Lewis vor, sie sexuell belästigt und genötigt zu haben. Laut des Magazins Vanity Fair hatten die Dokumentarfilmer Kirby Dick und Amy Ziering Schauspielerinnen als Teil eines Projekts über Frauenfeindlichkeit und Missbrauch in der Filmindustrie interviewt. Und immer wieder fiel der Name des 2017 verstorbenen Kino-Komikers.

Die Schauspielerin Karen Sharpe beschrieb, wie Lewis am Set ihres gemeinsamen Films „Der Tölpel vom Dienst“ ungefragt in ihrer Garderobe erschienen und sie in die Ecke gedrängt hatte: „Er hat nach mir gegriffen und an mir herumgegrapscht. Dann hat er seine Hose aufgemacht. Um ehrlich zu sein, ich war nur fassungslos.“

Dann reagierte Sharpe – anders als es Lewis erwartet hatte. Sie stieß ihn weg und sagte: „‚Ich weiß nicht, was du von deinen Co-Stars sonst erwartest, aber so was mache ich nicht.‘ Er hat vor Wut gekocht. Ich glaube, das war ihm noch nie passiert.“

Karen Sharpe und Jerry Lewis in einer Szene des Films „Der Tölpel vom Dienst“. Imago Images/Allstar

Jerry Lewis soll mehrere Schauspielerlinnen sexuell belästigt haben

Der Star revanchierte sich bei Sharpe, indem er sie am Set zur geächteten Person ausrief. Die heute 87-Jährige: „Jerry hat der gesamten Crew und Kollegen befohlen, mich während des Rests der Dreharbeiten total zu schneiden. Ein Crewmitglied hat mir dann mitgeteilt: ‚Wer mit der spricht, muss eine Geldstrafe zahlen.‘“ Lewis hatte die Macht dazu. Als höchstbezahlter Schauspieler seiner Zeit bekam er von den Paramount Studio-Bossen Carte Blanche an seinen Sets.

Hope Holiday war die Tochter eines Freundes von Lewis und kannte den „Verrückten Professor“ schon seit ihrem 13. Lebensjahr. Als er ihr 1961 eine Rolle in der Komödie „Zu heiß gebadet“ anbot, war sie Feuer und Flamme. Doch bereits am ersten Tag am Set verging ihr die Freude schnell. Lewis lud sie zu sich in seine Luxusgarderobe ein.

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Die 91-Jährige: „Jerry hat als erstes die Tür verriegelt. Dann hat er angefangen, über Sex zu reden. Er hat schmutzige Sachen zu mir gesagt, sich beim Reden die Hose aufgeknöpft und sein hässliches Ding rausgeholt. Dann hat er sich einen runtergeholt. Ich war total verängstigt und wollte nur noch weg.“ Danach war Holiday „total depressiv“: „Ich wollte nie etwas mit ihm haben. Es war nicht gut!“

Jerry Lewis und Hope Holiday (2.v.r.) in einer Szene des Films „Ich bin noch zu haben“. Imago Images/Allstar

Jerry Lewis starb 2017

Die Filmemacher interviewten zudem die Schauspielerinnen Lanie Kazan („Ich habe seine dunkle Seiten gesehen“), Anna Maria Alberghetti („Er hat mir ständig nachgestellt und ich habe ihn abblitzen lassen“) und Jill St. John, die ebenfalls den Komiker Lewis von einer ganz anderen Seite kennengelernt hatte.

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St. John wollte aber nicht ins Details gehen: „Ich habe ihn als genialen Komiker gesehen, doch man darf die Rolle nicht mit dem Menschen verwechseln. Und mit ihm Filme zu drehen, war eine extrem enttäuschende und traurige Erfahrung.“ Warum sie keine Details nennen will: „Ich will meine Bitterkeit nicht an jemanden auslassen, der nicht mehr auf diesem Planeten verweilt und sich nicht wehren kann.“

Kirby Dick über die Schauspielerinnen aus der Zeit vor MeToo: „Man hat von ihnen erwartet, dass sie es einfach akzeptieren, wenn sie sexuell attackiert und genötigt werden. Man hat über die Casting-Couch immer nur gewitzelt und diese als Joke behandelt. Das hat die Botschaft ausgesendet, dass es keinen Grund gab, sich zu beschweren oder traumatisiert zu sein, nur weil man auf ihr gelandet war.“