Prinz Harry hat einen Großteil der Royals gegen sich.
Prinz Harry hat einen Großteil der Royals gegen sich. dpa/Kirsty Wigglesworth

Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich vor Enthüllungen nicht fürchten. Geht man nach dieser einfachen Gleichung, haben das britische Königshaus, treue Monarchisten und die erzkonservative Presse wohl eine Menge Dreck am Stecken. Denn knapp zweieinhalb Monate bevor am 10. Januar des kommenden Jahres die Memoiren von Prinz Harry erscheinen sollen, wird die Stimmung bereits auf den Tiefpunkt getrieben. Die Zeitung The Sun, die in den letzten Monaten und Jahren bitterbös im Umgang mit Harry und insbesondere seiner Frau Meghan gewesen ist, kündigte schon einmal an: „Dieses Buch ist noch viel schlimmer, als die Leute denken.“

Prinz Harrys Memoiren: Kommt nun die Abrechnung?

Als sicher gilt: Harry dürfte die Zwänge der britischen Royals, in die erst seine Mutter, dann seine Frau und auch er selbst nie so wirklich passen wollten, gehörig ins Visier nehmen. Auch sein Vater, König Charles III., könnte sein Fett weg bekommen. Darauf deutet jedenfalls der Titel hin. „Spare“ heißt das Buch im Original, vermutlich eine Anspielung auf die Redewendung „The heir and the spare“, also „der Erbe und der Ersatz“. Das ist unverhohlen auf Harry als jüngeren Bruder von Thronfolger William gemünzt, der nur beim Tod des Älteren zum Zuge kommen könnte. Auch die Titel der übersetzten Ausgaben machen die Rolle, wie sich Harry offenbar sieht, deutlich: In Deutschland heißt das Buch „Reserve“.

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Das Buch von Prinz Harry heißt auf Deutsch „Reserve“.
Das Buch von Prinz Harry heißt auf Deutsch „Reserve“. AP/Random House Group

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Die Beziehungen zwischen Harry und seiner Ehefrau Herzogin Meghan auf der einen Seite und Charles, aber auch Bruder William auf der anderen gelten seit Längerem als zerrüttet. Auslöser war vor allem das aufsehenerregende Interview des Paares, das 2020 nach Kalifornien auswanderte, mit US-Moderatorin Oprah Winfrey im März 2021. Darin warfen Meghan und Harry dem Palast Rassismus sowie mangelnde Unterstützung vor.

Seitdem wollen britische Medien zwar immer wieder Anzeichen für Tauwetter entdeckt haben. Charles etwa betonte in seiner ersten Ansprache an die Nation als König demonstrativ seine Liebe zu Sohn und Schwiegertochter. Aber es bleiben ausreichend Streitpunkte. So übernahm ausgerechnet Charles den zuletzt von Harry gehaltenen Ehrentitel Captain General der Royal Marines – ohne auch nur mit einem Wort auf die Rolle seines Sohnes und Vorgängers einzugehen.

Nach dem Tod der Queen: Harry wollte Überarbeitung

Auf diese ohnehin angespannte Gemengelage trifft nun das Buch, das Harry gemeinsam mit dem Ghostwriter J.R. Moehringer verfasst haben soll. Eigentlich sollte es bereits im Herbst erscheinen, doch nach dem Tod seiner Großmutter Königin Elizabeth II. hat Harry offenbar auf eine Überarbeitung gedrängt, wie es in London heißt. Immerhin 20 Millionen Euro Vorschuss soll der Queen-Enkel erhalten haben. Mehrmals sei Harry aufgefordert worden, einzelne Teile ausführlicher darzustellen oder gar Anekdoten zu ergänzen. Auch das schüre Ängste im Palast vor Enthüllungen.

Die Beziehungen innerhalb der Familie seien mit der Verkündung des vielsagenden Titels ohnehin nahe am Tiefstand, schrieb die Zeitung The Mirror. Harry habe zudem eine Einladung zum gemeinsamen Weihnachtsfest abgelehnt, will das Blatt erfahren haben. Die Daily Mail berichtete, stattdessen erwäge er, zu Jahresbeginn in seine Heimat zu fliegen und sein Buch zu erklären. William soll seit der Bekanntgabe kaum ein Wort mit seinem jüngeren Bruder gesprochen haben. Die Stimmung ist angespannt.

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Doch wie wird der Palast reagieren? „Ich kann mir gut vorstellen, dass König Charles gewarnt worden ist, dass jede Form der Vergeltung unschön sein wird“, erklärte der Royals-Biograf Tom Bower der Sun. Er vermutet, dass der Monarch Harrys Kindern Archie (3) und Lilibet (1) die Titel eines Prinzen und einer Prinzessin verweigern könnte, auf die sie eigentlich ein Anrecht haben, seit ihr Großvater König ist. „Letztendlich könnte er auch Harry und Meghan die Titel wegnehmen“, sagte Bower. „Aber das wäre ziemlich drastisch.“