Eisschollen in der Spree am Moabiter Werder.  Foto: imago images/Bernd Elmenthaler

Deutschland in der Kältekralle! 

Wer heute früh auf sein Außenthermometer geschaut hat, musste sich an vielen Orten in Deutschland die Augen reiben. Sibirische Rekordkälte hat das Land im Griff.

Die Meteorologen unterscheiden dabei zwei Temperaturen: direkt über dem Schnee und in zwei Meter Höhe gemessen. Über Schnee fiel heute Nacht die Minus-30-Grad-Marke. Unfassbar. Und das brachte auch in zwei Meter Höhe Bibber-Werte. Beispiele gefällig?  

Minus 30,2 Grad in Thüringen

In Thüringen sanken die Temperaturen laut wetter.net in Mühlhausen auf sage und schreibe minus 26,7 Grad. Sibirische Verhältnisse melden zahlreiche Wetterstationen auch in Westfalen, im Sauerland, in Nord- und Osthessen, in Thüringen und Sachsen. Dort sackten die Temperaturen bis heute früh oftmals auf minus 20 Grad und darunter. In der Rhön wurden minus 22 Grad gemessen, lokal darunter. Im osthessischen Sontra wurden gar minus 26 Grad registriert.

Eingeschneites Auto in Bielefeld. Foto:  Friso Gentsch/dpa

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Über Schnee wurden die niedrigsten Werte aus Olbersleben in Thüringen (- 30,2 Grad), Sontra in Hessen (- 29,5) und Weimar (- 27,4)  gemeldet. „So kalt war es in einem Februar zuletzt vor 9 Jahren“, sagt Meteorologe Dominik Jung von wetter.net.

Auch in Berlin und Brandenburg sitzen wir im Gefrierschrank. Die Tageshöchstwerte steigen nicht über minus acht bis minus drei Grad. In der Nacht zu Donnerstag können die Temperaturen dann auf eisige minus 18 Grad sinken. In der Nacht zu Freitag soll laut Deutschem Wetterdienst (DWD) auch in unserer Region örtlich die Minus-20-Grad-Marke fallen.  

Vereiste Seebrücke am Strand bei Schönberg (Ostsee). Foto: imago images/xim.gs

Die Kälteluft aus dem Osten hat also ganz Deutschland geflutet. Und es bleibt eisig. Der DWD hat offizielle Warnungen vor strengem Frost herausgegeben. In den kommenden Nächten können die Werte wieder fast überall bis minus 20 Grad, lokal auch darunter, fallen. Bis Sonntag ändert sich daran erst einmal wenig. Auch extreme Straßenglätte ist immer wieder möglich. 

Schneefall am Donnerstag in Berlin

Das Tief Volker zieht derweil von Südosten Richtung Deutschland und bringt neue Niederschläge mit. In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern sind schon heute starke Schneefälle möglich. 10 bis bis 15 Zentimeter können hier fallen. Auch an der Ostsee schneit es zunächst weiter. 

Am Donnerstag zieht dann ein Schneefallgebiet über Brandenburg, Berlin und Sachsen. Hier kann noch mal einiges Weiß herunterkommen.  

Grafik:  dpa/Bökelmann

Mit leichter Entspannung der Wetterlage ist erst am Wochenende zu rechnen. Dann bekommt der Dauerfrost die ersten Lücken. Auch in Berlin könnte das Thermometer bei Sonnenschein erstmals wieder hauchdünn über die 0 Grad klettern. 

Für die kommende Woche erwartet Dominik Jung dann  im Osten leichten Dauerfrost am Tag und strengen Nachtfrost. Im Westen werden tagsüber bis zu 3 Grad erreicht und nachts leichter bis mäßiger Frost. Durchgreifendes Frühlingswetter ist bis 20. Februar nicht in Sicht! „Generell gilt nach den Langfristprognosen: Ein Frühstart in den Frühling ist in diesem Jahr eher unwahrscheinlich“ so  Jung.


Dramatische Situationen

Die Kältekralle sorge an vielen Orten für dramatische Situationen. So mussten Rettungskräfte auf der Insel Usedom einen Jungen aus der Ostsee retten, der bei Kölpinsee auf dem zusammengetriebenen Eis an der Ostseeküste herumgeklettert war und dabei ins Wasser stürzte. Er kam mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik.

Auf der Autobahn 2 zwischen Wolfsburg und Peine kamen Lkw nicht mehr vorwärts. Der Hauptfahrstreifen musste gesperrt werden. Weil Lastwagenfahrer dort parkten und schliefen!

Die Autobahn 7 bei Alt Duvenstedt (Schleswig-Holstein) musste zeitweilig voll gesperrt worden. Ein Räumfahrzeug war aus bisher ungeklärter Ursache in Flammen aufgegangen. 

Im Eis eingebrochen

In Hamburg wollte ein Mann ernsthaft die Tragfähigkeit des Eises auf der Binnenalster testen. Er bracht sofort ein und musste von Polizei und Feuerwehr gerettet werden Er kam unterkühlt ins Krankenhaus. Nicht weit entfernt brach in Hamburg ein ausgebüxtes Pferd in einem Wassergraben ein. Auch hier mussten die Retter einschreiten und das Tier aus dem Eis ziehen. 

Im Wortsinne die Kuh vom Eis holen musste ein Lokführer im Kreis Celle (Niedersachsen). Ein Jungbulle hatte sich vermutlich in Folge der Wetterkapriolen verirrt und war auf die Bahnstrecke geraten. So bremste er einen Regionalzug aus. Im Schritttempo konnte der Fahrer das Tier aber überzeugen, doch noch Platz zu machen. 

Dieses Rind hielt einen Zug im Landkreis Celle auf.   Foto: Friedrich P./metronom Eisenbahngesellschaft mbH/dpa

Viele Kommunen und Organisationen haben ihr Angebot für Obdachlose erweitert. So hält die Berliner Kältehilfe derzeit 1426 Plätze für bereit - so viele wie noch nie.