R. Kelly verlässt nach einer Anhörung das Gerichtsgebäude. Im Missbrauchsprozess gegen ihn haben die Geschworenen den US-Popstar für schuldig befunden. dpa/Amr Alfiky

Der US-Musiker und frühere R'n'B-Star R. Kelly ist im Prozess um den sexuellen Missbrauch Minderjähriger schuldig gesprochen worden. Eine Geschworenenjury in New York verurteilte den Sänger des Welthits „I Believe I Can Fly“ am Montag nach neunstündigen Beratungen in allen Anklagepunkten. Das Strafmaß gegen den 54-Jährigen soll erst am 4. Mai verkündet werden. Kelly, der bereits in Untersuchungshaft sitzt, droht eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Dem Sänger des Welthits „I Believe I Can Fly“ droht lebenslange Haft

Dem Musiker wurden in dem Verfahren unter anderem sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Entführung und Zwangsarbeit in den Jahren 1994 bis 2018 zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, ein ganzes Netzwerk von Helfern aufgebaut zu haben, um seine sexuellen Gelüste zu befriedigen. Verurteilt wurde Kelly auf Grundlage eines Gesetzes zum Kampf gegen kriminelle Vereinigungen wie die Mafia und wegen Sexhandels. Der dreifache Grammy-Gewinner verfolgte die Urteilsverkündung weitgehend regungslos. 

Während des sechswöchigen Prozesses vor einem Bundesgericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn hatten elf mutmaßliche Opfer ausgesagt, neun Frauen und zwei Männer. Sechs von ihnen waren minderjährig, als Kelly den Missbrauch begonnen haben soll. Der Sänger selbst hatte auf nicht schuldig plädiert und während des Prozesses auf eine Aussage verzichtet.

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Die Staatsanwaltschaft hatte dem Sänger, mit bürgerlichem Namen Robert Sylvester Kelly, in ihrem Schlussplädoyer vorgeworfen, „Lügen, Manipulation, Drohungen und körperlichen Missbrauch“ eingesetzt zu haben, um jahrzehntelang ungestraft Frauen und Mädchen sexuell zu missbrauchen. Kelly habe einen Ring an Unterstützern gehabt, die für ihn systematisch Opfer rekrutiert und ihn geschützt hätten. „Ohne sie hätte der Angeklagte sein Verbrechensmuster nicht fast drei Jahrzehnte lang ausüben können.“

R. Kellys Anwalt stellte Opfer als enttäuschte Groupies dar

Kellys Anwalt Deveraux Cannick bezeichnete den Sänger in seinem Schlussplädoyer hingegen als „Sexsymbol“, das einfach nur ein „Playboy-Leben“ gelebt habe. Kellys mutmaßliche Opfer stellte er als enttäuschte Groupies dar, die nur auf Geld aus seien. Cannick äußerte sich enttäuscht über das Urteil und kündigte an, Rechtsmittel zu prüfen.

Gegen den Sänger waren bereits vor rund 25 Jahren erste Vorwürfe laut geworden. 2008 wurde Kelly in einem umstrittenen Prozess wegen Kinderpornografie freigesprochen, andere Verfahren wurden außergerichtlich beigelegt. Die 2019 veröffentlichte Dokumentationsserie „Surviving R. Kelly“ führte dann zu neuen Ermittlungen und zu Kellys Festnahme.