Claus Ruhe Madsen, Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock, geht in der Pandemie seinen eigenen Weg. Und kann regelmäßig niedrige Inzidenzen vorweisen.  Foto: dpa

„Testen, testen, testen.“ Mit diesem Motto ist Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) seit Monaten unterwegs. Die Schüler und Lehrer in der Hansestadt sollen jetzt davon profitieren.

Ab Freitag können sich sukzessive alle rund 30 000 Schüler und Lehrer in Rostock zweimal wöchentlich freiwillig auf eine Corona-Erkrankung testen lassen. Das Pilotprojekt startet mit den Abschlussklassen an 25 Schulen und werde vorerst bis zu den Pfingstferien dauern. Weitere Klassen sollen nach und nach folgen. Die PCR-Tests dazu bietet das in Rostock ansässige Biotechnologie-Unternehmen Centogene kostenlos an. Rostock könne damit als Blaupause für eine weitreichende Strategie zur Schulöffnung in Deutschland gelten, die zügig auf weitere Regionen ausgedehnt werden könnte, heißt es in einer Mitteilung der Stadt und des Unternehmens.

So funktionieren die Tests in Rostock

Interessierte registrieren sich vorab online auf dem Corona-Portal des Biotech-Unternehmens und erhalten dann zweimal pro Woche in der Schule ein Test-Kit. Der Abstrich im Rachen wird zu Hause mit Hilfe der Eltern vorgenommen, am besten vor dem Zähneputzen.

Die Schulen geben die Tests dann weiter zur Auswertung an das Labor. Nur wenn ein Test positiv ist, werden die Schüler und Lehrer benachrichtigt. Dann würde auch das Gesundheitsamt eingeschaltet, so Madsen.  Die Testung und Auswertung werden durch die Berliner Charité und das Rostocker Klinikum wissenschaftlich begleitet.

Wie Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) sagte, habe seine Stadt bereits frühzeitig und erfolgreich ein Konzept zum präventiven Testen auf eine Corona-Infektion etabliert. Schon früh wurde in Kooperation mit dem Unternehmen etwa im vergangenen Jahr die Stadtverwaltung Rostocks getestet um den Lockdown sicher aufzuheben.

„Wir sind stolz, im nationalen Vergleich immer wieder besonders stabile, niedrige Covid-19-Inzidenzwerte melden zu können“, sagte Madsen.

Schulschließungen sollen vermieden werden 

Mit dem neuen Projekt sollen erneute Schulschließungen möglichst verhindert werden. Wie Centogene-Chef Andrin Oswald sagte, soll das Pilotprojekt der Politik und den Entscheidungsträgern demonstrieren, dass dies mit PCR-Tests umsetzbar ist. Sie könnten die Infektionen auch bei geringer Viruslast erfassen. Centogene könne seine Kapazitäten von derzeit über 30 000 Tests bei Bedarf weiter ausbauen. Zusammen mit Partnerlaboren sei auch eine bundesweite Strategie möglich. Rund 50 bis 100 weitere Labore müssten nach Angaben von Centogene eingebunden werden, um flächendeckende Testungen realisieren zu können. Der Verband der Labore aber kann privatwirtschaftlichen Vorstößen dieser Art wenig abgewinnen. „Industrielle Angebote“ wurden vom Verband der die Interessen der niedergelassenen Labormediziner vertritt, in einer Stellungnahme schon vor Monaten als „unethisch und unsolidarisch“ bezeichnet.

Die Kosten für die 30000 Test bis zu den Pfingstferien trägt Centogene. Was das Pilotprojekt das Unternehmen kostet, will der Konzern aber nicht benennen. Am Flughafen BER bietet Centogene den SARS-CoV-2 PCR-Test für 69 Euro an.

Auch in Berlin war das Rostocker Unternehmen bereits am Humboldt-Gymnasium in Tegel tätig. Hier wurden, wie am Neustrelitzer Gymnasium Carolinum, die Schüler und Lehrer regelmäßig getestet. Noch im Mai hatte sich Centogene-Geschäftsführer Arndt Rolfs im Gespräch mit Tagesspiegel Background überzeugt gezeigt, dass in den folgenden Wochen und Monaten solche PCR-Tests deutschlandweit ausgerollt würden und  dass sie nach den Sommerferien in der ganzen Republik an Schulen Standard werden könnten. Davon ist man heute nach der zweiten Corona-Welle allerdings noch weit entfernt.

Die Behörden reagierten auf eine Kooperation mit dem privaten Unternehmen offenbar zögerlich. Claus Ruhe Madsen in Rostock, selber früher ein Unternehmer, ist weniger zimperlich.

Was passiert mit dem Probenmaterial 

Der Rostocker Oberbürgermeister hat das Pilotprojekt mit dem Schulamt, dem Elternrat in Rostock und dem Bildungsministerium in Schwerin abgesprochen. Der Rostocker Schulsenator Steffen Bockhahn (Linke) versichert, dass mit dem Probenmaterial der Schüler über die abgesprochene Corona-Testung hinaus nichts passiere. „Es werden keine Genome gespeichert“, sagt er der Ostsee-Zeitung. 

Der Eigentümer des Berliner Verlags ist über eine weitere Firma an der im Text erwähnten Biotech-Firma Centogene beteiligt und bekleidet einen Sitz im Aufsichtsrat des Rostocker Biotech-Unternehmens.