Die Prostituierte Ana liegt in einem Zimmer des Laufhauses „Sex Inn“ im Frankfurter Bahnhofsviertel. Foto: dpa/Arne Dedert

Trotz der weiter schwelenden Coronavirus-Pandemie sollte Prostitution aus Sicht der Deutschen Aidshilfe zügig wieder erlaubt werden – in Bordellen, mobil und auf der Straße. Entsprechende Hygienekonzepte lägen vor, erklärte der Verband in Berlin. Nachbarländer wie Belgien, die Niederlande, Österreich, die Schweiz und Tschechien hätten den Schritt bereits vollzogen, hieß es. Hierzulande werde Prostitution dagegen derzeit ins Verborgene verdrängt und finde somit unter gefährlichen Bedingungen statt.

Ulf Kristal vom Vorstand der Aidshilfe sagte, Sexarbeit dürfe nicht anders behandelt werden als andere Tätigkeiten mit engem Körperkontakt. „Niemand hat darüber zu urteilen, ob für jemand anderen ein Friseurbesuch oder ein sexuelles Erlebnis wichtiger ist.“ Er wies darauf hin, dass das Tätigkeitsverbot viele Sexarbeiterinnen in Notlagen bringe. „Viele sind ohne Einkommen, nicht wenige auch ohne Wohnraum oder Krankenversicherung. Prekäre Lebenssituationen und Abhängigkeitsverhältnisse werden verschärft.“ Auf der anderen Seite werde Kunden und Kundinnen die sexuelle Dienstleistung vielfach verwehrt – was eine Einschränkung ihrer Sexualität sein könne.

Demonstration der Initiative Demonstration Sexy Aufstand Reeperbahn für die Wiedereröffnung der Bordelle. Foto: imago images/Hanno Bode

Kristal sagte, die derzeitige Verdrängung in die Illegalität habe fatale Folgen. Menschen in der Sexarbeit brauchten ein sicheres Arbeitsumfeld mit fairen Regeln und rechtlicher Absicherung. „Sicherheit lässt sich nur unter legalen Bedingungen herstellen. Dort lässt sich auch Infektionsschutz am besten umsetzen. Gerade jetzt, wo Infektionszahlen wieder steigen, sind klare Spielregeln wichtig.“ Entsprechende Hygienekonzepte sähen vor: Mund-Nasen-Schutz plus eine Unterarmlänge Abstand zwischen Gesichtern plus Safer Sex. Hundertprozentige Sicherheit werde auch in anderen Branchen nicht gefordert und wäre ohnehin illusorisch.

In Deutschland sind Ende vergangenen Jahres 40.400 Prostituierte angemeldet gewesen. 2170 Prostitutionsgewerbe hatten zu diesem Zeitpunkt eine Betriebserlaubnis bekommen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Für Prostituierte besteht seit dem 1. Juli 2017 eine Anmeldepflicht, für das entsprechende Gewerbe eine Erlaubnispflicht. Grundlage ist das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG). „Nicht angemeldete Gewerbe und Prostituierte werden in der Statistik nicht erfasst“, erklärten die Statistiker.