Bei der italienischen Polizei hat es einen Skandal gegeben. Foto: Imago-Images/Matteo Nadorne

Die Szenen sind schockierend: Ein Polizist schreit zwei junge Männer an, schlägt sie mit der flachen Hand und zwingt sie dazu sich gegenseitig zu schlagen. Die Unsicherheit treibt ihnen bei dabei ein verlegenes Lachen ins Gesicht - bis einer von ihnen weinen muss. Ein Video aus der sizilianischen Stadt Agrigento hat in Italien für einen Aufschrei gesorgt. Gegen den verantwortlichen Polizisten wird nun ermittelt.

Das Video, das seit rund einer Woche im Netz kursiert, stammt von Anfang Juni, wie mehrere italienische Medien berichten. Es zeigt einen älteren Polizisten der eine Gruppe junger Männer auf italienisch anschreit. Besonders auf zwei scheint er sich eingeschossen zu haben: „Ihr seid Gäste und ihr müsst die Regeln akzeptieren. Jetzt geht auf eure Knie und schlagt einander.“ Weil die beiden jungen Männer nicht doll genug schlagen, macht er es an einem der beiden vor. „Sei ein Mann und schlag ihn“, ruft er immer wieder vor den Augen von mindestens vier seiner Kollegen, die jedoch nicht einschreiten. 

Triggerwarnung: Dieses Video enthält eine Gewaltdarstellung

Die beiden Männer waren aus Tunesien als Flüchtlinge gekommen, einer von ihnen soll laut der Zeitung „Il Giornale“ noch nicht volljährig sein. Sie hatten versucht, aus der Aufnahmeeinrichtung Favara in Agrigento zu fliehen und damit gegen die Quarantäne-Richtlinen im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie verstoßen. Das brutal anzuschauende Video endete, als einer der beiden mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden geht. Zeugen berichteten der Zeitung, dass diese Bestrafung damit aber nicht vorbei war, sich die beiden Flüchtlinge weiter gegenseitig schlagen mussten. 

Dieses Video befeuert die aktuelle weltweite Debatte um rassistische Polizeigewalt. Der Polizei-Inspektor wurde inzwischen suspendiert. Gegen ihn wird ermittelt. Die Polizeichefin von Agrigento, Rosella Iraci sagte dem „Corriere della Sera“: „Er ist eine Person für die wir uns schämen. Wir ergreifen strenge Disziplinarmaßnahmen.“ Sie kündigte an, dass in einem Disziplinarverfahren auch zu klären sein werde, wie verantwortungsbewusst sich die anderen anwesenden Polizisten verhalten hätten, als sie nichts gegen „diese undenkbaren und dummen Schikanen“ getan haben.