Skrupellose Händler verdienen mit dem Welpen-Handel das große Geld - doch letztendlich sind es die Tiere, die darunter leiden. Fotos: Deutscher Tierschutzbund, Imago/Ardea

Es ist ein Phänomen, das echten Tierfreunden die Tränen in die Augen treibt – und das einfach nur sprachlos macht: Während der Corona-Zeit ist vor allem der illegale Handel mit Hundewelpen sprunghaft angestiegen. Denn im Lockdown wünschten sich viele ein Haustier, um nicht so allein zu sein und einen Grund zu haben, nach draußen zu gehen. Das spielt den Händlern in die Karten. Nun warnt eine Expertin vor den dramatischen Folgen.

Der Deutsche Tierschutzbund hat die Fallzahlen im Bereich des illegalen Heimtierhandels ausgewertet. Demnach hatte sich im Jahr 2020 die Zahl der von skrupellosen Händlern betroffenen Hunde fast verdreifacht, bei den Katzen gehen die Experten von einer Versechsfachung aus. Nach der Bilanz waren insgesamt 1.221 Tiere vom illegalen Heimtierhandel betroffen – davon über 1.050 Hunde, fast ausschließlich Welpen.

Die Welpen werden unter verheerenden Bedingungen gezüchtet

Aber: „Die Tierschützer weisen darauf hin, dass es sich bei den bekannt gewordenen Fällen nur um die Spitze des Eisbergs handelt“, heißt es in einer Mitteilung des Tierschutzbundes. Noch verheerender sieht der Ausblick für das Jahr 2021 aus. Denn: „Allein von Januar bis Ende März wurden mit 112 Fällen und fast 800 betroffenen Tieren schon knapp zwei Drittel der Fälle des gesamten letzten Jahres verzeichnet“, heißt es.

Die skrupellosen Händler werden also auch weiterhin ihre Geschäfte machen können – und das geht vor allem auf Kosten der Tiere. Denn: Die Hundebabys, die viele so gern haben wollen, werden in Vermehrungsstationen in Ostblockstaaten unter verheerenden Bedingungen gezüchtet, dann viel zu früh von ihren Muttertieren getrennt. Als wäre das nicht schon schlimm genug, werden die wehrlosen Tiere dann noch Tausende Kilometer in Transportkisten durch Europa gekarrt.

„Die ersten Zahlen für 2021 zeigen deutlich, dass der illegale Tierhandel in diesem Jahr einen traurigen Rekord brechen wird. Der Blick auf die vielen erkrankten und verstorbenen Tiere lässt schon jetzt erahnen, wie viel Tierleid infolge des kriminellen Handels noch entstehen wird“, warnt Dr. Romy Zeller, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Sie findest drastische Worte. „Noch etliche Tiere werden dieses Jahr ihr Leben verlieren.“

Die Welpen, die aus Rumänien und Bulgarien kommen, sind oft schwer krank

Wie schnell das geht, zeigen auch die Fälle des vergangenen Jahres. „Unter den vor allem aus Rumänien, Bulgarien, Polen und Ungarn stammenden Tieren befanden sich viele in einem sehr schlechten Allgemeinzustand, sie waren oftmals unterernährt und dehydriert, litten an Durchfall und Fieber“, heißt es. „Bei mehr als einem Viertel der Welpen, die an Durchfall litten, konnte die häufig tödlich verlaufende Viruserkrankung Parvovirose festgestellt werden. In einem Viertel der rund 100 Fälle, in denen Angaben zum Überleben der Welpen gemacht wurden, starb mindestens eines oder sogar mehrere der Tiere – trotz aller Bemühungen der Tierärzte, ihr Leben zu retten.“

Auch die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ warnt immer wieder vor den Folgen des Tierhandels, der vor allem über Kleinanzeigenportale im Netz abgewickelt wird. „Die Wahrscheinlichkeit, ein krankes Tier zu bekommen, ist bei online inserierten Welpen wie beim Münzwurf: 50/50 – nur handelt es sich hierbei um ein fühlendes Lebewesen“, sagt Daniela Schneider, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“.  Eine Umfrage von „Vier Pfoten“ bestätigt, „dass etwa die Hälfte der auf Kleinanzeigen-Portalen gekauften Welpen im Nachhinein auffälliges Verhalten zeigte und einige von ihnen sogar starben! Das zeigt wieder einmal sehr deutlich, dass die skrupellose Welpen-Mafia die Anonymität des Internets ausnutzt, um hier kranke und viel zu junge Tiere zu verkaufen.“