Prinzessin Diana am 20. November 1995 im Gespräch mit BBC-Reporter Martin Bashir beim Interview des britische Fernsehsenders BBC.  dpa/BBC/PA Media

Mit einem BBC-Interview erschütterte Prinzessin Diana (†36) die britische Monarchie in ihren Grundfesten. Mehr als 200 Millionen Menschen am Fernseher weltweit wurden am 2o. November 1995 Zeuge wie die „Königin der Herzen“ offen und ehrlich pikante Fragen des britischen Journalisten Martin Bashir (heute 58) beantwortete und damit einen traurigen Einblick in ihr Seelenleben, Essstörungen, Depressionen, Selbstverletzung und eine von Untreue bestimmte Ehe mit dem britischen Thronfolger Charles (heute 72) gab. Das Skandal-Interview hallt bis heute nach.

Über Jahre stellte sich zudem die Frage, wie das BBC-Interview überhaupt zustande kam. Eine Untersuchung brachte jetzt Licht in das Dunkel – und das Ergebnis schockiert: Martin Bashir hatte sich das Interview mittels Täuschung verschafft und gegen interne Regeln des Senders verstoßen. 

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Der britische Journalist Martin Bashir hat vor Kurzen den Sender BBC aus gesundheitlichen Gründen verlassen. 

Die britische Rundfunkanstalt hatte in den vergangenen Monaten die Vorgänge im Vorfeld des Gesprächs von einem früheren Richter am Obersten Gerichtshof untersuchen lassen. Der am Donnerstag von der BBC veröffentlichte Abschlussbericht ergab nicht nur die Täuschung Bashirs, sondern ebenso das pikante Detail, dass er Dianas Bruder Charles Spencer (heute 57) gefälschte Kontoauszüge vorgelegt haben soll, die belegen sollten, dass Mitarbeiter am Hof dafür bezahlt wurden, Diana auszuspionieren.

Daraufhin machte Spencer seine Schwester mit Bashir bekannt. Der veröffentlichte Bericht kritisierte auch BBC-Manager, die versucht haben sollen, den Betrug zu vertuschen. 

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Der Graben während ihrer Ehe war tief: Prinzessin Diana und Prinz Charles im Jahr 1986. 

Prinzessin Dianas Söhne, Prinz William und Harry, erheben schwere Vorwürfe

Unterdessen erhoben kurz nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts die Söhne der 1997 nach einem Autounfall in Paris verstorbenen Prinzessin Diana schwere Vorwürfe gegen die BBC. Das Interview habe einen „wesentlichen Beitrag“ geleistet, dass sich die Beziehung seiner Eltern verschlechtert habe, sagte Prinz William in einer Videobotschaft.

„Es ist meine Sicht, dass die betrügerische Weise, in der das Interview zustande kam, substanziell beeinflusst hat, was meine Mutter sagte“, so der 38-Jährige weiter. Das Versagen der BBC habe erheblich zu ihrer Angst, Paranoia und Isolierung beigetragen.

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Charles Spencer, Prinz William, Harry  und Prinz Charles bei der Beerdigung von Prinzessin Diana am 6. September 1997. 

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William erhob zudem schwere Vorwürfe gegen die damalige Führungsebene der BBC, die weggeschaut habe, statt harte Fragen zu stellen. Was ihn am meisten traurig mache, sei, dass die bereits 1995 aufgekommenen Bedenken und Beschwerden nicht ordentlich untersucht worden seien. „Meine Mutter wäre sich bewusst geworden, dass sie betrogen wurde“, so der zweite in der britischen Thronfolge. Das Interview solle nie wieder ausgestrahlt werden, forderte William.


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Prinz William und sein Bruder Harry. 

Hat das Fehlverhalten der Medien Prinzessin Diana das Leben gekostet?

Harry (36) machte das Fehlverhalten der Medien gar für Dianas Tod verantwortlich. „Der Welleneffekt einer Kultur der Ausbeutung und der unethischen Praktiken hat sie letztendlich das Leben gekostet“, sagte Harry in einer Mitteilung. Diana starb bei einem Autounfall auf der Flucht vor Paparazzi mit ihrem damaligen Freund Dodi Al Fayed in Paris.

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„Was mich zutiefst besorgt, ist dass Praktiken wie diese – und sogar schlimmere – noch immer weit verbreitet sind“, so der inzwischen mit seiner Frau Meghan (39) und seinem Sohn Archie (2) in Kalifornien lebende Prinz. Seit dem Tod seiner Mutter habe sich nichts geändert, fuhr Harry fort.