Die Darstellung einer Frau auf dem elektrischen Stuhl. Foto: Imago-Images/Courtesy Everett Collection

Das Grauen, das Anwesende am frühen Morgen des 6. August 1890 im New Yorker Auburn-Gefängnis im Namen der Gerechtigkeit miterlebten, beschrieb die „New York Times“ mit folgenden Worten: „Es war schrecklich und die Zeugen waren so entsetzt, dass sie ihre Augen nicht abwenden konnten. Die Elektrizität war mit einem scharfen Schnappen zu hören. Auf dem Gesicht des Elenden auf dem Stuhl begann Blut zu erscheinen. Es stand wie Schweiß auf dem Gesicht.“

Es handelte sich um die erste Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl, die an William Kemmler vollzogen wurde. Er hatte eine Frau mit einem Beil getötet. Seitdem wurde Strom durch die Körper Tausender Menschen in den USA geleitet, bis sie starben. 130 Jahre später gilt der elektrische Stuhl als Auslaufmodell - bleibt aber ein Symbol für staatliche Hinrichtungen.

Der elektrische Stuhl „Old Sparky“ steht im Gefängnis-Museum in Huntsville (Texas). Foto: dpa/Michael Donhauser

Die Tötungsmethode wurde einst als „humanerer“ Ersatz für das bis dahin gebräuchliche Erhängen entwickelt. Der Zahnarzt Alfred Southwick hatte 1881 einen Betrunkenen beobachtet, der einen Generator berührt hatte und auf der Stelle starb. Er kam zu dem Schluss, dass der Tod durch Strom schnell und schmerzlos sei und baute den ersten elektrischen Stuhl.

Schon der Anblick der todbringenden Erfindung mit seinen Fesseln für Arme, Beine und Oberkörper löst bei vielen Menschen Schaudern aus. Für etwa 30 Sekunden wird ein Stromstoß zwischen 500 und 2000 Volt durch den Körper der zum Tode Verurteilten geleitet. Wenn das Herz dann noch schlägt, wird die Prozedur wiederholt.

Tage des elektrischen Stuhls in den USA sind gezählt

Der Tod auf dem elektrischen Stuhl kann mit dem strengen Geruch nach versengtem Fleisch und grausigen Körperveränderungen einhergehen. Mehrmals passierte es auch, dass die Verurteilten noch lebten, obwohl ihr angeblicher Tod festgestellt worden war. Trotzdem wurde der elektrische Stuhl vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur vorherrschenden staatlichen Tötungsmethode in den USA.

Mittlerweile haben eine Reihe von US-Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft oder deren Vollstreckung ausgesetzt. Und auch die Tage des elektrischen Stuhls in den USA sind gezählt. Heute stirbt niemand mehr auf ihm, solange die Person die Methode nicht ausdrücklich bevorzugt. Zuletzt wurde im Februar der 58-jährige Nicholas Sutton in Tennessee auf dem Stuhl getötet.

Inzwischen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass der elektrische Stuhl nicht schnell und schmerzfrei zum Tode führt, sondern qualvolles Leiden verursacht.