Der Hauptangeklagte Andreas S. im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern dpa/Uwe Anspach

Viereinhalb Monate sind die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten in Kusel in Rheinland-Pfalz her. Der gewaltsame Tod einer 24-jährigen Polizistin und ihres Kollegen (29) bei einer Verkehrskontrolle löste bundesweit Entsetzen aus. Nach Überzeugung der Ermittler wurden die Gewehrschüsse abgefeuert, um Jagdwilderei zu verdecken. Nun steht der mutmaßliche Täter Andreas S. (39) vor Gericht – und beschuldigt gleich zu Prozessbeginn seinen mutmaßlichen Komplizen.

Sein Mandant habe bei dem Vorfall Ende Januar Schüsse gehört und sei „perplex“ gewesen, sagte der Verteidiger von Andreas S. Sein Mandant habe zwar danach auch geschossen – aber „nur, um zu erreichen, dass nicht weiter auf ihn geschossen wird“, sagte der Verteidiger und schilderte eine Art Notwehrlage.

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Verteidiger des mutmaßlichen Polizistenmörders schildert eine Art Notwehrlage

Andreas S. habe bei der unübersichtlichen nächtlichen Situation Mündungsfeuer gesehen und in diese Richtung gefeuert. Nach dem Vorfall habe er sich im Saarland den Behörden stellen wollen, er habe aber zuvor mit seiner Frau sprechen wollen – so sei ihm ein Spezialeinsatzkommando (SEK) zuvorgekommen und habe ihn festgenommen.

Der Hauptangeklagte Andreas S. neben seinem Verteidiger Leonhard Kaiser zu Prozessbeginn in Kaiserslautern. AFP/Uwe Anspach

Der Verteidiger des Komplizen Florian V. (33) wies die Darstellung als unzutreffend und „vorhersehbar“ zurück. Es sei so gewesen, wie sein Mandant bei der Vernehmung geschildert habe.

Der Angeklagte Florian V. (33) spricht im im Landgericht Kaiserslautern mit seinem Anwalt Thomas Will. Ihm wird unter anderem Strafvereitelung vorgeworfen. dpa/Uwe Anspach

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten in der Tatnacht zur Jagdwilderei unterwegs waren. Polizeianwärterin Yasmin B. und Oberkommissar Alexander K., die in einem Zivilfahrzeug Streife fuhren, kam der geparkte Kastenwagen am Rand einer Kreisstraße verdächtig vor und sie stiegen zur Kontrolle aus. Überraschend, so die Anklage, habe Andreas S. einen Schuss aus der Flinte „aus kurzer Entfernung auf den Kopf“ der Polizeianwärterin abgegeben.

Anklage wirft Angeklagtem vor, die verletzte Polizistin per Kopfschuss getötet zu haben

Die Frau stürzte schwer verletzt auf die Straße. Danach soll der Angeklagte zunächst mit der Flinte, dann mit einem Jagdgewehr auf den Polizeikommissar geschossen und ihn tödlich am Kopf getroffen haben. Als Andreas S. gemerkt habe, dass die Polizistin noch lebte, habe er mit der Flinte einen weiteren Schuss auf den Kopf der Frau abgegeben, hieß es.

Andreas S. wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem zwei Morde vor, „aus Habgier und um eine Straftat zu verdecken“. Florian V. wirft sie unter anderem versuchte Strafvereitelung vor.

Die Opfer: Polizeianwärterin Yasmin B. (24) und Oberkommissar Alexander K. (29). Twitter/Polizei Mainz

Nach etwa einer Stunde vertagte das Gericht in Kaiserslautern den Prozess auf Montag, den 27. Juni.