Satou Sabally gibt am Sonntag ihr Debüt in der WNBA Foto: dpa/Eric Evans

Mehr als eine Athletin wolle sie sein, sagte Satou Sabally einmal. Es gelang ihr schnell. Bevor Deutschlands Basketball-Hoffnung überhaupt auf Profi-Level einen Ball in den Korb werfen konnte, flimmerte sie bereits über alle Bildschirme. Sabally, die eloquente Aktivistin, machte international von sich reden. Am Sonntag gibt sie ihr Debüt für die Dallas Wings in der WNBA, der amerikanischen Damen-Profi-Liga.

Gering ist der Druck keinesfalls. Nummer zwei des Talente-Drafts im Frühjahr, ein Sprachrohr der „Black Lives Matter“-Bewegung – von der 22-Jährigen erwarten viele eine Weltkarriere. In Deutschland – Sabally wuchs in Berlin auf – gilt sie als die weibliche Dirk Nowitzki. Doch der Vergleich mit US-Star LeBron James, der sich immer wieder politisch einmischt, drängt sich aufgrund ihres Engagements viel mehr auf.

„Ich bin selbstbewusst“, sagte Sabally, angesprochen auf ihr erstes Spiel in der WNBA. „Mental muss ich mich nicht umgewöhnen. Ich bin eine Gewinnerin und will gewinnen.“ Sabally lächelte, eine gute Portion Respekt ringt ihr die ultimative Prüfung in der WNBA durchaus ab: „Es ist viel körperlicher. Das sind erwachsene Frauen, die spielen hier schon ewig. Die lassen dich auflaufen, als wenn es nichts wäre.“ Mit ihren 1,89 Metern wird sie sich dagegenstemmen. So wie sie es auf anderer Bühne im Kampf gegen Rassismus tut, wenn das Trikot wieder im Spind hängt.

Satou Sabally im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Foto: Imago-Images/Kivrin Golovanov

Ihr persönlicher Weg war nicht so leicht und unbeschwert, wie es ihr fröhliches Wesen vermuten lässt. „In der Schule hat man sich teilweise gewundert, wenn ich eine gute Note hatte“, berichtet Sabally, die Tochter eines Gambiers und einer Deutschen, über ihre Rassismus-Erfahrungen. „Oder auch Ausflüge in den Zoo. Da gab es immer wieder Sprüche, dass man dahin gehen soll, wo man hergekommen ist.“

Gerade jemand wie Sabally, die gleich drei Nationen ihre Heimat nennt, kennt das Gefühl gut, oft als Ausländerin gesehen zu werden. „Als Schwarze in Deutschland wirst du immer gefragt, wo du herkommst“, sagte die Flügelspielerin. „In Amerika passiert das wegen meines Akzents.“

Sabally hat ein Gefühl für Stimmungen und die globale Lage. So sei Rassismus, sagte sie, „eine Pandemie, genauso wie Corona im Moment.“ Ihren eigenen Zufluchtsort vor der Ausgrenzung fand sie im Basketball, denn auf dem Court ist jeder gleich. „Wenn du jemandem einen Pass zuwirfst, ist egal, ob der schwarz, weiß, asiatisch oder sonst was ist“, so Sabally: „Du kämpfst zusammen.“