Das Krematorium in Zittau Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Die Krematorien in Sachsen sind nach Einschätzung der Bestatterinnung wegen der Corona-Pandemie mit vielen Todesopfern an der „Grenze des Machbaren“ angelangt. „Da sind Kapazitätsgrenzen erreicht“, sagte Innungsobermeister Tobias Wenzel am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Einige Krematorien würden auch über die Feiertage arbeiten, regional gebe es aber Unterschiede. Letztlich müssten die Leiter der Krematorien das entscheiden. „Ich habe gerade mit Chemnitz telefoniert. Die Leiterin des dortigen Krematoriums sagte, dass ihre Leute die Wochenenden durchgearbeitet hätten und jetzt dringend ein paar freie Tage brauchten.“

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Am Dienstagabend hatte eine Nachricht aus Zittau für Unruhe gesorgt. Die Stadt gab bekannt, Leichen außerhalb des Krematoriums lagern zu müssen, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichen. „Das große Problem sind nun die Feiertage, davor haben alle Angst“, fasste Wenzel die Stimmung in der Bestatterbranche zusammen. Grundsätzlich seien auch Erdbestattungen möglich: „Es gibt keine Empfehlung des Robert Koch-Institutes, dass infektiöse Tote eingeäschert werden müssen.“ In Sachsen sei der hohe Anteil von Einäscherungen aber historisch gewachsen. 80 bis 90 Prozent der Toten würden im Freistaat eingeäschert.

Innungsobermeister: Politik hat versagt

Wenzel warf der Politik Versagen vor. „Man hätte die Heime besser schützen müssen. Was wir jetzt an Sterbefällen haben, stammt vor allem aus den Pflegeheimen.“ Das viele Geld, was man in die Entwicklung der Corona-Warnapp gesteckt habe, hätte man lieber in den Schutz der Heime und Schnelltests stecken müssen. Die Politik habe den Sommer ungenutzt verstreichen lassen.

Wenzel zufolge gibt es in Sachsen zehn Krematorien mit rund 1700 Kühlplätzen. Die seien im Moment gut ausgelastet. Normalerweise brauche man von der Einlieferung ins Krematoriums bis zur Einäscherung fünf Tage, derzeit seien es zehn. Das Verbringen der Toten zur Feuerbestattung nach Tschechien oder in andere Bundesländern sei keine Option. Der Transport müsste mit Lastkraftwagen erfolgen, was mit der Würde nicht vereinbar sei. Die Standesämter stellten derzeit einen vorläufigen Bestattungsschein aus, damit es nicht zu weiteren Verzögerungen komme.