Seit fast zwei Jahren schmort R. Kelly in Untersuchungshaft. Foto: Imago Images/Abel Uribe

Seit fast zwei Jahren schmort er bereits in Untersuchungshaft, weil ihn das Gericht als Gefahr für die Allgemeinheit sieht. R. Kelly muss sich wegen 18 Anklagepunkten in New York – von Kidnapping über sexuellen Missbrauch minderjähriger Mädchen bis zu Bestechung und Verschwörung – vor Gericht verantworten. Und die Vorzeichen für den Prozess stehen für den Sänger nicht gut. Nicht nur wurde die Verhandlung bereits vier Mal verschoben, jetzt wollen auch seine Staranwälte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Steven Greenberg und Michael Leonard, die dem Star schon seit Jahren juristisch zur Seite stehen, beantragten beim Richter, vom Fall entbunden zu werden.

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Der Webseite „TMZ“ erklärten die Juristen, dass ein Streit mit anderen Anwälten von Kellys „Dream Team“ dahinter steckt: „Wir weigern uns mit Anwälten ins Feld zu ziehen, die weder die nötige Erfahrung noch die Fähigkeiten für eine solche Strafsache vor einem Bundesgericht haben.“

Für Kelly ist das ein schwerer Rückschlag. Laut Gerichtsexperten könnte er bei einer Verurteilung in allen Anklagepunkten lebenslang hinter Gitter wandern. Der Prozessbeginn wurde vorerst auf den 9. August gelegt.

R. Kelly vor Gericht Imago Images

Der 52-Jährige war im Juni 2019 verhaftet worden. Stunden nachdem er sich bei einem Interview im TV-Sender CBS News zum ersten Mal zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert hatte. Die Anklage gegen ihn sei „nur ein Konstrukt voller Lügen.“ Der Sänger erhob stattdessen schwere Vorwürfe, dass die Eltern von zwei seiner „Freundinnen“ – Azriel Clary (21) und Joycelyn Savage (23) – die Töchter an ihn „verkauft“ hatten: „Welche Eltern bringen ihre Teenager-Tochter mit zu einem R. Kelly Konzert und lassen sie dort mit einem 49-jährigen Mann zurück? Und wieso war alles ok für sie, bis ich aufgehört habe, ihnen Geld zu überweisen?“

Die Interviewerin Gayle King war fassungslos: „Sie sagen, die Eltern haben Azriel und Joycelyn Ihnen einfach übergeben?“ R. Kelly: „Genau das. Absolut! Und jetzt lügen sie über mich. Alle.“ Der Grund dafür ist nach seiner Meinung, dass seine mutmaßlichen Opfer und deren Eltern finanzielle Vorteile aus ihren Storys schlagen wollen: „Sie können ja alles über einen Promi sagen und mit der Macht von Social Media macht es die Runde. Dann kriegen sie einen Buch-Deal oder landen in einer Reality Show“.

Kelly bestritt, dass er je Sex mit Girls unter 18 hatte

Kelly bestritt, dass er je Sex mit Girls unter 18 hatte: „Ich liebe Frauen jeden Alters. Doch ich acht darauf, dass alles legal ist. Und wie dumm müsste ich sein, nach all dem was ich in der Vergangenheit durchgemacht habe, so etwas offen zu tun.“ Er fühlt sich zum „Monster, was Frauen gegen ihren Willen hält“ degradiert. Kelly hat sich vorgenommen, zu kämpfen. Nicht mehr länger, um seine Karriere zu retten, sondern um die Beziehung zu seinen Kindern zu kitten. An dieser Stelle gingen die Nerven mit dem Musiker durch.

Er sprang vom Stuhl auf und brüllte in die Kamera: „Hört auf, mit mir zu spielen. Ich habe all das Zeug nicht getan. Das bin ich nicht. Ich kämpfe um mein fucking Leben. Ihr bringt mich alle mit diesem Scheiß um. Ich habe 30 Jahre in meine Fucking Karriere investiert. Und nun wollen mich alle umbringen.“ An dieser Stelle musste sein Assistent eingreifen und ihn zurückhalten. Interviewerin King saß dabei seelenruhig auf ihrem Stuhl gegenüber und meinte nur trocken: „Sie sollten nicht in die Kamera schauen, sondern mich an. Wollen Sie sich jetzt zum Opfer erklären?“

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R. Kelly schlug die Hände vor dem Kopf zusammen und schluchzte: „Ich sage die Wahrheit. Und ich bin emotional. Weil man auf mich ein Attentat verübt und mich lebendig begraben hat. Aber ich lebe noch!“