Schwer bewaffnete Polizisten stehen im Rahmen der Razzia vor einem Haus im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg. Markus Scholz/dpa

Schon wieder gab es eine Razzia gegen eine gefährliche Neonazigruppe in Deutschland: Gestern nahmen die Behörden die erst im vergangenen Sommer gegründete Vereinigung „Aryan Circle Germany“ hoch. Dabei wurden die Wohnungen von zwölf Personen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen durchsucht. Auch in Brandenburg wurde eine Wohnung durchsucht. Sie sollen rassistisch motivierte Straftaten und weitere Straftaten geplant haben.

Laut den Ermittlern habe sich die Gruppe im Juli des vergangenen Jahres im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg zusammengeschlossen. Nach Angaben des antifaschistischen Rechercheplattform „Exif“ soll der bundesweit bekannte Neonazi Bernd T. hinter der Gruppe stehen. Der mehrfach wegen unterschiedlicher Gewalttaten vorbestrafte 45-Jährige, der auch als Zeuge im NSU-Prozess aussagte, kündigte demnach die Gründung „Aryan Circle Germany“ im Juli im Internet an.

Verbindungen zum Mord an Walter Lübcke

Es ist nicht die erste Neonazi-Gruppe, die Bernd T. gegründet hat. So zeichnete er Anfang der 2000er Jahre für die seit 2015 verbotene Kameradschaft „Sturm 18“ verantwortlich, die vom hessischen Kassel aus agierte. Bis es zum Streit kam, führte Bernd T. die Gruppe mit einem gewissen Stanley R. (43). Der war bis zum Verbot im Januar einer der führenden Köpfe von „Combat 18“ und hatte zumindest in den frühen 2000er Jahren belegten Kontakt zu Stephan E., dem mutmaßlichen Mörder von CDU-Politiker Walter Lübcke. 

Bei der Gründung des „Aryan Circle Germany“ wollte Bernd T. im vergangenen Sommer auf die Strukturen von „Sturm 18“ zurückgreifen. „Exif“ berichtet von einer Rundnachricht an ehemalige Weggefährten, in denen der „Aryan Circle“ als quasi auferstandener „Sturm 18“ beschrieben wird. Der Name stammt von einer rechtsextremen amerikanischen Knastbande, mit etwa 1400 Mitgliedern. „Aryan Circle Germany“ hat laut „Exif“ etwa 35 Mitglieder.

Behörden suchten Beweise

Die Razzia richtete sich nun gegen zwölf von ihnen. Sie sollen zwischen 19 und 57 Jahre alt sein. Bei der Durchsuchung ging es vor allem um die Sicherung von Beweismitteln, um den Tatvorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung aufzuklären. Konkrete Anschlagspläne soll es nicht gegeben haben. Sichergestellt wurden neben zahlreichen Speichermedien auch Betäubungsmittel und einige Gegenstände, die unter das Waffengesetz fallen. Von Festnahmen war zunächst nicht die Rede.